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Last-Minute-Canary: Norwich siegt spät gegen Vauxhall Motors

Ein spätes Tor, ein aufatmendes Stadion und ein Trainer, der sich selbst kaum glauben konnte - so endete am Dienstagabend das zähe Duell zwischen den Norwich Canaries und Vauxhall Motors in der 2. Liga Englands. Vor 22.063 Zuschauern im Carrow Road Stadion mühten sich die Hausherren zu einem 1:0 (0:0)-Erfolg, der mehr Nerven kostete, als es das knappe Ergebnis vermuten lässt.

Bis zur 87. Minute war es ein Abend der verpassten Chancen, der halben Ideen und der vollen Geduld. Norwich spielte gefällig, kombinierte sich in bekannter Kurzpass-Manier durch die engen Räume, doch das Netz blieb lange unberührt. "Ich dachte irgendwann, das Tor sei heute kleiner als sonst", scherzte Matchwinner Logan Scott nach dem Abpfiff. Dabei hatte der Rechtsaußen schon früh auf sich aufmerksam gemacht - in der 13. Minute prüfte er Vauxhall-Keeper Jack Harrington mit einem satten Schuss, der aber ebenso entschärft wurde wie fast alles, was Norwich in der ersten Halbzeit versuchte.

Und davon gab es reichlich: 16 Torschüsse verzeichneten die Canaries insgesamt, allein acht davon vor der Pause. Oscar Craven, der quirlig über links wirbelte, verzweifelte mehrfach am gegnerischen Torwart, während Youngster Zoran Tosic mit seinen Versuchen (30., 32.) den Ball lieber in die obere Etage des Fanblocks schickte. Trainer Mister Unbekannt - ja, der Name ist Programm - blieb trotzdem gelassen: "Wir spielen unseren Stil, ruhig, kurz, sicher. Irgendwann fällt er schon rein."

Vauxhall Motors dagegen begnügte sich über weite Strecken mit defensiver Schadensbegrenzung. Joshua Henderson tauchte zwar in der 52. Minute gefährlich vor Freddie Hayman im Norwich-Tor auf, doch der junge Keeper blieb cool und lenkte den Ball mit der Brust (!) ab. "Ich wollte einfach aussehen wie Neuer", grinste Hayman später.

Das Spiel blieb offen, auch weil Norwich zwar den Ball (51,5 % Ballbesitz) und die Zweikämpfe (55,6 % gewonnen) dominierte, aber das Entscheidende nicht vollbrachte - treffen. Vauxhall lauerte auf Konter, ohne je so recht in Fahrt zu kommen. Man hatte das Gefühl, sie würden lieber auf ein 0:0 anstoßen als auf ein Tor schießen.

Dann kam die 87. Minute. Linksverteidiger Samuel Corey schob sich ein letztes Mal nach vorne, flankte halb hoch, halb hoffnungsvoll in den Strafraum - und Logan Scott tat, was er den ganzen Abend versucht hatte: Er traf. Der Ball zappelte, das Stadion explodierte, und Mister Unbekannt riss die Arme hoch, als hätte Norwich gerade den Aufstieg klargemacht.

"Ich habe einfach durchgezogen", sagte Scott mit einem Grinsen. "Ich glaube, Samuel wollte eigentlich flanken, aber vielleicht war’s auch ein Schuss. Egal - wir nehmen ihn." Corey selbst sah das etwas anders: "Natürlich war das eine Flanke. Eine sehr gute Flanke."

In den letzten Minuten verteidigten die Canaries mit der Ruhe eines Teams, das genau weiß, dass es sich keinen Fehler mehr leisten darf. Vauxhall Motors versuchte es noch einmal über Henderson (85.), doch Hayman war wieder zur Stelle. Danach pfiff der Schiedsrichter ab - und Norwich jubelte, als hätte man gerade Wembley gebucht.

Statistisch blieb das Spiel klar auf Seiten der Hausherren. 16:4 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache, und auch der kleine Vorteil im Ballbesitz spiegelte die Kontrolle wider, die Norwich über weite Strecken hatte. Doch es war weniger die Dominanz als die Zähigkeit, die den Unterschied machte.

"Ein dreckiger Sieg ist auch ein Sieg", sagte Trainer Unbekannt auf der Pressekonferenz und ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Manchmal braucht man eben 86 Minuten Aufwärmzeit."

Für Vauxhall Motors bleibt immerhin das stolze Gefühl, einem Favoriten das Leben schwer gemacht zu haben. Coach Peter Wallace (der sich nach Spielende lieber nicht blicken ließ) dürfte dennoch ein paar graue Haare mehr zählen.

Und Norwich? Die feiern ihren späten Helden Logan Scott, der mit seinem Treffer den Aufwärtstrend festigt und die Fans mit einem Lächeln nach Hause schickt. Ein Spiel, das man nicht wegen seiner Schönheit lieben wird - aber sicher wegen seines Endes.

Vielleicht sollte man in Norwich künftig einfach ab der 85. Minute einschalten. Da passiert offenbar das Beste.

17.11.643999 18:27
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