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Ein lauer Maiabend, 20.30 Uhr in Lubin, 20.000 Zuschauer, die Sonne gerade untergegangen - und dann dieses Ende! Der FC Lubin verliert am 11. Spieltag der 1. Liga Polen mit 1:2 gegen BKS Gdansk, obwohl sie zur Halbzeit noch wie der sichere Sieger aussahen. Es war eines dieser Spiele, bei dem man sich fragt, ob Fußballgötter manchmal einfach Langeweile haben. Lubin begann konzentriert und kontrolliert. 51 Prozent Ballbesitz, ruhiger Aufbau, kaum Risiko. "Wir wollten Gdansk laufen lassen", erklärte Trainer Marek Nowicki nach der Partie mit einem leicht gequälten Lächeln. "Hat ja auch geklappt - bis zur 90. Minute." Tatsächlich hatte Lubin die erste Halbzeit weitgehend im Griff, und als Matti Gora in der 41. Minute nach feiner Vorarbeit von Louis Badham den Ball trocken ins rechte Eck drosch, bebte das Stadion. 1:0 - verdient und irgendwie symptomatisch: Ein Stürmer, der traf, als wäre er im Training, und ein Gegner, der bis dahin mehr Staub als Gefahr produzierte. Gdansk, von Trainer Mike Matt mit einer offensiven Ausrichtung ins Spiel geschickt, wirkte lange wie ein Rennwagen im Stau: viel Motor, wenig Vortrieb. Schon in der 5. Minute kassierte Marcel Bak Gelb, weil er wohl dachte, Grätschen sei eine olympische Disziplin. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er später, "aber der Ball war halt schneller." Nach der Pause wurde es turbulent. Gdansk wechselte gleich dreimal - Matt brachte frisches Blut und offensichtlich auch frische Ideen. Der 17-jährige Jerzy Klose musste runter, dafür kam der 22-jährige Sebastian Mencel - und der sollte sich noch unsterblich machen. Doch zunächst musste Lubin einen Schock verkraften: In der 53. Minute verletzte sich Janek Lesniak am Oberschenkel, humpelte vom Platz und wurde durch Marian Bak ersetzt. "Ich hab den Ball gespürt, aber leider auch meinen Muskel", murmelte Lesniak später in der Mixed Zone. Und dann kam die 69. Minute. Josef Arens, der linke Verteidiger Gdansks, stürmte plötzlich wie eine Dampfwalze nach vorne, flankte butterweich auf Mencel - und der köpfte aus acht Metern ein. 1:1. Ausgleich. Keine Chance für Keeper Burak Ogaza. "Ich hab ihn kommen sehen, aber da war schon zu spät", sagte Ogaza und zuckte mit den Schultern. Lubin taumelte, Gdansk witterte seine Chance. Die Nordpolen schossen jetzt aus allen Lagen - ganze 13 Torschüsse standen am Ende zu Buche, gegenüber mageren drei von Lubin. Und dann, als alle schon mit einem gerechten Remis rechneten, passierte das Unfassbare: 96. Minute, Ecke Gdansk, Chaos im Strafraum, und ausgerechnet der Innenverteidiger Philip Gancarczyk stieg am höchsten. Sein Kopfball landete im Netz. 1:2. Aus. Vorbei. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste Gancarczyk hinterher, während Trainer Matt ihn umarmte wie einen verlorenen Sohn. Auf der anderen Seite stand Nowicki regungslos an der Linie, die Hände tief in den Taschen. "Das war Slapstick in Zeitlupe", murmelte er, als er sich endlich bewegte. Dabei hatte seine Mannschaft gar nicht schlecht gespielt - zumindest statistisch. Der Ballbesitz war ausgeglichen, aber Gdansk gewann mehr Zweikämpfe (57 Prozent) und zeigte schlicht mehr Biss. Selbst nach der roten Karte für den jungen Bartilomiej Willimowski in der 87. Minute - ein harter Einsatz, der mehr nach Kampfsport aussah - gaben die Gäste nicht auf. Mit zehn Mann warfen sie alles nach vorn. "Wir wollten das Ding einfach erzwingen", sagte Trainer Matt, "und manchmal hilft ja ein bisschen jugendlicher Wahnsinn." Als der Schlusspfiff ertönte, lag Gancarczyk unter einem Berg aus jubelnden Mitspielern, und der Gästeblock sang sich heiser. Lubin dagegen schlich vom Platz wie eine Theatertruppe nach einer missglückten Premiere. "Fußball kann grausam sein", meinte Torschütze Gora und starrte ins Leere. "Aber wenigstens war’s kein 0:0." Da hatte er recht - und womöglich sprach er vielen Fans aus der Seele. Denn am Ende war es ein Spiel, das niemand so schnell vergessen wird: mit Drama, Verletzung, Platzverweis und einem Happy End für die Gäste. Vielleicht, dachte man sich in Lubin, ist das Leben als Fußballfan eben manchmal wie ein Elfmeter in der Nachspielzeit: Man weiß nie, ob er reingeht - oder einem das Herz bricht. 04.10.643999 05:19 |
Sprücheklopfer
Als ich zum FC Bayern kam, war ich ein Schnäppchen, heute bin ich rund 50 bis 60 Millionen Mark wert.
Stefan Effenberg