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Last-Minute-Krimi in Kahl: Viktoria rettet Remis gegen Langmeil

Ein lauer Maiabend, Flutlicht, 2.362 Zuschauer und ein Spiel, das erst dann richtig aufwachte, als alle schon dachten, sie könnten sich jetzt um die Bratwurstschlange kümmern: Viktoria Kahl und der SV Langmeil trennten sich im Duell des 26. Spieltags der Landesliga 21 mit 1:1. Was nach einem unspektakulären Ergebnis klingt, war in den letzten Minuten ein kleines Drama mit allem, was das Fußballherz begehrt - inklusive jugendlicher Helden, hektischer Trainer und eines Innenverteidigers, der plötzlich Stürmer spielte.

Von Beginn an war klar: Kahl wollte, Langmeil konnte. Trainer Rainer Zufall hatte seine Viktoria offensiv eingestellt, mit viel Kurzpassspiel und jugendlichem Elan. Die meisten seiner Spieler sind noch nicht alt genug, um das Bier nach dem Spiel legal zu trinken - aber sie liefen, als hinge der Schulabschluss davon ab. Bereits in der 2. Minute prüfte Yanik Hennig den Keeper der Gäste, Jakob Scholz, mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe. Scholz klatschte den Ball ab, und irgendjemand auf der Tribüne rief: "Der hat ja Butterfinger!" - woraufhin Scholz später schmunzelnd meinte: "Lieber Butterfinger als Bratwurstfinger, Hauptsache ich halte ihn."

Langmeil dagegen agierte abgeklärt, fast schon stoisch. Ballbesitzfußball mit 55 Prozent Anteil, geduldiger Aufbau, aber wenig Zug zum Tor. Werner Wiese und Nico Krieger kamen in der ersten Halbzeit zu Gelegenheiten, doch Kahls Keeper Joshua Hinz war hellwach - und vielleicht auch ein bisschen übermotiviert. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte er später, als er in der 37. Minute fast über die Seitenlinie stolperte, um einen Rückpass zu klären.

Kurz darauf der erste Schockmoment: Marc Schmidt, der flinke linke Flügel der Viktoria, blieb nach einem Zweikampf liegen. Diagnose: Knöchel verdreht. Für ihn kam der erst 17-jährige Mike Becker, der kurz darauf seine erste Gelbe Karte kassierte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", rechtfertigte er sich - was Schiedsrichter Konrad Schmitt offenbar nicht als gültige Fußballregel anerkannte.

Die zweite Halbzeit begann wie die erste: mit viel Kampf, wenig Präzision und gelegentlichen Lebenszeichen beider Offensivreihen. Heinz Haase hatte in der 48. und 63. Minute beste Chancen, scheiterte aber jeweils knapp. Langmeil blieb gefährlich, besonders über die linke Seite mit Justin Neubauer, der immer wieder Flanken in den Strafraum drosch wie ein Bäcker seine Semmeln in den Ofen.

Dann, in der 83. Minute, der Moment, auf den Langmeil gewartet hatte. Neubauer tankte sich über links durch, legte quer auf Marcel Heller - und der 30-jährige Mittelfeldroutinier versenkte den Ball mit der Ruhe eines Mannes, der schon viele Landesligaabende erlebt hat. 1:0 für Langmeil, und auf der Gästebank brach kurz der kollektive Freudentaumel aus.

Doch wer zu früh jubelt, macht in Kahl oft Bekanntschaft mit dem Gesetz des späten Ausgleichs. Nur vier Minuten später, 87. Minute: Ecke von Stefan Ziegler, der Ball segelt in den Strafraum, und plötzlich steht da Jean-Pierre Carrier - Innenverteidiger, 20 Jahre jung - und köpft das Leder wuchtig ins Netz. 1:1! Das Stadion explodiert, und Trainer Zufall rennt fast über die Seitenlinie. "Ich hab’ ihm letzte Woche noch gesagt, dass er hinten bleibt", grinste der Coach später, "aber gut, manchmal ist Ungehorsam eben Gold wert."

Die letzten Minuten wurden zum offenen Schlagabtausch. Beide Teams wollten plötzlich mehr, aber keiner traf mehr. Langmeil wirkte konsterniert, Viktoria euphorisiert. Am Ende blieb es beim gerechten 1:1, das in der Statistik ebenso ausgeglichen aussieht wie auf dem Platz: 9 zu 8 Torschüsse, 51 zu 49 Prozent Zweikampfquote - und zwei Teams, die sich nichts schenkten.

Marcel Heller bilanzierte nach dem Abpfiff trocken: "Wir hätten das Ding eigentlich nach Hause bringen müssen, aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Und Kahls junger Held Carrier, noch immer leicht fassungslos über sein Tor, fügte hinzu: "Ich wollte eigentlich nur den Ball verlängern. Und plötzlich war er drin. Vielleicht sollte ich öfter vorne bleiben."

Trainer Zufall nickte dazu mit einem verschmitzten Lächeln: "Vielleicht. Aber bitte erst nach dem Abitur."

So ging ein Abend zu Ende, der den Zuschauern alles bot, was man von einem Landesliga-Spiel erwartet: Leidenschaft, Drama und die Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach schön unberechenbar bleibt - genau wie sein Name es verspricht: Zufall.

28.04.644000 20:26
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