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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball zeigt, warum er so viele Menschen in seinen Bann zieht - und warum Trainer graue Haare bekommen. Der FC Heerenveen gewinnt am 19. Spieltag der 1. Liga Niederlande mit 1:0 gegen PVC Eindhoven, und das dank eines 19-jährigen Jokers, der in der Nachspielzeit trifft. 54.894 Zuschauer im Abe-Lenstra-Stadion erlebten ein Drama in Blau-Weiß, das erst in Minute 90 seine Pointe fand. Von Beginn an war klar: Heerenveen hatte Lust auf Offensivfeuerwerk, Eindhoven auf Schadensbegrenzung. Trainer Adam Kramer ließ seine Mannschaft offensiv und über die Flügel anlaufen, während Markus Freys Gäste sich tief einigelten - mit einer Taktik, die "Defensiv" hieß und sich auch so anfühlte. Die Statistik spricht Bände: 23 Torschüsse für Heerenveen, ganze zwei für Eindhoven. Letztere wirkten eher wie Versehen - einer von Linksverteidiger Vincent Lansing in der 53. Minute, der andere von Nicolaas Vanderveer kurz darauf. Heerenveen dagegen schoss aus allen Lagen. Tomo Bazina, der rechte Flügelstürmer, hätte allein ein halbes Dutzend Tore machen können. In der 4. Minute prüfte er erstmals den Torhüter Fotios Siontis, in der 24. und 25. Minute wieder - und wieder ohne Erfolg. "Ich dachte irgendwann, das Tor ist verflucht", grinste Bazina später. "Dann kam Joris - und hat’s eben entzaubert." Der junge Joris Van Schoonhoven, gerade einmal 19 Jahre alt und kurz zuvor für Aljosa Benko eingewechselt, wurde zum Helden des Abends. Doch bis dahin war es ein Kampf mit offenem Visier - zumindest auf einer Seite. Heerenveen drückte, kombinierte, flankte, rannte. Eindhoven stand, blockte, foulte - und flog. In der 68. Minute sah ihr Stürmer Teo Males glatt Rot nach einem rustikalen Rempler gegen Hjalmar Kraft, der bereits mit Gelb vorbelastet war, aber lachend weiterspielte. "Er hat halt vergessen, dass das hier kein Ringen ist", witzelte Kraft. Die Überzahl nutzte Heerenveen… erst einmal gar nicht. Wouter Wyman knallte in der 66. und 67. Minute gleich zweimal über das Tor, Esteban Melendez zirkelte in der 70. einen Freistoß knapp vorbei - und Koenraad Vandermark schoss in der 52. Minute so drüber, dass der Ball wohl noch immer gesucht wird. Trainer Kramer hielt sich an der Seitenlinie die Stirn. "Ich habe innerlich schon die Schlagzeile gelesen: ’Heerenveen verzweifelt an sich selbst’", scherzte er später. Doch dann kam die 89. Minute: Kramer wechselte doppelt. Der junge Rechtsverteidiger Karel Costar kam für Domenico Maida, und eben jener Van Schoonhoven ersetzte den müden Benko. Eine Minute später, die Nachspielzeit läuft, bekommt Esteban Melendez auf links den Ball, zieht elegant an zwei Verteidigern vorbei und legt quer. Van Schoonhoven steht goldrichtig, nimmt den Ball mit links - und trifft. 1:0. Stadion explodiert. Kramer rennt die Seitenlinie entlang, als hätte er selbst getroffen. "Ich habe gar nicht nachgedacht", sagte Van Schoonhoven nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen. "Melendez hat mir den Ball serviert, und ich hab einfach draufgehauen. Als ich den Jubel hörte, wusste ich: Das war drin." Sein Trainer ergänzte trocken: "Ich überlege, ob ich ihn jetzt immer erst in der 90. bringe." Eindhoven, das nach dem Platzverweis kurzzeitig mehr Pressing zeigte (laut Taktikdaten immerhin ein spätes "YES" in der Kategorie Pressing), kam nicht mehr gefährlich vors Tor. Ihr letzter Hoffnungsschimmer - eine Gelbe Karte in der 86. Minute für Vincent Lansing - war symptomatisch: Der Verteidiger sah Gelb, als er versuchte, Wyman am Konter zu hindern. Am Ende jubelte Heerenveen über drei Punkte, die sie sich mit Geduld und 57,8 Prozent gewonnener Zweikämpfe verdient hatten. Eindhoven dagegen hatte zwar etwas mehr Ballbesitz (53,1 Prozent), konnte daraus aber nichts machen - außer Zeit schinden und Bälle klären. "Wir haben gut gestanden, bis wir nicht mehr standen", analysierte Gästecoach Markus Frey trocken. "Nach dem Platzverweis war’s nur noch eine Frage der Zeit." Und so endete ein Spiel, das eigentlich längst entschieden hätte sein müssen, mit einem Happy End für die Gastgeber und einem Albtraum für jeden Defensivtrainer. Heerenveen feierte ihren Teenager wie einen Superstar, während Eindhoven wortlos in die Kabine schlich. Zum Schluss blieb nur noch ein Gedanke: Fußball kann grausam sein - es sei denn, man heißt Joris Van Schoonhoven. Dann ist er einfach wunderschön. 26.01.644000 12:50 |
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