Sporski Journal
+++ Sportzeitung für Serbien +++

Lazarevacs Jungspunde zerlegen Selen Belgrad mit 3:0 - ein Triumph der Unbekümmertheit

Es war ein lauer Maiabend, an dem die 39.565 Zuschauer im Stadion von Lazarevac Zeugen eines jener Spiele wurden, bei denen man sich fragt, ob Erfahrung immer wirklich ein Vorteil ist. FK Lazarevac, eine Mannschaft, deren Durchschnittsalter kaum das von Führerscheinbesitzern übersteigt, spielte Selen Belgrad - einen Klub mit gestandenen Dreißigern - schlicht an die Wand. 3:0 stand am Ende auf der Anzeigetafel, und Trainer Klaus Bock grinste nach dem Schlusspfiff wie ein Mann, der gerade herausgefunden hat, dass seine U18 tatsächlich erwachsen geworden ist.

"Wir wollten mutig sein und Spaß haben. Offenbar sind drei Tore dabei herausgekommen", sagte Bock in seiner ihm eigenen, norddeutsch-trockenen Art. Spaß hatten sie tatsächlich - und zwar von der ersten Minute an. Zwar gehörte der Ball laut Statistik zu knapp 59 Prozent den Gästen aus Belgrad, aber das war ungefähr so relevant wie ein Regenschirm in der Wüste: gefährlich wurde Selen kein einziges Mal. Null Torschüsse - das sagt alles.

Die jungen Wilden aus Lazarevac hingegen schossen sechzehnmal auf das Tor. Schon früh deutete vor allem der 18-jährige Goran Melunovic an, dass er an diesem Abend keine Lust auf Zurückhaltung hatte. In der 9. Minute prüfte er den Keeper, in der 13. erneut - und beide Male hielt der Torwart spektakulär. Doch der Druck wuchs, und in der 28. Minute platzte der Knoten: Sam Dehooge, zarte 17 Jahre jung, nahm einen cleveren Pass von Danijel Jestrovic auf und schlenzte den Ball aus 18 Metern in die linke Ecke. 1:0 - das Stadion tobte.

Nur zehn Minuten später legte Lazarevac nach. Diesmal war der rechte Flügel der Ursprung des Unheils: Petar Jankovic setzte sich mit jugendlicher Frechheit durch, flankte flach in die Mitte, wo Jovan Dragutinovic lauerte und humorlos abschloss. 2:0 - und Selen Belgrad schaute sich ratlos an. "In dem Moment war uns klar, dass wir heute alles kontrollieren würden", sagte Torschütze Dragutinovic später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Unschuld und Arroganz pendelte.

Die erfahrenen Gäste wirkten, als hätten sie den falschen Bus genommen. Trainerin Suzana Nikolic brüllte sich an der Seitenlinie die Stimme heiser, aber ihre Mannschaft hörte sie offenbar nicht. "Wir hatten den Ball, aber keinen Plan", gestand sie nach dem Spiel. "Und ohne Plan hilft auch kein Ballbesitz."

Kurz vor der Pause bekam Belgrads Abwehrchef Xavi Manuel die Gelbe Karte, als er den flinken Dragutinovic nur noch per Umklammerung stoppen konnte - eine Szene, die sinnbildlich für das Spiel stand: Routine gegen Rasanz, Erfahrung gegen Entschlossenheit.

Nach der Pause verflachte das Spiel leicht, Lazarevac verwaltete klug, ohne den Unterhaltungswert zu vernachlässigen. Jovan Dragutinovic schoss weiter aus allen Lagen, Zdravko Ilic versuchte es gleich dreimal aus der Distanz - es war, als wollten die Jungs beweisen, dass Ballbesitz gar nicht notwendig ist, solange man Spaß am Schießen hat. "Coach sagt immer: Wer nicht schießt, trifft nie", grinste Ilic nach der Partie. "Heute haben wir wohl alle zugehört."

Belgrad hingegen blieb harmlos. Kein einziger Abschluss, kein Moment, in dem Torhüter Savo Baljak auch nur die Handschuhe schmutzig machen musste. Stattdessen kassierten sie noch zwei weitere Gelbe Karten - Frust, wie er im Lehrbuch steht.

Und dann, kurz vor Schluss, als man schon dachte, das Spiel plätschere aus, schlug Lazarevac noch einmal zu. In der 89. Minute stand Melunovic dort, wo ein Mittelstürmer stehen muss, als ein Abpraller vor seinen Füßen landete. Zack - 3:0. Das Stadion explodierte, und der Jubel klang fast ungläubig.

Trainer Bock umarmte seine Spieler, und als ein Journalist ihn fragte, ob er mit einem derart souveränen Sieg gerechnet habe, antwortete er: "Ich rechne grundsätzlich mit nichts. Das erspart Enttäuschungen - und macht Siege schöner."

Selen Belgrad verließ das Feld still. Ihre Trainerin Nikolic fasste das Geschehen in einem Satz zusammen, der in seiner Ehrlichkeit Respekt verdient: "Wir hatten 58 Prozent Ballbesitz und null Torschüsse - das ist fast Kunst."

FK Lazarevac dagegen feierte den Abend wie einen Befreiungsschlag. Drei Tore, keine Gegentreffer, jugendliche Leichtigkeit und ein Publikum, das seine Mannschaft mit Sprechchören verabschiedete.

Vielleicht war es nur ein Spiel am 19. Spieltag der serbischen Liga. Aber wer dabei war, wird sich erinnern: an eine Mannschaft, die einfach Fußball spielte - ohne Angst, ohne Rechenschieber. Und an einen Gegner, der schmerzhaft lernte, dass Ballbesitz noch kein Tor ist.

Ein Abend, der in Lazarevac sicher lange nachhallen wird - und vielleicht auch in Belgrad, wenn die Spieler mal wieder den Ball haben und sich fragen: Was fangen wir jetzt eigentlich damit an?

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