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Rom, Stadio Olimpico - Es war ein lauer Aprilabend, aber auf dem Rasen brannte die Luft. 16.000 Zuschauer sahen am 20. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) ein 2:2, das man am besten als "emotionales Durcheinander mit taktischer Note" beschreibt. US Lazio und Rodengo Saiano trennten sich nach 90 mitreißenden Minuten gerecht, aber keineswegs friedlich. Lazio begann mit viel Ballbesitz, fast 60 Prozent, und dem eleganten Selbstverständnis einer Mannschaft, die glaubt, das Spiel im Griff zu haben - bis sie es nicht mehr hat. In der 26. Minute brachte Danilo Coeli die Himmelblauen in Führung. Nach einem klugen Pass von Marco Puddu schlenzte der Rechtsaußen den Ball ins lange Eck. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, das die Heimfans kurz glauben ließ, der Abend würde gemütlich verlaufen. Doch Rodengo Saiano hatte andere Pläne. Trainer Jan Beyer, der an der Seitenlinie so ruhig wirkte, als würde er eine Tasse Espresso in der Hand halten, ließ seine Elf offensiv auflaufen - und das zahlte sich aus. Nur sechs Minuten nach dem Rückstand stach Vincenzo Cerutti zu. Der 20-jährige Mittelstürmer verwertete eine flache Hereingabe von Giorgio Bianchi, als wäre er schon zehn Jahre Stammspieler in der Serie A. "Ich habe nur meinen Fuß hingehalten", grinste Cerutti nach dem Spiel. "Aber ich nehme das Lob natürlich gerne an." Und weil Lazio in dieser Phase defensiv so offen stand wie ein Wochenmarkt am Samstagmorgen, legten die Gäste in der 42. Minute nach: Giacomo Morabito, der zentrale Mittelfeldmann, zog aus der Distanz ab - und der Ball senkte sich über den überraschten Keeper Noah Witte ins Netz. Wieder hatte Bianchi die Vorlage geliefert, und plötzlich führte der Außenseiter 2:1. Das Publikum raunte, Lazio-Trainer (dessen Name man an diesem Abend lieber nicht zu laut erwähnte) raufte sich die Haare, und Coeli schimpfte lautstark auf seine Mitspieler. "Wir haben uns in dieser Phase selbst geschlagen", murmelte Innenverteidiger Isaac Kelly später, der immerhin mit einer Gelben Karte (73.) noch ein kleines Souvenir aus dem Spiel mitnahm. Nach der Pause blieb Lazio feldüberlegen, aber Rodengo Saiano konterte gefährlich. 14 Schüsse aufs Tor verbuchten die Gäste insgesamt - beachtlich für ein Team, das in der Liga meist auf den eigenen Strafraum vertraut. In der 68. Minute dann die Erlösung für die Heimfans: Luca Fiore, der links vorne bis dahin unauffällig geblieben war, traf nach Vorarbeit des aufgerückten Kelly zum 2:2. Ein Treffer, der das Stadion aus dem Halbschlaf riss. "Ich habe einfach gespürt, dass da was geht", sagte Fiore, der nach dem Schlusspfiff mit ausgebreiteten Armen vor der Curva Nord stand, als hätte Lazio gerade den Aufstieg klargemacht. Ab Minute 70 war das Spiel ein offener Schlagabtausch. Coeli prüfte Keeper Niccolò Argusto gleich mehrfach - in der 70. und 91. Minute -, aber der Schlussmann von Rodengo Saiano erwies sich als unüberwindbar. Auf der anderen Seite sorgte der eingewechselte Antonio Cocco zwar für frischen Wind, aber keinen Treffer. Die Statistik zeigte am Ende den Unterschied zwischen Kontrolle und Konsequenz: Lazio 15 Torschüsse, Rodengo Saiano 14. Mehr Ballbesitz für die Hausherren, aber kein Sieg. Vielleicht lag’s daran, dass Beyers Männer in den letzten Minuten auf Pressing umstellten - laut Daten mit "starker Aggressivität" -, während Lazio weiter "ausgewogen" blieb, fast meditativ. Trainer Beyer fasste es trocken zusammen: "Wir wollten mutig sein. Und wenn man in Rom zwei Tore schießt, darf man auch stolz sein." Auf der Pressebank nickte man zustimmend. Coeli hingegen wirkte weniger zufrieden: "Ein Punkt ist zu wenig. Wir hatten genug Chancen, um drei Spiele zu gewinnen." In der Mixed Zone schmunzelte ein Journalist: "Vielleicht haben Sie zu schön gespielt?" Coeli lachte bitter: "Schön? Wenn wir schön spielen, verlieren wir. Wenn wir hässlich spielen, auch. Vielleicht sollten wir einfach effektiv spielen." Das 2:2 fühlte sich am Ende für Rodengo Saiano wie ein kleiner Triumph an, für Lazio eher wie ein verpasster Sieg. Doch immerhin blieb das Publikum versöhnt - auch weil es ein Spiel zu sehen bekam, das an Unterhaltung kaum zu überbieten war: Tore, Karten, Emotionen und ein Schiedsrichter, der wohl froh war, als er endlich abpfeifen durfte. Und irgendwo in der Umkleide, so munkelt man, sagte der erschöpfte Torwart Witte mit einem Seufzer: "Wenn wir das nächste Mal 15 Mal aufs Tor schießen, darf ruhig einer mehr rein." Ein Satz, den man sich bei Lazio vielleicht an die Kabinentür hängen sollte. 06.09.643996 13:06 |
Sprücheklopfer
Muss ich das jetzt als Frage verstehen oder die Antwort so beantworten, wie Sie sie in Ihre Frage reingelegt haben? Sie haben Ihre Frage so gestellt, dass ich das Gefühl haben muss, als wenn ich das, was Sie gerade gesagt haben, vorher schon gesagt hätte. Das habe ich aber nicht gesagt. Dem, was ich gesagt habe, möchte ich nichts hinzufügen.
Erich Ribbeck