Tuttosport
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Lecce taumelt, siegt aber: 3:2 gegen Gela nach wilder Achterbahnfahrt

Ein lauer Aprilabend, 43.500 Zuschauer im Stadio Via del Mare, und ein Drehbuch, das selbst ein Netflix-Autor nicht besser hätte schreiben können: UD Lecce besiegt Gela mit 3:2 - nach einer ersten Halbzeit wie aus dem Lehrbuch und einer zweiten, die wohl eher in die Kategorie "Was war das denn?" fällt.

Von der ersten Minute an war klar: Lecce wollte ein Feuerwerk zünden. Trainer Mario Weinzettl hatte sein Team auf Angriff getrimmt - "offensiv" stand nicht nur auf dem Taktikzettel, sondern auch in den Augen jedes Spielers. Schon in der dritten Minute prüfte Valentino Rosati Gelas Keeper Caio Nene mit einem Schuss, der die Tribüne aufhorchen ließ. Sieben Minuten später hatte Rosati besser gezielt: Nach einem klugen Pass von Rechtsverteidiger Andreas Laursen drosch der 23-Jährige den Ball unter die Latte - 1:0.

Noch ehe Gela wieder Luft bekam, klingelte es erneut. Eine Minute nach dem Führungstor sorgte Valerio Carli für das 2:0, wieder nach Vorlage von Laursen, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, als heimlicher Spielmacher durchzugehen. "Ich hab einfach Lust gehabt, mal was Verrücktes zu probieren", grinste der Däne später.

Und Lecce machte weiter. In der 29. Minute traf Giorgio Alberti nach einem langen Ball von Bartilomiej Nowak - 3:0, das Stadion tobte. Zu diesem Zeitpunkt schien alles klar: Lecce dominierte mit Wucht und Spielfreude, Gela dagegen irrte durch die eigene Hälfte wie Touristen auf der Suche nach dem Ausgang.

Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er sich an Drehbücher hielte. Nach dem Seitenwechsel kam Gela wie ausgewechselt aus der Kabine. Trainer Michael Müller muss dort wohl etwas gesagt haben, das man in Italien nur hinter vorgehaltener Hand wiederholt - jedenfalls stürmte seine Elf plötzlich mit Wucht nach vorn. "Ich habe ihnen gesagt, dass sie sich gefälligst wie Männer benehmen sollen", verriet Müller später mit einem Grinsen, "und dass Pizza erst nach dem Abpfiff erlaubt ist."

In der 62. Minute war es dann Pablo Tarrega, der nach Vorlage von Vitorino Postiga das 3:1 erzielte. Und fünf Minuten später sorgte Javier Vazques nach Vorarbeit von Tarrega selbst für das 3:2. Plötzlich kippte das Spiel. Lecce wirkte müde, Gela spielte, als ginge es um Leben und Tod.

Die Statistik unterstrich den Umschwung: Am Ende hatte Gela mehr Ballbesitz (58 Prozent) und mehr Torschüsse (14 zu 12). Lecce dagegen lief nur noch hinterher, verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit dem Herzen. "In der zweiten Halbzeit war’s kein Fußball mehr, das war Kampfkunst", keuchte Verteidiger Gabriele Cropani nach dem Abpfiff.

Weinzettl reagierte spät, brachte in der 75. Minute gleich drei frische Kräfte: den 17-jährigen Mattia Lucido, den 18-jährigen Enrico Carpanzano und den 17-jährigen Dario Esaro. Besonders Lucido fiel auf - weniger durch filigranes Spiel, mehr durch ein rustikales Foul, das ihm in der 81. Minute prompt Gelb einbrachte. "Er ist jung, er wollte zeigen, dass er da ist", verteidigte ihn sein Trainer. Carpanzano holte sich kurz vor Schluss ebenfalls Gelb - offenbar steckt Gelb in Lecce-DNA.

Dann der Schreckmoment: In der 85. Minute verletzte sich Mittelfeldmotor Carli. Das Publikum hielt den Atem an, der Spieler humpelte vom Platz, winkte aber tapfer ins Rund. "Ich hoffe, es ist nur eine Zerrung", sagte er später. "Aber wenn’s schlimmer ist, soll Mario mir wenigstens das nächste Tor gutschreiben."

Gela drückte bis zum Schluss, Tarrega und Vazques feuerten aus allen Lagen, doch Lecce-Keeper Marcio Juarez hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich unhaltbar ist. In der 90. Minute stand das Stadion endgültig Kopf, als der Schiedsrichter abpfiff.

Weinzettl atmete tief durch: "Ich hab selten so gelitten. Nach 45 Minuten wollte ich Champagner bestellen, nach 70 Minuten Baldrian." Müller dagegen nahm’s sportlich: "Wenn wir die erste Halbzeit vergessen, war das eine großartige Leistung. Leider dauert Fußball eben 90 Minuten."

Fazit: Lecce glänzte, dann taumelte, dann überlebte. Gela verlor, aber mit erhobenem Haupt. Ein 3:2, das alles hatte - Tore, Drama, Emotionen. Und das bittere Lächeln eines Trainers, der weiß, dass sein Team heute zwei Gesichter zeigte.

Oder wie ein älterer Fan auf der Tribüne seufzte, kurz bevor er ging: "Schöner kann man Herzrasen nicht inszenieren."

02.04.643997 21:57
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