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Es war ein lauer Abend im Estadio de Callao, 20.000 Zuschauer, das Flutlicht glühte, und man hatte den Eindruck, dass die Fans von Leon Chalaco schon nach einer halben Stunde lieber wieder nach Hause gegangen wären - so trostlos war der Beginn. Nach 45 Minuten stand es 0:2, und die Gesichter auf den Tribünen waren so lang wie die Nachspielzeit eines WM-Finales. Doch was dann folgte, war einer dieser Abende, die man seinen Enkeln erzählt - und bei denen man sich fragt, ob der Fußballgott vielleicht ein Chalaco-Trikot trägt. Deportes Pena begann wie die Feuerwehr. Schon in der ersten Minute prüfte Marian Petrow die Reflexe von Keeper Gianluca Oliveri, und der hatte an diesem Abend mehr zu tun als der Pförtner des Stadions. Nach 38 Minuten war es dann so weit: Petrow traf nach einem präzisen Zuspiel von Joseba Mino zum 0:1 - und das, man muss es so sagen, völlig verdient. "Da waren wir einfach zu brav", knurrte Chalaco-Mittelfeldmann Rui Miguel später, "wir haben uns den Ball fast freiwillig abnehmen lassen." Sechs Minuten später wurde es noch bitterer: Theo Preston, der flinke Rechtsaußen der Gäste, verwertete eine Vorlage von Emil Musiala zum 0:2. Trainer Stefan Sühr von Deportes Pena grinste an der Seitenlinie zufrieden und rief seinem Team zu: "Weiter, weiter - die haben noch gar nicht gemerkt, dass das Spiel schon läuft!" Die Statistik zur Pause sprach Bände: 19 Torschüsse der Gäste, 10 der Hausherren, und Pena mit leichtem Vorteil in den Zweikämpfen. Chalaco spielte zwar ausgewogen, aber eben auch harmlos - während Pena offensiv presste und den Ball förmlich in den Strafraum trieb. Doch dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr eine Wandlung, die an griechische Tragödien erinnert, nur mit Happy End. In der 57. Minute fasste sich Hugo Zubiaurre, der junge Linksaußen, ein Herz. Nach einem klugen Pass von Caio Meira zog er ab, und der Ball schlug unhaltbar im langen Eck ein. 1:2 - plötzlich war wieder Leben in der Bude. "Ich hab einfach nicht nachgedacht", grinste Zubiaurre später, "vielleicht war das der Trick." Leon Chalaco roch Blut. Trainer - sein Name blieb an diesem Abend im Hintergrund, aber sein Händchen war goldrichtig - ließ sein Team weiter ruhig, aber zielstrebig agieren. Keine wilden Pressing-Experimente, kein Harakiri, sondern cleverer Fußball. Und in Minute 66 kam die Belohnung: Rui Miguel, der erfahrene Flügelmann, zog von links nach innen und netzte nach Pass von Rechtsverteidiger Manuel Enriquez zum 2:2 ein. Das Stadion bebte. "Ich hab ihm zugerufen, dass er schießen soll", verriet Enriquez danach. "Zum Glück hat er ausnahmsweise mal auf mich gehört." Deportes Pena wirkte plötzlich nervös, Preston sah in der 71. Minute Gelb, und die Luft knisterte. Chalaco war jetzt das aktivere Team, obwohl das Ballbesitzverhältnis fast ausgeglichen blieb - 50,5 zu 49,4 Prozent. Pena suchte sein Heil weiter in der Offensive, aber das Pendel war längst umgeschlagen. Und dann, die 76. Minute: Adrian Rueda, bisher glücklos im Abschluss, vollendete nach Vorarbeit von Rui Miguel zum 3:2. Ein Tor, das man in Callao noch lange besingen wird. Rueda riss die Arme hoch, sprang auf die Bande und brüllte: "Das ist unser Haus!" - ein Satz, der in den kommenden Tagen sicher auf T-Shirts gedruckt wird. Danach verteidigte Chalaco mit Herz, Hirn und einem Hauch Verzweiflung. Pena warf alles nach vorn, aber Oliveri im Tor hielt, was zu halten war. In der Nachspielzeit versuchte es noch einmal der unermüdliche Zubiaurre, doch diesmal blieb der Jubel aus - der Ball strich knapp vorbei. Als Schiedsrichter Ramos schließlich abpfiff, war das Stadion ein Tollhaus. Drei Tore in 20 Minuten, ein Spiel, das man schon verloren glaubte, und ein Publikum, das zwischen Verzweiflung und Ekstase pendelte - Fußball in seiner reinsten Form. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", keuchte Rui Miguel nach dem Schlusspfiff. "Vielleicht nur: Danke, dass wir nicht in der Pause ausgewechselt wurden." Trainer Sühr von Deportes Pena hingegen wirkte gefasster: "Wir haben stark gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb - heute war das Glück eben auf der anderen Seite." So oder so: Dieses 3:2 (0:2) war ein Lehrstück in Dramatik. Leon Chalaco bleibt damit im oberen Tabellenmittelfeld der 1. Liga Peru, während Deportes Pena sich fragen muss, wie man ein Spiel, das man völlig kontrolliert, noch aus der Hand geben kann. Und irgendwo in Callao hört man wohl noch immer einen Fan rufen: "Ich hab’s doch gesagt, Jungs - das wird noch was!" 07.03.644003 06:56 |
Sprücheklopfer
In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath