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20.000 Zuschauer in Letohrad sahen am Samstagabend einen dieser Fußballabende, bei denen man sich fragt, warum man eigentlich Eintritt bezahlt - bis dann doch noch etwas passiert. FK Letohrad und FK Mutenice trennten sich 1:1, ein Ergebnis, das beiden Teams ungefähr so viel hilft wie ein Regenschirm im Sturm, aber immerhin: Es war ein Spiel voller kleiner Dramen, fliegender Flanken und eines späten Helden. Die Partie begann mit einem Paukenschlag - oder, um ehrlich zu sein, mit einem leicht scheppernden Gong aus der Defensive Letohrads. In der 11. Minute nutzte der 20-jährige Linksverteidiger Alois Jeslinek eine Unaufmerksamkeit der Heimabwehr, stürmte nach einem Pass von Jakub Lukes über die linke Seite und traf flach ins lange Eck. "Ich habe einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Jeslinek nach dem Spiel, "der Ball war so schön vor mir, da musste ich es versuchen." Letohrad war danach sichtlich irritiert. Trainer František Havelka (so munkelte man am Spielfeldrand, obwohl er nicht offiziell in den Daten stand) schob nervös seine Mütze zurecht, während seine Mannschaft zwar viel Ballbesitz (am Ende 54,8 Prozent) hatte, aber wenig daraus machte. Justin Jürgens und Jakub Votava prüften Mutenice-Keeper Petr Hubnik mehrfach, doch der hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich nicht haltbar schien. "Wir haben ihnen das Leben zu leicht gemacht", knurrte Zdenek Kozel später. Der 33-jährige Mittelfeldmann sollte allerdings noch eine entscheidende Rolle spielen. Bis zur Pause blieb Mutenice gefährlich. Ihre sechs Torschüsse kamen meist aus schnellen Umschaltaktionen, angeführt vom flinken Miroslav Berger. In der 48. Minute gab es dann eine unschöne Szene: Patrik Petr, eben erst eingewechselt, verletzte sich ohne Gegnereinwirkung und musste wieder raus. "Das war wie ein schlechter Witz", sagte Gäste-Trainer Pavel Benes später, "erst bringst du frische Beine - und dann humpeln sie vom Platz." Nach dem Seitenwechsel erhöhte Letohrad das Tempo, die Zuschauer forderten mit immer lauteren Rufen endlich ein Tor. "Wir haben gespürt, dass da was geht", sagte Ivan Oklestek, der über rechts unermüdlich rackerte und rannte, als gäbe es doppelte Prämien pro Flanke. Und tatsächlich: In der 76. Minute war es soweit. Nach einem präzisen Zuspiel von Oklestek zog Zdenek Kozel aus zentraler Position ab - der Ball touchierte noch leicht den Innenpfosten und landete im Netz. 1:1! Das Stadion explodierte, und selbst der Stadionsprecher klang plötzlich, als hätte er gerade im Lotto gewonnen. Danach entwickelte sich ein offenes Spiel. Letohrad wollte mehr, Mutenice verteidigte mit Zähnen, Klauen und gelegentlich auch Gelben Karten - Jeslinek holte sich in der 65. Minute noch eine ab, wohl mehr aus jugendlichem Überschwang als aus Bosheit. Kozel, inzwischen völlig in seinem Element, hatte später noch zwei gute Chancen (76. und 80.), doch Hubnik parierte erneut glänzend. "Der Mann war heute wie ein Magnet für den Ball", sagte Jürgens leicht genervt. In der Schlussminute kam Mutenice durch Innenverteidiger David Herman noch einmal gefährlich vors Tor, sein Kopfball landete jedoch in den Armen von Laurent Marot, der bis dahin kaum geprüft worden war, aber dann sicher zupackte. Unterm Strich war es ein gerechtes Unentschieden: Letohrad mit mehr Spielanteilen, 11 Schüsse aufs Tor und 52,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe, Mutenice mit der besseren Effizienz und einer ordentlichen Portion Glück. Beide Teams wirkten taktisch ähnlich - ausgewogen, kontrolliert, aber ohne das letzte Risiko. "Das war solide, nicht spektakulär", bilanzierte Havelka nach der Partie. "Aber wir haben Charakter gezeigt." Sein Gegenüber Benes schmunzelte daraufhin: "Charakter ist gut - Punkte wären besser." Während die Fans langsam in die kühle Aprilnacht strömten, blieb das Gefühl zurück, dass die Saison noch viele solcher Abende bringen wird: kämpferisch, nervenaufreibend, aber eben auch ein bisschen typisch für den tschechischen Fußball - viel Einsatz, wenig Glamour, und manchmal entscheidet ein Kozel kurz vor Schluss über die Stimmung in einer ganzen Stadt. Oder, wie ein älterer Zuschauer auf der Tribüne es so schön zusammenfasste: "Das war kein Champagner-Fußball - aber wenigstens prickelnd genug, um wiederzukommen." 13.04.643997 13:01 |
Sprücheklopfer
Che Guevara war ein Rebell, ein Kämpfer für sein Land. Das will ich auch sein. Ich will den Schwachen helfen. Das ist im Fußball genauso, da muss man den schwachen Gegner auch aufbauen. Das ist so eine eigene Logik von mir, dazu will ich gar nicht viel sagen.
Torsten Legat zu seiner Che Guevara-Tätowierung