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Leverkusen dreht das Spiel spät - Unterhaching verzweifelt am eigenen Glück

Es war einer dieser Abende in Unterhaching, an denen man sich fragt, warum der Fußballgott manchmal so ein schräges Humorverständnis hat. 37.912 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles bot - außer Fairness gegenüber der SpVgg Unterhaching. Am Ende stand ein 1:2 gegen den Favoriten SVB Leverkusen, und Trainerin Maria Meister konnte nur bitter lächeln: "Wenn man zweimal so weggeschnipst wird, fragt man sich, ob man im falschen Film ist."

Dabei begann alles wie gemalt. Schon früh legten die Hachinger los wie die Feuerwehr. Jorge Valente prüfte in der 3. Minute Leverkusens Keeper Liam Hensley, und Julian Costa scheiterte kurz darauf gleich doppelt. Das Publikum war kaum zur Ruhe gekommen, da zappelte der Ball in der 23. Minute im Netz: Jeno Csizmadia, dieser Dauerläufer mit dem ungarischen Herz und dem bayerischen Dialekt, nahm eine Flanke von Janos Baroti volley - 1:0! Das Stadion bebte, und mancher Fan verschüttete vor Freude sein Bier.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste Csizmadia später. "Wenn ich da noch nachgedacht hätte, wäre der Ball wahrscheinlich auf der Autobahn gelandet."

Leverkusen wirkte irritiert, ja fast beleidigt, dass jemand wagte, gegen sie schön zu spielen. Sasa Jestrovic holte sich in Minute 11 früh Gelb, offenbar als Zeichen, dass er das Spiel jetzt persönlich nehmen würde. Doch Unterhaching blieb gefährlich - 12 Torschüsse am Ende sprechen für sich. Das Problem: Kein einziger davon wollte nach dem 1:0 mehr rein.

In der Halbzeit reagierte Gästecoach Meister Leverkusen - der Name allein klingt schon wie eine Stilblüte für Überschriften - gleich mit drei Wechseln. Arik Tartman kam für den blassen Miroslav Ljuboja, Callum Farnsworth stabilisierte hinten, und Leverkusen rückte die Offensivschrauben enger. "Wir wussten, dass Unterhaching müde wird. Wir mussten nur geduldig bleiben", sagte Leverkusen nach dem Spiel mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass Geduld leichter fällt, wenn man Samuel Roades im Kader hat.

Und genau der war es, der in der 83. Minute den Ausgleich erzielte. Nach Vorarbeit von Alex Collantes zog Roades von rechts in den Strafraum und schlenzte den Ball in den Winkel - ein Tor, das so schön war, dass selbst einige Hachinger Fans kurz klatschten, bevor sie sich wieder erinnerten, auf welcher Seite sie stehen.

Doch das Drama war damit nicht vorbei. Während Maria Meister an der Seitenlinie verzweifelt gestikulierte ("Ich sagte, raus mit dem Ball, nicht rein!"), setzte Leverkusen in der Nachspielzeit zum Gnadenstoß an. Xavi Celis flankte präzise von rechts, Dorinel Piturca rauschte heran - 93. Minute, 1:2. Der Rest war kollektives Entsetzen.

"Das war kein Stich ins Herz, das war ein Spaten", knurrte Hachings Kapitän Oscar Singer nach Abpfiff. "Wir haben 89 Minuten das Ding kontrolliert, und dann so was."

Statistisch war es tatsächlich ein Duell auf Augenhöhe: 48,5 Prozent Ballbesitz für Unterhaching, 51,5 für Leverkusen, 12 zu 16 Torschüsse. Doch die Effizienz sprach klar für die Gäste, deren offensive Ausrichtung über 90 Minuten nie in Frage stand. "Wir bleiben eben offensiv, auch wenn’s weh tut", erklärte Leverkusens Trainer trocken.

Dass Tartman in der 86. Minute noch Gelb sah, passte ins Bild eines ruppigen Schlussspurts, in dem Haching alles nach vorn warf. Torhüter Pedro Pere rannte in der 93. Minute sogar bis zum Mittelkreis, um noch einen letzten langen Ball zu schlagen - doch die Kugel landete, Ironie des Abends, direkt bei Xavi Celis, dem Vorlagengeber des Siegtores.

Nach dem Schlusspfiff blieb Maria Meister kurz auf dem Rasen stehen, blickte Richtung Südkurve und hob die Arme, als wolle sie sagen: "Was soll man da machen?" Dann, mit einem schmalen Lächeln: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen sich ein Beispiel an Leverkusen nehmen - die haben einfach ein Abo auf späte Tore."

Für Unterhaching bleibt am Ende nur die Erkenntnis, dass Fußball manchmal grausam ehrlich ist: Wer Chancen nicht nutzt, wird bestraft. Und wer gegen Leverkusen in der 90. Minute noch führt, sollte vielleicht schon mal den Bus laufen lassen.

Ein Fan brachte es auf dem Parkplatz auf den Punkt: "Wir waren besser - nur das Ergebnis war’s nicht."

So klingt wohl der Soundtrack eines Abends, an dem Unterhaching alles richtig machte - außer das, was am Ende auf der Anzeigetafel steht.

12.02.644003 04:07
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