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Leverkusen tanzt Rosenheim schwindlig - 5:0 und kein Ende in Sicht

Wenn 38.660 Zuschauer sich an einem lauen Sommerabend ins Stadion verirren, nur um Zeugen eines fußballerischen Lehrstücks zu werden, dann darf man wohl sagen: Das Eintrittsgeld war gut investiert. Der SVB Leverkusen zerlegte am 14. Spieltag der 1. Liga Deutschland den armen TSV Rosenheim mit 5:0 (3:0) in seine Einzelteile - und das mit einer Spielfreude, die zwischen Genie und Boshaftigkeit oszillierte.

Bereits nach neun Minuten war klar, wohin die Reise geht. Miroslav Ljuboja, der bullige Mittelstürmer mit dem instinktiven Torriecher eines Trüffelschweins, schob nach feinem Zuspiel von Sasa Jestrovic eiskalt ein. "Ich hab gar nicht nachgedacht - und das war wohl das Beste", grinste Ljuboja hinterher. Rosenheims Keeper Harrison Jean-Pierre sah da schon mehr Ball als Welt, und er sollte an diesem Abend noch einiges zu sehen bekommen.

Leverkusen spielte von Beginn an offensiv, aggressiv, geradezu übermütig. Trainer Meister Leverkusen hatte seine Jungs auf "Vollgas mit Stil" eingestellt, wie er später schmunzelnd verriet: "Wir wollten Spaß haben - und wenn man Spaß hat, passieren manchmal fünf Tore."

Das zweite fiel in der 27. Minute, als Rechtsverteidiger Xavi Celis nach einem klugen Pass von Emil Musiala den Ball aus 20 Metern trocken in den Winkel drosch. Ja, der Rechtsverteidiger - und nein, das war kein Tippfehler. Rosenheims Abwehr wirkte in diesem Moment wie eine Schulklasse auf Wandertag ohne Lehreraufsicht.

Und als wäre das nicht genug, packte Samuel Roades kurz vor der Pause (37.) noch das 3:0 drauf - diesmal nach Vorarbeit von Ljuboja. Kurz darauf musste Dorinel Piturca verletzt raus, aber selbst das bremste die Gastgeber nicht. In der Kabine schien man eher über die passende Torjubel-Choreografie für Hälfte zwei zu diskutieren als über Taktik.

Rosenheim? Nun ja. Sie hatten fast 49 Prozent Ballbesitz, was auf dem Papier respektabel klingt. In der Realität sah es aber so aus, als würden sie den Ball nur so lange halten, bis Leverkusen wieder Lust hatte, ihn zurückzuerobern. Ihr Trainer Simon Baudach stand an der Seitenlinie und rief unermüdlich Anweisungen, die allerdings im tosenden Jubel der Heimfans untergingen. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte er später mit einem Gesichtsausdruck, der auch in einem Zahnarztstuhl funktioniert hätte. "Aber wenn der Gegner ständig in Bewegung ist, wird’s halt... schwierig."

Nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild: Leverkusen kombinierte, Rosenheim reagierte, und Samuel Roades durfte in der 52. Minute erneut treffen - diesmal nach feiner Vorarbeit von Musiala. Der Mann war an diesem Abend allgegenwärtig: Bälle verteilen, Vorlagen liefern, zwischendurch auch mal selbst treffen.

Denn in der 96. Minute, als viele schon beim Hinausgehen waren und Rosenheim innerlich längst im Mannschaftsbus saß, krönte Musiala seine Leistung mit einem eigenen Tor. Nach Flanke von Alex Collantes drückte er das Leder über die Linie - das 5:0, der Schlusspunkt einer einseitigen, aber hochunterhaltsamen Begegnung.

Statistisch gesehen war das Ganze fast ausgeglichen - 16 Torschüsse für Leverkusen, 7 für Rosenheim, Ballbesitz nahezu pari. Nur: Während Leverkusen seine Chancen veredelte wie ein Sternekoch, servierte Rosenheim eher Kantinenkost. Dazu zwei Gelbe Karten für die Gäste (Kolb in der 6., Beck in der 44.), eine für Musiala (70.) - alles in allem ein fairer, aber deutlich geführter Abend.

Torwart Liam Hensley hatte kaum zu tun, was ihn zu der süffisanten Bemerkung verleitete: "Ich hab mich irgendwann gefragt, ob ich das Eintrittsgeld zurückbekomme, so wenig war los hinten."

Am Ende verließen die Rosenheimer mit hängenden Köpfen den Platz, während die Leverkusener Fans schon "Auswärtssieg"-Chöre anstimmten - einfach, weil sie’s konnten. Trainer Leverkusen nahm’s sportlich: "Wir wissen, dass solche Abende selten sind. Aber wenn’s läuft, dann läuft’s. Und heute lief’s halt auf fünf Zylinder."

Ein humorvoller Kollege auf der Pressetribüne notierte: "Rosenheim hatte Glück, dass’s keine Nachspielzeit der Nachspielzeit gab." Dem ist wenig hinzuzufügen.

Fazit: Leverkusen in Galaform, Rosenheim in Schockstarre. 5:0, und man fragt sich, ob das Ergebnis nicht sogar schmeichelhaft war. Ein Abend, an dem die Fußballgötter eindeutig rot-schwarze Trikots trugen.

18.03.644003 20:34
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