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Ein lauer Juniabend in Swindon, 35.417 Zuschauer im County Ground, und die Hausherren hatten sich viel vorgenommen. Trainer Barney Cheep versprach vor dem Anpfiff "mutigen Offensivfußball" - und hielt Wort. Seine Elf presste, rannte, kämpfte. Nur das Toreschießen überließ sie lieber den Gästen von der Mersey. Die Liverpool Reds, clever wie ein Pokerspieler mit Ass im Ärmel, gewannen am Ende verdient mit 3:1. Los ging’s mit einem munteren Schlagabtausch. Schon in der ersten Minute prüfte Miguel Da Cru den Swindon-Keeper Freddie Huxley - ein Warnschuss, der ernst gemeint war. Swindon antwortete mit wütenden Angriffen über die Flügel; Freddie Monroe versuchte es gleich dreimal, doch jedes Mal fehlte das berühmte Quäntchen Glück oder Leachmans Handschuh war im Weg. In der 32. Minute dann der Dämpfer: Nicolo Barella, gerade mal 18 und offenbar mit einem Kompass im Fuß ausgestattet, schickte Roberto Marquez steil. Der Liverpool-Stürmer ließ Corraface und van Dijk (nicht *der* van Dijk, sondern der jüngere, Swindons) stehen und schob eiskalt zum 0:1 ein. "Ich hab nur gesehen, dass der Torwart zögert", grinste Marquez später. "Dann war’s einfach." Einfach - für ihn vielleicht. Für Swindon begann eine lange Aufholjagd. Kurz vor der Pause musste Cheep schon improvisieren: Rechtsverteidiger Joel Simpson verletzte sich und wurde durch den 18-jährigen Bailey Jones ersetzt. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach laufen und nicht nachdenken", so Cheep. Jones tat genau das - manchmal auch in die falsche Richtung. Nach dem Seitenwechsel blieb Swindon offensiv, brachte John Beecroft für den blassen Valentine. Doch kaum war die Hoffnung gewachsen, kam der nächste Nadelstich. In der 61. Minute kombinierte sich Liverpool rechts durch: Miguel Da Cru flankte mustergültig auf Riley Cromwell, der per Kopf auf 0:2 stellte. Der Gästeblock bebte, Trainer Kurt Kaiser ballte an der Seitenlinie die Faust. "So stell ich mir Effizienz vor", kommentierte er trocken. Doch Swindon gab sich nicht geschlagen. Nur drei Minuten später belohnte sich der eingewechselte Lucas Hennessy für seinen Einsatz: Nach Flanke von Teemu Forssell nahm er den Ball direkt und traf zum 1:2. Ein Tor, das Hoffnung und Lautstärke ins Stadion brachte. "Da dachte ich, jetzt kippt das Ding", meinte Cheep - und wahrscheinlich glaubte das ganze Stadion mit ihm. Aber Liverpool blieb eiskalt. In der 74. Minute, als Swindon gerade alles nach vorn warf, konterte der Favorit mustergültig. Der frisch eingewechselte Dusan Ristic legte quer, und Roberto Marquez schob zum zweiten Mal ein. 1:3 - und der Deckel war drauf. "Ristic hat mir den Ball auf dem Silbertablett serviert", lachte Marquez nach Abpfiff. "Ich musste nur noch Danke sagen." In den letzten Minuten warfen die Hausherren alles nach vorne, sogar Innenverteidiger Corraface tauchte im Strafraum auf - allerdings eher als Hindernis für die eigenen Leute. Liverpool verwaltete die Führung souverän, auch wenn Johannes Tah sich in der 86. Minute noch eine Gelbe abholte, "weil’s sonst zu ruhig geworden wäre", wie er schmunzelnd meinte. Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 14 Torschüsse Swindon, 13 Liverpool, Ballbesitz fast pari. Doch während die Reds mit "SURE"-Schussphilosophie aus jeder Chance Gold machten, fehlte Swindon das Glück - und vielleicht auch die Abgeklärtheit. Barney Cheep suchte nach dem Spiel nach Worten: "Wir waren mutig, manchmal zu mutig. Aber lieber so als gar nicht." Kurt Kaiser dagegen wirkte fast verlegen über den klaren Sieg: "Wir haben verteidigt, gewartet und zugestochen - wie ein Fuchs im Hühnerstall." Ein Fuchs, der drei Eier stahl und satt nach Hause ging. Swindon bleibt mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf zurück - und vielleicht mit der Erkenntnis, dass Leidenschaft schön ist, aber Tore schöner sind. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wenn Einsatz Punkte gäbe, wären wir Meister." Heute aber zählte nur der Ball im Netz - und der fiel eben dreimal auf der falschen Seite. 23.02.644003 14:30 |
Sprücheklopfer
Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muß man sich fragen: Warum!? Ja, warum? Und was muß man tun? Ihn sich wiederholen!
Giovanni Trappatoni