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Liverpool Reds stolpern über Boreham Wood - 2:2 mit reichlich Drama

Wenn ein Tabellenführer auf ein Kellerkind trifft, erwartet man normalerweise ein gepflegtes Trainingsspiel mit drei Punkten zum Mitnehmen. Doch an diesem Samstagabend im mit 35.935 Zuschauern gefüllten Anfield verwandelte sich das Duell zwischen den Liverpool Reds und Boreham Wood in eine Lehrstunde über Fußballklischees: Wer seine Chancen nicht nutzt, darf sich am Ende über ein 2:2 wundern.

Dabei begann alles wie aus dem Lehrbuch des britischen Pokalromantikers. Bereits in der 21. Minute nutzte Boreham Woods Routinier Davib Broderick - 34 Jahre jung, aber mit der Lunge eines Marathonläufers - eine Unaufmerksamkeit in der Liverpooler Abwehr und traf trocken ins rechte Eck. Torwart Charlie Leachman streckte sich vergeblich, und die Gästefans jubelten, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich dachte, die pfeifen gleich ab - so laut war das", grinste Broderick später.

Liverpool schüttelte sich kurz, dann übernahmen die Reds - wie es sich gehört - das Kommando. Ganze 16 Torschüsse feuerten sie im Laufe des Abends ab, während Boreham Wood mit sechs Versuchen sparsam haushaltete. Doch der Ball wollte einfach nicht rein, bis in der 36. Minute der 18-jährige Sean Hiliard seinen großen Moment bekam. Nach Vorarbeit von Linksverteidiger Callum Hawn nagelte der Youngster den Ball aus zehn Metern zum 1:1 ins Netz. Trainer Kurt Kaiser jubelte, als hätte er gerade seinen eigenen Sohn debutieren sehen. "Sean ist frech, schnell - und offenbar völlig angstfrei", lobte er später, "vielleicht zu angstfrei, wenn ich an seine Grätsche in der 42. Minute denke."

Mit 46 Prozent Ballbesitz war Liverpool zwar leicht unterlegen, aber deutlich zielstrebiger. Der Beginn der zweiten Halbzeit gehörte dann den Gastgebern, die mit Offensivdrang aus der Kabine kamen. In der 56. Minute war es Routinier Riley Cromwell, der nach einem feinen Zuspiel von Rechtsverteidiger Harrison Lujan zur 2:1-Führung traf. Das Stadion tobte - und man wähnte sich auf dem Weg zu einem souveränen Heimsieg.

Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn Boreham Wood nicht noch ein Kapitel "Underdog mit Herz" beigesteuert hätte. In der 59. Minute flog Innenverteidiger Davib Lankford nach Gelb-Rot vom Platz - eine Szene, die Trainer Sven Schliffke später lakonisch kommentierte: "Er hat halt zwei Mal gedacht, er ist Sergio Ramos." Trotz Unterzahl gaben sich die Gäste nicht geschlagen. Im Gegenteil: In der 73. Minute schlug Broderick erneut zu, diesmal nach einer schönen Vorlage von Jay Winston. 2:2 - und Anfield verstummte für einen Moment.

Die Schlussphase war ein rotes Dauerfeuer. Marquez, Ward und Ersatzmann Ross prüften den Boreham-Keeper Rhys Crichton mehrfach, doch der 33-Jährige hielt, als hätte er plötzlich Tentakel statt Arme. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", lachte er nach dem Abpfiff, "aber ich glaube, 16 Schüsse sind ein solider Arbeitstag."

In der 69. Minute musste Liverpools Mittelfeldmotor Thomas Lester verletzt runter - eine Szene, die Trainer Kaiser sichtbar ärgerte. "Der Junge wollte weitermachen, aber sein Knie sprach eine andere Sprache." William Ross kam und brachte noch mal Schwung, doch der Lucky Punch blieb aus.

Nach 90 Minuten stand ein 2:2, das sich für Boreham Wood wie ein Sieg und für Liverpool wie eine kleine Blamage anfühlte. Die Statistik untermauert den Eindruck: Liverpool mit mehr Schüssen (16:6), besserer Zweikampfquote (54 zu 45 Prozent), aber eben auch zwei Gegentoren gegen einen Außenseiter, der in Unterzahl über weite Strecken clever verteidigte.

"Wir haben gespielt wie ein Orchester - nur der Dirigent war manchmal beim Getränkestand", frotzelte Kapitän Callum Hawn im Kabinengang. Trainer Kaiser blieb sachlicher: "Solche Spiele erinnern uns daran, dass Fußball kein Wunschkonzert ist. Aber lieber jetzt ein Dämpfer als am Saisonende."

Sven Schliffke hingegen strahlte wie ein Kind an Weihnachten: "Ich hab gesagt, wir kommen hierher, um Spaß zu haben. Jetzt lachen wir alle - und Liverpool eher weniger."

Am Ende bleibt ein Abend voller Emotionen, junger Helden und erfahrener Schelme. Liverpool hat zwei Punkte verschenkt, Boreham Wood zwei Punkte gewonnen, und ganz England wird noch eine Woche darüber reden, wie ein 34-jähriger Broderick die Reds fast im Alleingang narrte.

Oder, wie ein alter Fan beim Hinausgehen murmelte: "Manchmal ist Fußball halt gerecht - nur nicht so, wie man’s erwartet."

20.01.644003 02:42
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Ich bin der linke, mittlere, defensive Offensivspieler.
Christian Ziege
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