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Liverpool Reds tanzen Kreuzlingen aus - Marcedusa glänzt im Play-off-Hinspiel

Wenn man 59.000 englische Kehlen gleichzeitig jubeln hört, dann weiß man: Die Liverpool Reds haben wieder zugeschlagen. Im Play-off-Hinspiel der Conference League besiegte das Team von Trainer Kurt Kaiser den FC Kreuzlingen mit 3:1 - ein Ergebnis, das deutlicher klingt, als es das Spiel zeitweise war.

Schon nach fünf Minuten brandete der erste Sturm über das Feld. Alessandro Marcedusa, der elegante Linksaußen mit dem Temperament eines Espresso-Doppels, zog von links nach innen, schaute kurz, täuschte an - und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste er nach Abpfiff und bekam dafür einen Klaps von Trainer Kaiser. "Wenn das eine Flanke war, dann male ich ihm nächste Woche die Schuhe an", witzelte der Coach.

Kreuzlingen, das vom schweizerisch-pragmatischen Matthias Kaiser (Namensvetter, aber kein Verwandter) betreut wird, ließ sich davon zunächst nicht beirren. Mit 56 Prozent Ballbesitz wirkte die Mannschaft strukturiert, fast akademisch. Doch aus den sechs Torschüssen wollte keiner so recht rein. Die beste Gelegenheit vergab Vahap Üzülmez in der 37. Minute, als er den Ball aus zehn Metern ans Außennetz drosch - und sich danach selbst ohrfeigte, als wolle er sagen: "Das war dumm, Vahap."

Die Reds hingegen spielten nach dem frühen Tor etwas zu entspannt. Statt Pressing gab’s Passivität - das offizielle Pressing-Level stand auf "BEHIND", und genau dort schien die Mannschaft auch geistig zu sein. Erst kurz vor der Pause sorgte eine Gelbe Karte für Robert Warriner (24.) für ein wenig Adrenalin. Thomas Lester, der zentrale Mittelfeldmotor, holte sich in Minute 42 ebenfalls Gelb ab - "fürs Diskutieren mit dem Rasen", wie ein Kollege sarkastisch bemerkte.

Nach dem Seitenwechsel kam Liverpool wacher zurück. Bo Kristensen prüfte den Gäste-Keeper Chalbinski mit einem Gewaltschuss (48.), Lucas Ward verfehlte in der 60. Minute knapp das Ziel. Dann die 65. Minute: Lester passt steil, Warriner läuft ein, zieht ab - 2:0. Ein Bilderbuchkonter, der so schnell war, dass selbst der VAR kaum hinterherkam. "Ich hab ihn einfach gesehen und gedacht, das passt", sagte Lester danach, als hätte er gerade einen Einkaufszettel vorgelesen.

Doch Kreuzlingen wollte sich nicht einfach ergeben. Drei Minuten später brachte Pedro Doreste eine präzise Flanke von links, Vahap Üzülmez hielt den Fuß rein - 2:1. Sein Jubel bestand aus einem entschlossenen Zeigefinger in Richtung Trainerbank. "Ich wollte nur sagen, dass ich’s euch gesagt hab", erklärte Üzülmez später mit einem Augenzwinkern.

Die Hoffnung der Schweizer währte allerdings nur kurz. In der 70. Minute schlug wieder Marcedusa zu, diesmal nach Vorarbeit von Lucas Ward. Der Italiener nahm den Ball direkt - 3:1. Eine Szene wie aus einem Lehrbuch für Offensivfußball. "Er spielt, als hätte er einen Metronom im Fuß", schwärmte Trainer Kaiser.

Danach verflachte die Partie ein wenig, Kreuzlingen versuchte kontrolliert zu bleiben, Liverpool wechselte offensiv - Juhani Kuqi kam für den Torschützen Warriner, später Floris und Jurcevic. Die Reds blieben gefährlicher, verzeichneten bis zum Schlusspfiff 13 Torschüsse. Kreuzlingen kam zwar auf 55 Prozent Ballbesitz, aber Ballhalten gewinnt nun mal keine Pokale.

Nach Abpfiff zeigte sich Kreuzlingens Coach Matthias Kaiser erstaunlich gelassen: "Wir haben zwar verloren, aber wir haben Liverpool zum Nachdenken gebracht. Und das ist schon mal was." Sein Namensvetter auf der anderen Seite grinste: "Ich denke höchstens darüber nach, wie wir das Rückspiel nicht verschlafen."

In der Mixed Zone witzelten die Spieler noch, während die Fans "You’ll never…" - nun ja, wir wissen, was sie sangen - in den Abendhimmel schmetterten. Marcedusa stand in der Mitte, lässig ein Gatorade in der Hand, und meinte trocken: "Das war erst die halbe Miete. Aber eine ziemlich schöne Hälfte."

Ein augenzwinkerndes Schlusswort gefällig? Wenn die Liverpool Reds weiter so kombinieren und Kreuzlingen weiter so höflich verteidigt, dann könnte das Rückspiel eine Lehrstunde in britischem Pragmatismus werden - mit einem italienischen Hauptdarsteller und einem Schweizer Nebendarstellerensemble. Doch im Fußball weiß man ja nie. Vielleicht schreibt Vahap Üzülmez in einer Woche die Geschichte um. Bis dahin gilt: Flanken kann manchmal ganz schön schön sein.

14.08.643996 06:13
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