Fanatik
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Liyaspor verliert dramatisch 2:3 gegen kaltschnäuzige Besiktas-Elf

Es war ein lauer Sommerabend in Liyastadt, aber auf dem Rasen brannte die Luft. 27.214 Zuschauer verwandelten das Stadion in einen brodelnden Hexenkessel, als Liyaspor und Besiktas am 6. Spieltag der 1. Liga Türkei aufeinandertrafen. Am Ende jubelten die Gäste aus Istanbul - 3:2 hieß es nach 90 intensiven Minuten, in denen Ballbesitz und Spielkontrolle nicht ausreichten, um Effizienz zu ersetzen.

Das Spiel begann mit forschen Angriffen der Gastgeber, die von Trainerin Liya Faye gewohnt mutig aufgestellt waren. Mit fast 59 Prozent Ballbesitz ließ Liyaspor die Kugel laufen, als wollten sie das Leder hypnotisieren. Und tatsächlich - in der 19. Minute wurde Besiktas in den Bann gezogen: Der 18-jährige Bünyamin Kiskanc schoss nach feinem Zuspiel von Daniel Hasson trocken ins kurze Eck. Jubel, Rauch, Trommeln - Liyastadt bebte.

Doch kaum war der Torjubel verklungen, schlug Besiktas zurück. Zwei Minuten später entwischte Marcos Chalana der Abwehr, Sadun Güngör flankte scharf, und Chalana köpfte zum 1:1 ein. "Ich hatte den Ball schon verloren geglaubt", grinste Chalana später, "aber dann fiel er mir vor die Stirn - und der Rest war Physik."

Bis zur Pause drückte Liyaspor weiter, Kiskanc prüfte Keeper Üzülmez mehrfach, doch der Besiktas-Torwart hatte offenbar Spiderman-Gene. In der 44. Minute sah Liyaspor-Rechtsverteidiger Jordi Peyroteo Gelb - wohl mehr, weil er den Ball zu leidenschaftlich zurückforderte, als wegen seines Fouls.

Nach dem Seitenwechsel kam Liyaspor furios aus der Kabine. In Minute 47 war es der 17-jährige Özhan Kahraman, der nach einer Ecke von Iban Puerta aus dem Rückraum abzog und das 2:1 erzielte. Die Fans tobten, Faye ballte die Faust. "So wollten wir aus der Pause kommen - mit Herz, nicht mit Rechenmaschine", sagte sie später.

Doch Besiktas wäre nicht Besiktas, wenn sie sich lange hätten beeindrucken lassen. Nur sieben Minuten später, in der 54. Minute, wieder Chalana - diesmal nach Pass des 17-jährigen Vadim Petuchow. 2:2, alles wieder offen. "Wir haben uns kurz geschüttelt, dann wieder angegriffen", erklärte Gästecoach Jon Dpunkt trocken.

Das Spiel entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch. Liyaspor mit filigranem Kurzpassspiel, Besiktas mit 20 Torschüssen - die meisten davon von Chalana, Leclair und später dem eingewechselten Liam Primes. Faye feuerte ihre Jungs unermüdlich an, während Dpunkt ruhig an der Seitenlinie stand, als wüsste er schon, wie es ausgeht.

In der 80. Minute wechselte er den glücklosen Joan Andrade aus und brachte Primes - ein Schachzug, der sich auszahlen sollte. Denn in der 90. Minute, als alles nach einem gerechten Unentschieden aussah, startete Besiktas noch einmal über die linke Seite. Eray Karaer legte quer, und Primes vollstreckte eiskalt. 3:2 für Besiktas - der Dolchstoß in der Nachspielzeit.

Während die Besiktas-Bank in kollektive Ekstase verfiel, sank Liya Faye auf die Knie. "Das war kein Lucky Punch - das war eine Lehrstunde in Effizienz", sagte sie später sarkastisch, aber mit einem Lächeln. Ihr Team hatte mehr vom Spiel, mehr Ballbesitz, mehr Mut - aber am Ende eben weniger Tore.

Der Statistikbogen unterstreicht das Paradoxon: Liyaspor 10 Torschüsse, Besiktas 20. Liyaspor 58,6 Prozent Ballbesitz, aber nur 46,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Besiktas brauchte keine taktische Überraschung - sie spielten einfach geradlinig, nüchtern, unaufgeregt.

In der Mixed Zone scherzte Chalana, der Doppeltorschütze: "Ich habe heute mehr geschwitzt beim Jubeln als beim Laufen." Sein Trainer Dpunkt ergänzte: "Wir wollten einfach Spaß haben - das hat man, wenn man gewinnt."

Liya Faye hingegen suchte Trost im Positiven: "Zwei Tore von unseren Teenagern - das ist Zukunft pur. Wir haben verloren, aber wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können."

Und so endete ein intensiver Abend mit einem bitteren, aber lehrreichen Ergebnis für Liyaspor. Die jungen Wilden hatten alles gegeben, doch am Ende triumphierte die Routine. Besiktas nahm drei Punkte mit, Liyaspor nahm Erfahrung mit - und vielleicht die Gewissheit, dass gegen Kaltschnäuzigkeit manchmal auch 90 Minuten Ballzauber nicht reichen.

Oder, wie ein älterer Fan beim Ausgang murmelte: "Schön gespielt, Kinder - aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb."

16.12.644002 03:45
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Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.
Otto Rehhagel
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