// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Ein Abend, der alles hatte: Tore, Dramatik, Verletzungen und ein Innenverteidiger, der plötzlich Stürmer spielte. Die London Blues und der FC Southampton trennten sich am 30. Spieltag der 1. Liga England mit einem wilden 3:3. 34.917 Zuschauer im altehrwürdigen Bridge Park sahen ein Spiel, das sich anfühlte wie ein Boxkampf in Fußballschuhen - mit offenem Visier, aber ohne Sieger. Schon in der 16. Minute ging das Team von Guido Träger in Führung. Marco Doreste, der quirligste Linksaußen seit dem jungen Hazard, schlenzte den Ball nach Vorarbeit von Antonio Quaresma unhaltbar ins lange Eck. Quaresma rannte jubelnd zu ihm, rief: "Ich hab dir doch gesagt, der Keeper steht zu weit links!" - und grinste, als wäre das alles Teil eines Plans gewesen. Doch Southampton ließ sich nicht beeindrucken. Trainer Michael Böning hatte seine Jungs auf Pressing und Risiko eingestellt, und das zeigte Wirkung. Nach einer halben Stunde begannen die "Saints" das Zentrum zu dominieren. In der 37. Minute belohnte sich Billy Benett für seine unermüdlichen Läufe: Nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Matthew Finnan jagte er den Ball per Dropkick in die Maschen - 1:1, und plötzlich hörte man nur noch die mitgereisten Fans aus dem Süden. "Wir wussten, dass London gerne den Ball hat. Also haben wir ihnen den Spaß gelassen - wir wollten die Tore", sagte Böning später schmunzelnd. Und tatsächlich: Trotz 58 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen auf beiden Seiten wirkten die Blues oft wie ein Team, das lieber Statistiken sammelt als Punkte. Kurz nach der Pause schlug Michel Bernheim zu. In der 46. Minute nutzte er eine Vorlage von Joel O’Dea und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. 2:1 - die Blues zurück in der Spur. "Ich dachte, das wär’s", gestand Bernheim nach dem Spiel, "aber dann hat Southampton einfach vergessen, dass sie der Außenseiter sind." In der 62. Minute traf Gabriel Nilsson nach feinem Zuspiel von Benett zum 2:2. Zwei junge Skandinavier, zwei Eiskünstler im Strafraum. Und als ob das nicht genug wäre, brachte Böning in der 70. Minute frische Offensivkraft: Gabriel Beecroft kam für den müden Meir Pizanti. Eine Viertelstunde später zahlte sich das aus - wieder war es Benett, der die Vorlage gab, wieder hieß der Torschütze Gabriel. Diesmal Beecroft. 86. Minute, 2:3 - und plötzlich roch alles nach Sensation. Guido Träger wirkte an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade seine Einkaufsliste verloren hatte: nervös, gestikulierend, laut. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon alles nach vorne werft, dann wenigstens mit Stil", erzählte er später lachend. Und Stil bewiesen sie tatsächlich. In der 94. Minute, als viele Fans schon Richtung Ausgang schielten, stieg Innenverteidiger Gianluca Puglisi nach einer Miguel-Flanke am höchsten und wuchtete den Ball zum 3:3-Endstand ins Netz. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste Puglisi, noch mit Rasenresten im Haar. Der Ausgleich fühlte sich für die Blues an wie ein Sieg, für Southampton eher wie ein gestohlenes Portemonnaie. Das Spiel bot neben sechs Toren auch reichlich Farbe: Drei Gelbe Karten - Puglisi (71.), Broderick (78.) und Parent (79.) - zeigten, dass es keineswegs ein Freundschaftsspiel war. Dazu kamen zwei Verletzungen: Quaresma musste nach 65 Minuten raus, und bei den Saints traf es in der Schlussphase den jungen Kai Peter. Statistisch war die Partie so ausgeglichen wie das Ergebnis. Beide Teams mit je 14 Torschüssen, London leicht überlegen im Ballbesitz, aber Southampton mit der besseren Effizienz. "Manchmal ist Fußball halt kein Rechenspiel, sondern Chaos mit Regeln", bilanzierte Böning trocken. Die Zuschauer bekamen jedenfalls ein Spektakel, das den Eintritt wert war. Zwischen verzweifelten Abwehraktionen, kunstvollen Pässen und einem Trainerduell an der Seitenlinie, das an Theater erinnerte, war alles dabei. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten sich beide Teams ab - erschöpft, aber stolz. Guido Träger fasste es zusammen: "Wenn du in der 94. Minute ausgleichst, hast du mehr als nur Glück - du hast Charakter." Und wer ihm dabei in die Augen sah, wusste: Er meinte wohl auch sich selbst. Nach diesem 3:3 bleibt London im oberen Mittelfeld, Southampton klettert moralisch in den Himmel. Und die Fans? Die gehen nach Hause mit dem Gefühl, etwas Seltenes erlebt zu haben: ein Spiel, das keiner verlieren wollte - und das genau deshalb so schön war. 31.12.643996 06:51 |
Sprücheklopfer
Ich würde Helmut Kohl gerne einmal kennenlernen. Der wird genau so oft angefeindet wie ich. Aber da habe ich wohl keine Chance, weil der Bundeskanzler ja schon Berti Vogts adoptiert hat.
Dragoslav Stepanovic