La Prensa Libre
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Löwen reißen Alajuela - Generalena siegt 2:0 dank jugendlicher Frechheit

Ein lauer Aprilabend, 33.250 Zuschauer, ein prall gefülltes Estadio de Generalena - und am Ende ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann: 2:0 für die Lions Generalena gegen CD Alajuela am 23. Spieltag der 1. Liga Costa Rica. Was wie ein Routine-Sieg klingt, war in Wahrheit ein Lehrstück in Geduld, Mut und einem Hauch jugendlicher Dreistigkeit.

Die erste Halbzeit war eine Einladung an jeden Kaffeeanbieter des Stadions, den Umsatz zu verdoppeln. Alajuela hatte 56 Prozent Ballbesitz, kombinierte gefällig, aber ohne Biss. Die Lions, taktisch von Trainer Gerd Hauser in der Defensive verankert, warteten - und warteten weiter. "Wir wussten, dass wir sie müde spielen lassen müssen", grinste Hauser später. "Ich habe meinen Jungs gesagt: Lasst sie ruhig den Ball haben - wir nehmen ihn erst, wenn’s weh tut."

Und weh tat es nach der Pause. In der 51. Minute, kaum hatten sich die Zuschauer von der Bratwurstschlange zurück auf die Tribüne geschleppt, passierte es: Michel Tortosa setzte sich auf links durch, tanzte zwei Verteidiger aus, legte quer - und der 21-jährige Marc Kluge donnerte den Ball aus spitzem Winkel ins Netz. 1:0. Das Stadion bebte. Kluge, sonst der Typ Student mit zu großem Rucksack, riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte er später lachend. "Wenn ich nachdenke, geht’s meistens daneben."

Alajuela, bis dahin die gefälligere Mannschaft, verlor den Faden. Trainer Fritz Brause, ein Mann mit der Statur eines aufgebrachten Lokführers, gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee", knurrte er nach dem Spiel. Tatsächlich: Zwölf Schüsse der Lions standen acht von Alajuela gegenüber - doch die Gastgeber trafen eben zweimal, die Gäste gar nicht.

In der 58. Minute sah Thierry Bettencourt Gelb, nachdem er Martin Fukal mehr oder weniger höflich daran erinnert hatte, dass Fußball ein Kontaktsport ist. "Er hat mich umarmen wollen, glaube ich", witzelte Fukal später.

Hauser reagierte clever: In der 69. Minute kam der erfahrene Andres Gonzalo für Pascal Pilat, um das Mittelfeld zu stabilisieren. Zehn Minuten später folgte Pau Ramiro für den ausgepumpten Kluge, der sich unter Applaus verabschiedete.

Als das Spiel in die Schlussphase ging, hatte Alajuela noch einmal kurz Hoffnung. Ivan Lupus prüfte in der 62. Minute Lions-Keeper Javier Montanes, der mit einer spektakulären Parade klärte. "Ich hab kurz gedacht, der Ball fliegt mir ins Gesicht, also hab ich lieber die Hand hingehalten", grinste Montanes, dessen Humor so trocken war wie der Rasen an diesem Abend.

Und dann kam die 83. Minute - der endgültige Stich. Linksverteidiger Ghalib Spiegler, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, flankte butterweich auf den zweiten Pfosten. Dort lauerte Pal Szabo, 23 Jahre jung, und nickte überlegt zum 2:0 ein. "Ich hab’s geübt - gestern, mit einer Orange in der Küche", scherzte Szabo später.

Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Die Lions zogen sich zurück, Alajuela rannte an, aber ohne Überzeugung. Vielleicht lag es an der fehlenden Schärfe, vielleicht auch am leichten Schock, dass ein so diszipliniertes Defensivteam plötzlich so effektiv angreifen kann.

"Das war kein Zufall", erklärte Hauser nach Abpfiff. "Wir spielen nicht schön, aber wir spielen klug." Sein Gegenüber Brause antwortete mit einem Schulterzucken: "Ballbesitz ist halt auch nur Statistik, wenn man nichts draus macht."

Die Zahlen gaben ihm recht: 56,7 Prozent Ballbesitz für Alajuela, aber null Tore. Die Lions dagegen nutzten ihre Chancen eiskalt - und zeigten, dass Effektivität manchmal die schönste Form von Fußball ist.

Als die Fans nach 90 Minuten singend das Stadion verließen, hallte noch lange ein Spruch durch die Nacht: "Zwei Chancen, zwei Tore - das ist Löwenlogik!" Und tatsächlich: In einem Spiel, das taktisch eher Schach als Samba war, hatten die Lions am Ende die besseren Züge gemacht.

Gerd Hauser verabschiedete sich mit einem Grinsen in die Kabine. "Ich mag’s, wenn ein Plan funktioniert", murmelte er - und man konnte fast hören, wie Fritz Brause in der Gästekabine leise fluchte.

Ein Abend für die Statistik, gewiss. Aber vor allem einer, der zeigt: Wer geduldig wartet, darf am Ende auch laut brüllen.

11.10.643996 11:32
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