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Es war ein lauer Maiabend in Ludwigshafen, doch die 35.430 Zuschauer im Stadion dürften die Temperatur mit ihrer Nervosität und Begeisterung locker um ein paar Grad nach oben getrieben haben. Am 24. Spieltag der 1. Liga Deutschland drehte die Mannschaft von Trainer Frank Seil ein scheinbar verlorenes Spiel und gewann nach packenden 95 Minuten mit 3:2 (0:1) gegen Osnabrück. Dabei hatte zunächst alles nach einem Auswärtssieg der Gäste ausgesehen. Osnabrück startete frech, aggressiv, mit langen Bällen und einem klaren Ziel: den Strafraum von Ludwigshafen möglichst oft in Brand zu setzen. In der 36. Minute gelang das dann auch - Oliver Wilhelm, der bullige Mittelstürmer, traf nach Vorarbeit von Patrik Voss zur Führung. "Da war der Ball so frei, ich konnte gar nicht anders, als ihn reinzuschießen", grinste Wilhelm nach dem Spiel. Ludwigshafens Keeper Alberto Corona sah dabei aus, als hätte er lieber eine Sonnenbrille getragen: geblendet vom schnellen Angriff, blieb ihm nur das Nachsehen. Ludwigshafen rannte an, rannte sich aber fest. 19 Torschüsse am Ende - doch bis zur Pause blieb es beim 0:1. Trainer Frank Seil wirkte in der Kabine laut eigener Aussage "nicht ganz so zufrieden". "Ich habe den Jungs gesagt, dass es sich auch lohnt, mal ins Tor zu treffen - nicht nur daneben", erzählte er mit einem schmalen Lächeln. Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte - Ludwigshafen drückte, Osnabrück konterte. In der 58. Minute platzte dann der Knoten: Rechtsverteidiger Oleg Smertin, eben noch wegen Meckerns verwarnt, zog einfach mal ab - und traf. Hugo Ronaldo, der umtriebige Stürmer, hatte den Ball clever weitergeleitet. 1:1, und das Stadion tobte. Doch die Freude hielt ganze zwei Minuten. Wieder Wilhelm, wieder eiskalt. Nach einer Ecke von Robin Münch stand der Osnabrücker Torjäger goldrichtig und traf zum 1:2. "Da dachte ich kurz, das war’s", gestand Ludwigshafens Joel Fournier später. "Aber wir haben ja den Oleg, der schießt auch mal aus der eigenen Hälfte, wenn’s sein muss." Tatsächlich blieb Ludwigshafen unbeirrt offensiv. In der 70. Minute belohnte sich die Mannschaft: Abbas Bischara verwandelte eine Vorlage von Fournier zum 2:2. Der Jubel war ohrenbetäubend, und die Fans spürten: Hier geht noch was. Während Osnabrück-Trainer Carsten Baumann an der Seitenlinie zunehmend nervös an seiner Wasserflasche nagte, zog sein Team sich weiter zurück. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte er hinterher, "aber irgendwann standen wir zu kompakt - nämlich im eigenen Sechzehner." Und genau dort passierte es in der 87. Minute: Callum Bosworth, der flinke Mittelfeldspieler mit der Dynamik eines Espresso-Doppels, zog nach Vorlage von Hugo Ronaldo ab und traf zum 3:2. Der Jubel war grenzenlos, Trainer Seil riss die Arme in die Luft, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bosworth später in die Mikrofone. "Der Ball hat mir gesagt: Mach’s! Und ich hab gehorcht." Osnabrück warf in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorne, inklusive des eingewechselten Youngsters Heinz Lemke, doch die Schlussoffensive verpuffte in harmlosen Distanzschüssen. In der Nachspielzeit (94. und 95.) hatte Lemke noch zweimal abgezogen, aber Corona hielt sicher - diesmal ohne Sonnenbrille. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen: 49 Prozent Ballbesitz für Ludwigshafen, 51 für Osnabrück. Doch die Torschussbilanz sprach Bände - 19:6 für die Gastgeber. "Wir haben’s einfach öfter versucht", sagte Seil trocken, "und irgendwann muss ja mal einer reinfallen." Die Partie bot alles, was man von einem Samstagabendspiel erwartet: Drama, Gelbe Karten (drei an der Zahl), eine Verletzung (Liam Wahl musste humpelnd raus) und taktische Kapriolen. Während Osnabrück von Anfang an auf Offensive und lange Bälle setzte, blieb Ludwigshafen dem eigenen Stil treu - offensiv, aber geduldig. Nach dem Schlusspfiff sah man enttäuschte Osnabrücker Köpfe, aber auch Anerkennung. Wilhelm, Doppeltorschütze und bester Mann der Gäste, klopfte Bosworth auf die Schulter: "War ein schönes Spiel - für euch." Ludwigshafen hingegen feierte ausgelassen. In der Kabine soll Hugo Ronaldo gescherzt haben: "Drei Vorlagen, kein Tor - ich bin wohl der uneigennützigste Ronaldo der Welt." Und vielleicht hatte er recht. Denn dieser Abend gehörte nicht dem großen Namen, sondern der Mannschaft, die trotz Rückständen nie den Glauben verlor. Am Ende tanzten die Fans auf den Rängen, sangen sich heiser - und Frank Seil lächelte zufrieden: "Fußball ist manchmal ganz einfach: Wer mehr Tore schießt, gewinnt." Ein Satz, der selten so charmant banal und doch so treffend war. 25.03.644000 21:59 |
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Der Addo gehört in den Zirkus.
Uli Hoeneß