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Es war ein lauer Aprilabend in Ludwigshafen, doch was sich im ausverkauften Stadion abspielte, hatte mit lauer Stimmung wenig zu tun. 42.834 Zuschauer sahen ein Spiel, das anfangs wie ein Desaster für die Heimelf roch, später wie ein Wunder aussah - und am Ende ein wilder, schweißtreibender 4:5-Krimi wurde. Schon nach zwölf Minuten war eigentlich alles gesagt. Hannover führte 3:0, Ludwigshafen schaute sich konsterniert an, als hätte jemand den falschen Film eingelegt. Georges Carriere eröffnete in der 2. Minute, eiskalt nach Pass von William Neville. Drei Minuten später vollendete Ediz Sargun eine Flanke von Marc Oliveira zum 0:2. Und als Carriere in Minute 12 erneut traf, jubelte Gästecoach Daniel Dietrich an der Seitenlinie, als hätte er die Lottozahlen gezogen. "Wir wollten früh Druck machen - das hat wohl funktioniert", grinste Dietrich später. Ludwigshafen-Trainer Frank Seil dagegen stand schon da, wo es am Spielfeldrand am ungemütlichsten ist: im Wind der eigenen enttäuschten Fans. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen ruhig bleiben", erklärte er nachher. "Leider haben sie mich zu wörtlich genommen." Die Statistik sprach ein klares Wort: Hannover hatte zur Pause 14 Torschüsse, Ludwigshafen gerade mal zwei. Ballbesitz? Fast ausgeglichen - 50 zu 49 Prozent. Doch wer die Gäste spielen sah, wusste: Das war kein Zufall, das war Überfallfußball. Dann kam die zweite Halbzeit - und ein Spiel, das plötzlich völlig verrückt wurde. Filip Krejci, der bullige Mittelstürmer aus Prag, traf in der 53. Minute. Nur fünf Minuten später legte er nach, diesmal nach feinem Zuspiel von Constantin Nowak. Der Stadionsprecher kam kaum hinterher, und als Krejci in der 63. Minute seinen dritten Treffer erzielte, bebte das Stadion. 3:3! Die Fans schrien, als sei der Abstieg abgesagt, das Bier floss wie in besten Zeiten. "Ich hab gedacht, das war’s jetzt", gab Hannovers Verteidiger Lennard Mann zu. "Wir standen da wie angezählt." Doch Ludwigshafen, von der Euphorie gepackt, vergaß für einen Moment, dass auch hinten noch jemand stehen sollte. Ediz Sargun nutzte die Lücke sofort, 58. Minute, 4:2 für Hannover - pardon, 4:3, denn das Chaos war perfekt. Nur drei Minuten nach dem Anschlusstreffer schlug die Kugel wieder im Heimtor ein, und Torwart Jonas Burger blickte resigniert hinter sich. "Ich hab sie gezählt wie beim Darts", sagte er trocken. Aber Ludwigshafen gab nicht auf. Der eingewechselte Esteban Prieto, zuvor kaum auffällig, staubte in der 66. Minute zum 4:4 ab - nach Vorlage von Abbas Bischara, der kurz darauf Gelb sah, weil er beim Jubeln das Trikot in die Kurve warf. Und dann, als die Gastgeber schon vom Wunder träumten, schlug Hannover ein letztes Mal zu. Henrich Hlinka, der slowakische Routinier auf links, tauchte in der 70. Minute frei vor Burger auf und schob seelenruhig ein. 4:5. Die Heimfans wurden still, als hätte jemand den Ton abgedreht. Die Schlussphase? Ein einziger Nervenkrieg. Ludwigshafen brachte die 19-jährigen Nachwuchsspieler Klaus Schilling und Maximilian Geiger - frische Beine, frische Hoffnung. Doch Hannover, abgebrüht und mit 21 Torschüssen an diesem Abend, verteidigte das Ergebnis mit der Gelassenheit eines alten Schachmeisters. "Das war ein Spiel für die Geschichtsbücher", meinte Krejci nach Abpfiff und grinste müde. "Drei Tore, null Punkte - das ist Fußball, oder?" Trainer Seil nickte nur: "Wir haben Charakter gezeigt. Leider erst ab der 46. Minute." Daniel Dietrich war dagegen in Feierlaune. "So ein Spektakel kannst du nicht planen", sagte er lachend. "Aber wenn du fünf Tore auswärts machst, darfst du dich ruhig mal freuen." Die Fans sahen es ähnlich: ein Spiel voller Fehler, Leidenschaft und Tore - fast schon ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als Fußball noch chaotisch und unberechenbar war. Zum Schluss fasste ein älterer Zuschauer auf der Tribüne das Ganze mit einem Seufzer zusammen: "Ich wollte eigentlich früh ins Bett. Jetzt brauch ich erst mal ’nen Schnaps." Ein Fazit? Ludwigshafen kämpfte wie ein Löwe, aber Hannover biss öfter zu. 4:5 - ein Ergebnis, das man sich merken wird. Und wenn Trainer Seil in der kommenden Woche wieder von "defensiver Stabilität" spricht, wird vermutlich selbst der Zeugwart schmunzeln. 11.01.643997 22:46 |
Sprücheklopfer
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Toni Polster