Gazeta Sportowy
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Lygia Warschau dreht das Spiel - ein 3:2, das keiner kommen sah

Wenn die 35.539 Zuschauer im Stadion von Lygia Warschau an diesem lauen Juniabend eines gelernt haben, dann das: Fußball kann grausam beginnen und glorreich enden. Nach 45 Minuten stand es 0:2 - die Heimfans grummelten, Trainer Kamil Breer rieb sich verzweifelt die Stirn, und auf der Tribüne hörte man schon jemanden murmeln: "Wenn das so weitergeht, fahr ich zur Halbzeit nach Hause." Gut, dass er blieb. Denn was Lygia Warschau in der zweiten Halbzeit zeigte, war eine kleine Fußball-Erlösung mit drei Toren, viel Herz und einem Schuss jugendlicher Unvernunft.

Doch der Reihe nach. BKS Gdansk begann mutig, fast übermütig. Schon in der 10. Minute klingelte es im Kasten von William Nolan, als Marcel Bak nach einem langen Ball von Bartosz Klose eiskalt vollendete. "Ich hab nur den Wind genutzt", grinste Bak später, während er sich die Schweißperlen von der Stirn wischte. Lygia wirkte geschockt - und kaum hatten sie sich gefangen, legte Gdansk nach. In der 19. Minute traf Jacek Majewski nach einem sehenswerten Zuspiel von Sebastian Mencel. Zwei Chancen, zwei Tore - Effizienz, die jedem Statistikfreund Freudentränen in die Augen treiben würde.

Warschau dagegen schoss zwar oft, aber selten gut. Ganze 15 Torschüsse am Ende - die meisten davon in den Himmel über Masowien. In der 17. Minute holte sich Luke Catrall die erste Gelbe Karte, wohl aus Frust, dass er wenigstens irgendetwas treffen wollte. Trainer Breer blieb trotzdem ruhig: "Ich wusste, dass wir zurückkommen können. Irgendwann trifft einer ja mal das Tor."

Und tatsächlich, nach der Pause war es, als hätte jemand den Stromschalter umgelegt. Tiago Peyroteo, der bis dahin mehr Rasen als Ballkontakt hatte, schlenzte in der 57. Minute den Anschlusstreffer ins lange Eck - vorbereitet von Ranko Veskovac, der kurz darauf selbst Gelb sah, vermutlich für zu viel Begeisterung. Nur eine Minute später explodierte das Stadion: Ethan Roades drückte den Ball nach Vorlage von Noe Gamoneda zum 2:2 über die Linie. Vom 0:2 zum 2:2 in 60 Sekunden - Gdansk wusste gar nicht, wie ihnen geschah.

"Wir waren noch beim Jubeln über den ersten Treffer, da hatten wir schon den zweiten drin", lachte Peyroteo nach dem Spiel, "vielleicht sollten wir öfter in Rückstand gehen."

Gdansk versuchte zu reagieren, Trainer Mike Matt brachte in der 60. Minute gleich drei frische Kräfte. Doch die Wechsel brachten mehr Verwirrung als Wirkung. Besonders der junge Abwehrspieler Matthew Fouquet wirkte, als habe er die Stadionbeleuchtung mit dem Flutlicht von Wimbledon verwechselt - so hilflos flatterte er durch den Strafraum.

In der 78. Minute dann die Krönung des Abends: Duarte Assis, zuvor noch glücklos, traf nach einem Eckball per Kopf zum 3:2. Antonio Machado hatte den Ball mit chirurgischer Präzision serviert, Assis nickte ein - der Rest war Jubel, Bierdusche und ein ziemlich unkoordiniertes Tänzchen an der Eckfahne.

"Ich dachte kurz, der Schiedsrichter pfeift das ab, weil es so schön war", witzelte Trainer Breer später.

BKS Gdansk bäumte sich noch einmal auf, kam aber gegen den nun entfesselten Lygia-Mittelfeldblock nicht mehr an. 55 Prozent Ballbesitz für Warschau, mehr Laufarbeit, mehr Biss - und am Ende auch mehr Glück. Einziger Wermutstropfen: In der 88. Minute verletzte sich Torschütze Ethan Roades und musste ausgewechselt werden. Sein Ersatz Nenad Zdravkovic bekam immerhin noch die letzten Jubelminuten mit.

Nach dem Abpfiff sprach Gdansk-Coach Mike Matt mit trotzigem Humor: "Wir haben die erste Halbzeit gewonnen, die zweite verloren - leider zählt im Fußball das Gesamtergebnis." Sein Gegenüber Breer grinste nur: "Ich sag’s meinen Jungs immer - ein Spiel dauert 90 Minuten. Heute haben sie’s endlich geglaubt."

Mit diesem Sieg klettert Lygia Warschau weiter in der Tabelle der 1. Liga Polen, während BKS Gdansk sich fragen muss, wie man ein Spiel so herschenken kann. Vielleicht hilft da nur ein Gruppengespräch mit dem Thema "Wie verteidige ich eine Führung".

Und der Fan aus der ersten Halbzeit? Der blieb natürlich bis zum Schluss. "Gut, dass ich nicht gefahren bin", sagte er beim Hinausgehen, "sonst hätte ich das beste Comeback des Jahres verpasst."

So wurde ein lauer Juniabend zur heißen Fußballnacht - mit drei Toren, zwei Gelben, einem Helden namens Assis und einer Moral, die man sich merken sollte: In Warschau geht man nicht früher nach Hause.

07.01.644003 18:06
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Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller
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