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MacPhee trifft, Buceo verzweifelt - Cerrense siegt mit Minimalismus

Ein Tor. Mehr brauchte CD Cerrense an diesem lauen Aprilabend in Montevideo nicht, um 36.257 Zuschauer in kollektives Raunen zu versetzen. Funebreros Buceo rannte, kämpfte, fluchte - und verlor doch mit 0:1. Ein Resultat, das in seiner Trockenheit fast britisch wirkt, und das doch eine ganze Geschichte erzählt.

Die begann mit einem Feuerwerk an guten Vorsätzen. Buceo, das Team mit dem poetischsten Namen der Liga, wollte den Heimvorteil nutzen, und das taten sie: Zehn Torschüsse, über 53 Prozent Ballbesitz, drei Gelbe Karten - das ganze Paket. Trainer des Heimteams? Blieb an diesem Abend so unsichtbar wie der Torschütze des Gegners effizient war. CD Cerrense-Trainer Leahcim Gnipeur dagegen grinste nach Abpfiff nur: "Wir haben Fußball gespielt, keinen Schönheitswettbewerb gewonnen."

Die erste Halbzeit war ein Muster an verpassten Gelegenheiten. Özer Cora prüfte in der 21. Minute Cerrenses Keeper Joseba Mendes, Damian Iñiguez drosch in der 25. Minute einen Ball in die Abendluft, und Bruno Mendes setzte - nomen est omen - in der 31. Minute ein Zeichen, allerdings nur auf der Tribüne. "Ich dachte, der geht rein", murmelte er später. "Aber vielleicht dachte der Ball, er hat heute frei."

Cerrense antwortete sporadisch, meist über den quirlig-agilen Nael Marques, der gleich in der ersten Minute einen Warnschuss abgab. Doch das Spiel blieb ausgeglichen, fast höhnisch in seiner Gleichförmigkeit. 0:0 zur Pause, 50 Prozent Zweikampfquote auf beiden Seiten - Statistiker hätten vor Freude geweint, Fans eher gähnend in ihre Matebecher geschaut.

Und dann kam die 47. Minute. Ein Moment, so unspektakulär wie entscheidend. João Gomes, sonst eher der Mann für die stillen Zwischentöne, flankte von links - und Sean MacPhee stand da, wo ein Flügelspieler stehen muss, wenn er Geschichte schreiben will. Ein präziser Schuss, ein Zucken im Netz, ein Aufschrei der Gäste. 0:1. Und plötzlich war Leben in der Bude.

"Ich hab’ nur den Fuß hingehalten", sagte MacPhee später in die Mikrofone, als wolle er sich entschuldigen, dass er so unverschämt effizient war. Buceos Torwart Moshe Galili dagegen wirkte, als würde er gern die Zeit zurückspulen. "Ich hab den Wind falsch eingeschätzt", flüsterte er. Man hätte fast Mitleid bekommen - hätte er nicht in der 60. Minute schon wieder Glück gehabt, als Kay Schäfer das 2:0 auf dem Fuß hatte.

Buceo drückte, kombinierte, verzweifelte. Bruno Mendes donnerte in der 67. Minute erneut drauf, Damian Iñiguez in der 70. - beide Male endete der Ball dort, wo Torhüter glücklich sind und Fans unglücklich: auf der Tribüne. Dazu kamen Gelbe Karten für Iñiguez (27.), Eyal Tal (72.) und Gabri Vico (83.) - Zeichen einer Mannschaft, die irgendwann mehr mit sich selbst als mit dem Gegner kämpfte.

Cerrense blieb cool. Selbst als Innenverteidiger Arnau Sa Pint in der 67. Minute verletzt vom Platz musste, blieb die Ordnung bestehen. Gnipeur wechselte mit chirurgischer Präzision: Xuarez kam, ordnete, und hinten brannte nichts mehr an. "Wir wollten sie laufen lassen", grinste der Coach nach dem Spiel. "Und das haben sie getan - vor allem hinter uns her."

In der 95. Minute hatte Buceo noch eine letzte Chance. Der junge Silvestre Semprun, gerade 20 und mit mehr Mut als Erfahrung, zog aus der Distanz ab - wieder hielt Mendes. Es war der Schlusspunkt unter ein Spiel, das man getrost als Lehrstunde in Effizienz bezeichnen darf.

"Wir hatten mehr Ballbesitz", sagte Buceos Kapitän Damian Iñiguez nachdenklich. "Aber Ballbesitz ist wie ein schöner Satz ohne Punkt." Treffender kann man es kaum sagen.

Am Ende stand ein 0:1, das in keiner Statistik der Welt überraschend wirkt, aber in seiner Bedeutung schwer wiegt. Cerrense festigt mit diesem Sieg seine Stellung im Mittelfeld der 1. Liga Uruguay, während Buceo wohl eine Weile brauchen wird, um diesen Abend zu verdauen.

Vielleicht fasste es ein älterer Fan hinter der Haupttribüne am besten zusammen, als er beim Hinausgehen murmelte: "Wenn Schönheit Punkte gäbe, hätten wir gewonnen." Leider zählen im Fußball immer noch Tore - und davon hatte Cerrense eines mehr.

26.08.643996 02:00
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Mario Basler
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