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Wenn 34.291 Zuschauer an einem lauen Juniabend ins Stadion von Pruszkow pilgern, erwarten sie in der Regel mehr als ein frühes Gegentor und eine zähe Aufholjagd. Doch genau das bekamen sie am 9. Spieltag der polnischen 1. Liga serviert: SK Pruszkow unterlag zu Hause denkbar knapp mit 0:1 gegen BKS Gdansk - ein Ergebnis, das weniger nach fußballerischer Gala als nach effizienter Nüchternheit klang. Bereits in der 5. Minute fiel die Entscheidung. Jacek Majewski, der flinke Linksaußen der Gäste, nutzte die erste Unaufmerksamkeit der Pruszkower Abwehr eiskalt aus. Nach einem präzisen Zuspiel von Herman Kraft - der Name war an diesem Abend Programm - schlenzte Majewski den Ball flach ins rechte Eck. Torwart Humberto Miguel streckte sich vergeblich, und das Publikum stöhnte kollektiv auf. "Ich hab den Ball schon fast gerochen, aber er war einfach zu sauber getroffen", seufzte Miguel später mit einem schiefen Grinsen. Was folgte, war ein Spiel, das eher von verpassten Chancen als von spielerischer Brillanz lebte. Pruszkow hatte mehr Ballbesitz (53,7 Prozent) und feuerte 13 Torschüsse ab - doch die Latte, der Gästekeeper Alexis Nübel und ein Quäntchen Pech verhinderten den Ausgleich. Besonders der junge Zbigniew Spizak, der gleich mehrmals (8., 30., 73. und 78. Minute) gefährlich vor dem Tor auftauchte, dürfte noch schlecht schlafen. "Ich hätte wahrscheinlich mit dem Kopf statt mit dem Fuß treffen sollen", sagte er und grinste gequält. "Aber dann wäre der Ball bestimmt über die Tribüne geflogen." Trainer Stefan Petruck wirkte nach dem Schlusspfiff erstaunlich gefasst: "Wir haben gut gespielt, nur leider vergessen, dass man beim Fußball Tore braucht. Ich muss meinen Jungs aber zugutehalten, dass sie bis zur letzten Sekunde gedrückt haben." Tatsächlich war das Spiel ein einziger Beweis dafür, dass Ballbesitzstatistik allein keine Punkte bringt. Gdansk zeigte sich in der ersten Halbzeit aggressiv, ja fast ungestüm - gleich drei frühe Torschüsse in den ersten sechs Minuten ließen die Defensive der Gastgeber wackeln. In der 37. Minute kassierte Sergio Galan die erste Gelbe Karte des Abends, und als Lukas Hawrylewicz nach wiederholtem Foulspiel in der 66. Minute Gelb-Rot sah, schien das Spiel zu kippen. Doch die Gäste warfen sich in jeden Ball, verteidigten mit Zähnen und Klauen - und gelegentlich auch mit den Schultern. "Wir haben einfach beschlossen, dass wir heute kein zweites Tor brauchen", witzelte Gdansk-Trainer Mike Matt nach dem Spiel. "Manchmal reicht ein frühes Tor - und ein bisschen Glück, dass der Schiedsrichter nicht noch Nachspielzeit für unsere Zeitverzögerungen draufgelegt hat." In der zweiten Halbzeit rollte Angriff um Angriff auf das Gdansker Tor. Pruszkow wechselte jugendlich und offensiv: Der 17-jährige Juriaan Tenbrook kam nach 53 Minuten und brachte frischen Wind, verpasste aber gleich dreimal knapp den Ausgleich (57., 85. und 88. Minute). "Ich hab gedacht, irgendwann muss der Ball doch mal rein. Aber der Torwart hatte wohl was dagegen", sagte der Teenager verschmitzt. Auch der erfahrene Jerzy Zurawski, mit 37 Jahren der Methusalem im Pruszkower Mittelfeld, ackerte, rief, dirigierte - doch als er in der 59. Minute ausgewechselt wurde, schien auch der letzte Funken Routine verloren. "Ich hab noch gesagt: Lasst euch nicht auskontern", erzählte er nach dem Spiel. "Zehn Sekunden später hatten wir fast wieder einen im Netz." Statistisch gesehen hätte dieses Spiel mindestens ein 1:1 verdient gehabt. Doch Fußball ist bekanntlich kein Statistikstudium. Gdansk brachte den knappen Vorsprung über 89 zähe Minuten, wechselte in der Schlussphase gleich dreifach defensiv und spielte den Ball mit der Ruhe einer Mannschaft, die wusste: heute reicht’s auch so. Als der Schlusspfiff ertönte, sanken die Pruszkower Spieler enttäuscht zu Boden. Auf der Tribüne applaudierte das Publikum trotzdem - vielleicht, weil man spürte, dass Einsatz und Wille stimmten, auch wenn das Ergebnis es nicht tat. "Ein schönes Spiel war’s nicht", resümierte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions, "aber immerhin war’s spannend. Und wir wissen jetzt, dass unsere Jungs laufen können - nur das Zielen müssen sie noch üben." So bleibt am Ende ein 0:1, das in seiner Schlichtheit fast poetisch wirkt: ein frühes Tor, viel Kampf, ein Platzverweis, und die Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach ungerecht ist. Und wer weiß - vielleicht trifft Spizak beim nächsten Heimspiel ja das Tornetz statt den Torwart. 20.01.644003 02:40 |
Sprücheklopfer
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