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Es war einer dieser Abende, an denen sich Fußballromantik und Realität gegenseitig in die Quere kommen. 56.153 Zuschauer im Estadio El Sardinero hofften auf ein Wunder von Santander - und bekamen stattdessen eine Lehrstunde in britischem Pragmatismus. Am Ende stand es 1:4 (1:1), und die Manchester Devils zogen mit einer Mischung aus Effizienz, Wucht und eiskaltem Humor in die nächste Runde der Conference League ein. Dabei begann alles so verheißungsvoll für Racing Santander. In der 22. Minute zündete der junge Oscar Cruz den Turbo auf der rechten Seite, bekam den Ball von David Godino mustergültig in den Lauf gespielt und schlenzte das Leder ins linke Eck. Das Stadion explodierte, Trainer Florian Kappels riss die Arme hoch, und für einen kurzen Moment glaubte ganz Kantabrien an das Unmögliche. "Ich dachte, das 1:0 wäre der Start einer kleinen Sensation", seufzte Kappels später, "aber dann kam Manchester - und die Realität." Denn die Teufel aus Manchester, bis dahin eher auf Konter lauernd, reagierten wie ein Boxer, der endlich den Gong hört. In der 40. Minute stellte Agafon Swetlow mit britisch-russischer Präzision auf 1:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der 32-Jährige nach dem Spiel, "aber dann war der Ball drin - also sag ich jetzt, das war Absicht." Zur Pause schien noch alles offen. Beide Teams hatten je fünf Torschüsse, der Ballbesitz war einigermaßen ausgeglichen (Santander 45,6 %, Manchester 54,4 %), und die Fans hofften, dass ihre Mannschaft noch einmal zulegen würde. Doch was dann kam, war ein rotes Inferno. In der 56. Minute drehte Asen Christow auf, verwertete eine butterweiche Hereingabe von Christopher Bancroft und brachte die Devils in Führung. Ab da schien Manchester in einem anderen Gang zu spielen. Der eingewechselte Mika Kuqi sorgte für frischen Wind im Sturmzentrum, und Jean-Pierre Bettencourt, der elegante Franzose auf der rechten Seite, machte in der 76. Minute den Deckel drauf - nach Vorarbeit eben jenes Kuqi. Santander wechselte dreifach, brachte mit Luis Arias, Vicente Bermudez und Cesar Azpilicueta (nein, nicht der!) gleich drei junge Spieler, aber es half nichts. Die Gäste waren zu abgebrüht, zu clever, zu - nun ja - englisch in ihrer Konsequenz. Als John Devaney in der 88. Minute nach Vorarbeit von Bettencourt das 4:1 erzielte, verließen viele Fans mit gesenktem Kopf das Stadion. Nur ein paar Unentwegte schwenkten weiter ihre grünen Schals und sangen trotzig gegen die Übermacht an. "Das war bitter", gab Santanders Torhüter Ernesto Mino zu, "aber wir haben wenigstens versucht, mitzuspielen. Die Devils haben halt aus jeder Chance Kapital geschlagen." Manchester-Coach Ronnie Ekström hingegen zeigte sich betont gelassen: "Ich habe meinen Jungs gesagt: Geduld, Disziplin, und irgendwann fällt er rein. Dass es dann viermal passiert ist, nehme ich als Bonus." Statistisch betrachtet war das Spiel fast ausgeglichen - beide Teams mit zehn Schüssen aufs Tor, Zweikampfquote leicht zugunsten der Engländer (51,4 %). Doch wo Santander Chancen liegen ließ, verwandelten die Devils sie in Tore. Nach dem Schlusspfiff standen die Spieler von Racing noch lange auf dem Rasen, klatschten ins Publikum. Kapitän Cesc Exposito, sichtlich bewegt, sagte: "Wir haben alles gegeben. Vielleicht war’s nicht genug, aber wenigstens haben wir uns nicht versteckt." Währenddessen tanzten die Devils ausgelassen vor ihrem Fanblock. Einer schwenkte eine Teekanne aus Pappe - ein ironischer Gruß an die Gastgeber, die sich wohl gedacht hatten, die Engländer kämen zum Sightseeing. Florian Kappels schloss seine Pressekonferenz mit einem halben Lächeln: "Das Gute ist, wir müssen jetzt nicht mehr über Flüge nach Manchester nachdenken." Ein Abend, der für Racing Santander mit Hoffnung begann und mit Applaus endete - für die anderen. Die Manchester Devils aber reisen weiter: kühl, effizient und mit einem Hauch diabolischer Eleganz. Und irgendwo in der Kabine, so munkelt man, summte Agafon Swetlow leise ein englisches Volkslied. Wahrscheinlich über Siege, die man nicht feiern muss - weil sie ohnehin selbstverständlich sind. 06.09.643996 10:40 |
Sprücheklopfer
Bei solchen Anlössen kein Bier, das ist ja eine Katastrophe.
Rolf Rüssmann im Presseraum des Daimlerstadions, nachdem die Stuttgarter den Klassenerhalt geschafft hatten