Football Today
+++ Sportzeitung für England +++

Margate Reds drehen das Spiel - Spätstart mit Feuerwerk

Die Flutlichter brannten, der Aprilwind roch nach englischem Gras und Enttäuschung - zumindest eine Halbzeit lang. Doch dann verwandelte sich das Stadion der Margate Reds in einen Hexenkessel. 53.773 Zuschauer erlebten am 20. Spieltag der 1. Liga England ein Spiel, das zunächst so harmlos begann wie ein Sonntagsspaziergang und dann in ein Drama mit Happy End mündete: Margate Reds 2, FC Southampton 1.

Trainer Ata Lameck hatte vor dem Spiel noch versichert, man wolle "geduldig bleiben und über die Flügel kommen". Geduldig war es tatsächlich - vielleicht ein bisschen zu sehr. Die Reds hatten zwar den Ball (58 Prozent Ballbesitz, um genau zu sein), schossen aber in der ersten Hälfte aus allen Lagen, nur eben nie so, dass der Ball rein wollte. Owen Beaulieu, der rastlose Linksaußen, prüfte den gegnerischen Keeper gleich dreimal in den ersten zehn Minuten - "Ich dachte, irgendwann wird er schon mal durchrutschen", grinste der 24-Jährige später. Tat er aber nicht.

Southampton hingegen lauerte. Trainer Michael Böning ließ seine Elf tief stehen und auf Konter setzen. Und das funktionierte nach der Pause: In der 50. Minute entwischte Gerritt Van Cortlandt auf der rechten Seite, zog unnachahmlich nach innen und hämmerte den Ball unhaltbar ins lange Eck. 0:1 - und für einen Moment war das Stadion so still, dass man die Möwen draußen hören konnte.

"Da habe ich kurz überlegt, ob ich überhaupt noch presse", murmelte Lameck später mit einem schiefen Lächeln. Doch die Reds reagierten, wie man es von einer Mannschaft mit viel Herz, aber manchmal wenig Plan kennt: Sie rannten. Und sie rannten gut.

In der 72. Minute brachte Lameck frischen Wind: Gardar Kristinsson kam für Didier Marceau - und nur zwei Minuten später explodierte das Stadion. Nach einer butterweichen Flanke von Klaus Kirchner stand Kristinsson goldrichtig und köpfte den Ball zum 1:1 ins Netz. "Ich hatte das Gefühl, die Flanke hat mich gefunden, nicht umgekehrt", sagte der Isländer später und grinste breit.

Southampton taumelte, und Margate roch Blut. Nur vier Minuten nach dem Ausgleich folgte der Knockout. Dieses Mal war Kirchner selbst der Vollstrecker: Nach einem flinken Doppelpass mit Billy Henderson zog der Rechtsaußen trocken aus 18 Metern ab - 2:1, die Hütte bebte. Kirchner riss die Arme hoch, Henderson schrie vor Freude, und Coach Lameck drehte sich mit hochrotem Kopf zur Bank: "Ich hab’s euch gesagt, kurze Pässe, Leute!"

Die letzten zehn Minuten wurden dann zum Lehrstück englischer Dramatik. Beaulieu holte sich in der 89. Minute noch Gelb ab - "ein Erinnerungsstück", wie er später schmunzelnd meinte - und Southampton verlor William Corey nach einer unglücklichen Verletzung. Der Gast versuchte es noch einmal mit langen Bällen, aber Margates Abwehrchef Danijel Turina räumte alles ab, was in den Strafraum flog.

Statistisch gesehen war das Spiel ein klarer Fall: 20 Torschüsse für die Reds, nur 7 für Southampton. 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 58 Prozent Ballbesitz - Zahlen, die man am Ende auch im Ergebnis wiederfindet. Doch die Statistik erzählt nicht, wie laut es wurde, als der Schlusspfiff ertönte.

"Wir haben Charakter gezeigt", brummte Lameck auf der Pressekonferenz, "und vielleicht auch ein bisschen Glück. Aber das zählt ja bekanntlich doppelt." Sein Gegenüber Böning sah das ähnlich, nur mit weniger Humor: "Wir verlieren das Spiel in vier Minuten. Das ist frustrierend - aber typisch Fußball."

Die Fans übrigens nahmen’s mit Humor. Als die Spieler in die Kabinen verschwanden, sangen sie auf den Rängen etwas, das klang wie eine Mischung aus Hoffnung und Spott: "Margate never dies!"

Und so bleibt von diesem Abend die Erkenntnis: Wer nach 50 Minuten noch gähnt, sollte beim Fußball besser bis zur 90. bleiben. Die Margate Reds haben es eindrucksvoll bewiesen.

Oder, wie Kirchner später lachend meinte, während er sich das Trikot über den Kopf zog: "Ich hab nur geschossen, weil ich keine Lust mehr auf Verlängerung hatte."

Ein Satz, der irgendwie alles erklärt.

06.09.643996 15:50
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.
Andreas Möller
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager