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Margate Reds schocken Southampton - Pokalabend mit Paukenschlag

Es gibt Abende, da riecht das Stadion nach Geschichte - und verbrannten Chancen. Der FC Southampton erlebte beides. Vor 59.000 Zuschauern im heimischen Stadion verabschiedete sich die Mannschaft von Trainer Michael Böning mit einem 1:2 gegen die Margate Reds aus dem Pokal. Und das, obwohl man sich nach dem schnellen Rückstand tapfer zurückgearbeitet hatte. Doch am Ende lachte die Defensive aus Margate zuletzt - und Southampton suchte vergeblich nach dem Glück.

Schon nach sieben Minuten war das Raunen groß: Owen Beaulieu, der flinke Linksaußen der Reds, nutzte die erste richtige Gelegenheit eiskalt. Nach einem präzisen Zuspiel von Rechtsverteidiger Luke Featherstone schlenzte er den Ball mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der noch Benzin im Tank und Butter in den Nerven hat - unhaltbar ins lange Eck. 0:1, und manch Southampton-Fan griff reflexartig zur Stadionwurst, als wäre Trost jetzt nur noch in Senf zu finden.

Doch die Antwort kam postwendend. In der 15. Minute erzielte Gabriel Nilsson nach einem sehenswerten Doppelpass mit Mittelfeldmann William Corey den Ausgleich. Das Stadion tobte, Böning riss die Arme hoch, und man hatte plötzlich das Gefühl, die Saints wollten jetzt tatsächlich an diesem Pokalabend teilnehmen. "Da war alles drin - Tempo, Wille, und ausnahmsweise Präzision", grinste Böning später mit trockenem Unterton.

Danach begann ein Spiel, das man liebevoll als "Festival der vergebenen Chancen" bezeichnen könnte. Southampton schoss sieben Mal aufs Tor, Margate stolze 16 Mal - aber der Ball wollte lange Zeit einfach nicht mehr rein. Besonders Beaulieu hatte offenbar einen Exklusivvertrag mit dem Torwart abgeschlossen: immer wieder gefährlich, immer wieder zu ungenau. In der 31. Minute gab’s dann noch Gelb für Teemu Vuorinen, der sich laut eigener Aussage "nur etwas zu herzlich nach dem Ball verbeugt" hatte.

Nach der Pause wechselte Böning: Carles Ordono kam für Kai Peter, später folgten Ovesen und Hartshorn. Doch die erhoffte Frische blieb aus. "Wir haben es versucht, aber manchmal fühlt es sich an, als würde man gegen ein rotes Backsteinhaus anlaufen", meinte Nilsson nach dem Spiel. Dass er dabei selbst mehrfach in die Defensive der Reds hineingerannt war, verschwieg er charmant.

Margate-Trainer Ata Lameck dagegen blieb cool wie ein Eiswürfel im Tee. Seine Mannschaft verteidigte clever, lauerte auf Konter und setzte in der 79. Minute den entscheidenden Stich. Rechtsverteidiger Lewis Lorring - sonst eher mit dem Rasenmäher als mit dem Torjubel vertraut - zog einfach mal ab. Kai Marley hatte zuvor den Ball mustergültig quergelegt. Der Schuss, halb Flanke, halb Gebet, landete im Netz. 2:1 für Margate, und plötzlich hörte man im Stadion das Rascheln von 59.000 Enttäuschungen.

Southampton warf in der Schlussphase alles nach vorne, inklusive Pressing auf "YES" und Einsatz auf "STRONG". Doch der Ballbesitz von 45 Prozent fühlte sich an wie 90 - viel Aufwand, wenig Ertrag. In der 95. Minute hatte Jan Ovesen noch eine letzte Gelegenheit, schoss aber genau in die Arme von Rui Alves, der sich danach dezent verbeugte, als wäre er auf einer Opernbühne.

"Das war ein richtig dreckiger Sieg, und genau solche liebe ich", lachte Lameck in der Pressekonferenz. Sein Team hatte nicht nur mehr Torschüsse, sondern auch die reifere Spielanlage - defensiv stabil, aggressiv, aber kontrolliert. Southampton hingegen kämpfte, lief, presste - und verlor.

Im Kabinengang hörte man Böning murmeln: "Wenn Einsatz Tore wären, hätten wir fünf gewonnen." Vielleicht das ehrlichste Fazit dieses Abends.

Und während die Reds jubelnd Richtung Viertelfinale marschierten, blieb Southampton die bittere Erkenntnis, dass Pokalabende manchmal eben für Märchen gemacht sind - nur schreiben sie leider nicht immer die Richtigen.

Ein Margate-Fan sang beim Abmarsch: "We’re still dreaming!" - und diesmal klang es nicht nach Größenwahn, sondern schlicht nach Wahrheit.

Southampton 1, Margate 2 - ein Ergebnis, das in den Geschichtsbüchern vielleicht eine kleine Zeile bekommt. Aber wer dabei war, weiß: Es war ein ganzer Roman in 90 Minuten.

15.10.643999 16:19
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