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Wenn ein einzelner Spieler ein ganzes Stadion zum Schweigen bringt, dann war er entweder gnadenlos gut - oder die Abwehr gnadenlos schlecht. Beim 0:3 der Nottingham Magpies gegen die Liverpool Reds traf beides zu. 52.483 Zuschauer im City Ground sahen am 28. Spieltag der 1. Liga England ein Spiel, das mit einem lauten "Na, das kann ja heiter werden" begann - und mit höflichem Applaus für den Gegner endete. Denn Roberto Marquez, der 25-jährige Linksaußen der Reds, spielte Fußball wie aus einem Lehrvideo, das man in Nottingham vermutlich nicht unbedingt im Mannschaftsraum zeigen wird. Drei Tore - in der 32., 43. und 52. Minute - erzielte er, jedes schöner als das vorherige. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass heute alles reingeht", grinste Marquez nach dem Spiel, während er den Spielball mit nach Hause nahm. "Und ehrlich, nach dem dritten wollte ich eigentlich noch ein viertes machen - aber der Trainer hat mich erlöst." Liverpool-Coach Kurt Kaiser hatte gut lachen. Sein Team dominierte mit 17 Torschüssen und knapp 52 Prozent Ballbesitz, spielte dabei aber keineswegs überheblich. "Wir wollten ruhig bleiben, sicher kombinieren und vorne auf Roberto vertrauen", erklärte Kaiser. "Er hat’s ja ganz ordentlich gemacht, oder?" - ein Satz, den er mit einem Augenzwinkern und einem Blick Richtung Pressevertreter garniert. Ganz anders die Stimmung bei den Magpies. Trainer Christoffer Reedtz stand nach dem Abpfiff an der Seitenlinie, sah aus wie ein Mann, der gerade beschlossen hat, dass er Montag wohl lieber mit Yoga statt mit Videoanalyse beginnt. "Wir haben in der ersten Halbzeit zu viel Respekt gezeigt", sagte er später. "Und in der zweiten zu wenig Struktur." Seine Spieler nickten betreten. Dabei begann das Spiel gar nicht so schlecht. Schon in der zweiten Minute hatte Egidius Schermerhorn die große Chance zur Führung, sein Schuss aber war eher ein freundlicher Gruß an den Gästetorwart Ivica Safaric. Danach übernahm Liverpool das Kommando. Robert Warriner prüfte den Keeper in der dritten Minute, Janos Zele und Matthias Van Hoost legten nach - und schließlich war es in der 32. Minute soweit: Warriner flankte punktgenau auf Marquez, der volley abschloss. 0:1. Kurz vor der Pause dann der nächste Nackenschlag: Luke Greenwald tanzte auf der linken Seite zwei Magpies aus, legte quer, Marquez bedankte sich - 0:2. Ein Fan hinter der Nottingham-Bank soll trocken gemurmelt haben: "Wenn der so weitermacht, brauchen wir bald ’ne neue Anzeigetafel." In der zweiten Halbzeit versuchte Nottingham, das Spiel zu drehen, doch was folgte, war eher ein verzweifeltes Aufbäumen. In der 52. Minute kombinierte sich Liverpool erneut durchs Mittelfeld, Van Hoost bediente Marquez - und der vollendete mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der vergessen hat, wie man daneben schießt. 0:3. Reedtz reagierte mit einem tiefen Seufzer. Liverpool wechselte munter durch: Der junge Juhani Kuqi kam zur Pause für Warriner, später durfte der 17-jährige Adam Wiltshire ran und schnupperte am Premierentor. "Ich hätte gern auch eins gemacht", meinte der Teenager nach dem Spiel und grinste schüchtern. "Aber ich wollte Marquez nicht die Show stehlen." Statistisch gesehen war es eine klare Angelegenheit: 17:4 Schüsse aufs Tor, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, ein Pressing, das zwar laut Daten "BEHIND" hieß, in Wirklichkeit aber eher "überall gleichzeitig" war. Nottingham wirkte dagegen wie ein Team, das das Konzept Pressing nur aus dem Internet kennt - in der Theorie ganz nett, in der Praxis zu kompliziert. Nach dem Spiel applaudierten selbst einige Heimfans den Reds. "Wenn man so Fußball spielt, kann man auch mal verlieren", sagte ein Magpies-Anhänger versöhnlich. Ein anderer kommentierte: "Ich hab mehr Hoffnung in die Stadionwurst als in unsere Abwehr." Trainer Kaiser lobte sein Team, blieb aber realistisch: "Ein schöner Abend, aber nur drei Punkte. Am nächsten Spieltag fangen wir wieder bei null an." Reedtz hingegen versprach, "die Köpfe wieder hochzubekommen - notfalls mit Kaffee intravenös". Fazit: Liverpool spielte kontrolliert, effizient und eiskalt. Nottingham kämpfte redlich, aber ohne Fortune. Und Roberto Marquez? Der war an diesem Abend schlicht nicht zu stoppen - ein Mann, der die Magpies zu Statisten degradierte. Oder, wie ein Zuschauer es beim Hinausgehen zusammenfasste: "Manchmal ist Fußball eben einfach - wenn man Roberto Marquez heißt." 08.12.643996 01:59 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat