Sportexpress
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Marzahns Carsley-Brüder versenken Jena - trotz Jenas jugendlicher Aufholjagd

Es war ein kalter Februarabend in Jena, 27.477 Zuschauer klapperten mit Handschuhen, Pappbechern und den Zähnen, als Schiedsrichterin Behrendt um 20:30 Uhr den 17. Spieltag der 2. Liga anpfiff. Was sie sahen, war ein Spiel, das sich anfühlte wie zwei verschiedene Begegnungen in 90 Minuten: erst ein Lehrstück in eiskalter Effizienz durch den FC Marzahn, dann ein jugendlicher Aufstand der Gastgeber, der fast noch ein Happy End geschrieben hätte.

Neun Minuten waren gespielt, da schien Jena noch in der Aufwärmphase zu sein. Jake Carsley, der ältere der Carsley-Zwillinge, zog nach einer Flanke von Rechtsverteidiger Peter Mann volley ab - 0:1. "Ich dachte, der Ball springt raus, aber er sprang mir praktisch in den Fuß", grinste der 29-Jährige später. Drei Minuten später hätte Jenas Walter Kaufmann beinahe geantwortet, doch sein Schuss rauschte knapp über die Latte - es sollte ein Vorgeschmack auf Jenas Abend werden: viel Ballbesitz (51,6 Prozent), wenig Wirkung.

Marzahn aber hatte Blut geleckt. In der 24. Minute war es Tyler Carsley, Jakes Zwillingsbruder, der nach Vorarbeit von Pedro Valdes auf 0:2 erhöhte. Und weil es so schön lief, legte Tyler vier Minuten später gleich noch einen drauf - derselbe Vorlagengeber, dasselbe Eck, dasselbe Ergebnis. "Wir haben im Garten so oft solche Doppelpässe geübt", witzelte Tyler nach dem Spiel, "nur dass damals unser Hund im Tor stand."

3:0 nach nicht einmal einer halben Stunde - Trainer Martin Wegner stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte etwas, das nach "Das wird ein langer Abend" klang. Kurz darauf sah sein Rechtsverteidiger David Stefan Gelb, nachdem er Tyler ein wenig zu energisch den Weg abgeschnitten hatte.

Doch Jena wäre nicht Jena, wenn sie nicht wenigstens für Dramatik sorgen würden. In der 35. Minute drückte Mittelstürmer Olav Heine einen Abpraller über die Linie. "Da war einfach Chaos im Strafraum, ich hab die Augen zugemacht und gehofft", gestand der 20-Jährige. Hoffnung - das war das richtige Stichwort. Denn mit Beginn der zweiten Halbzeit kam frischer Wind: kaum hatte der Ball wieder gerollt, da flankte David Stefan mustergültig auf den 17-jährigen Matti Gadocha, der den Ball zum 2:3 ins Netz köpfte (46.). Das Stadion erwachte, die Fangesänge wurden lauter, und selbst Trainer Wegner klopfte seinem Assistenten begeistert auf die Schulter.

"Wir wollten danach zu viel", resümierte Wegner später. In der Tat: Jena rannte, kämpfte, presste - am Ende stand ein Torschussverhältnis von 8:18, aber gefühlt war es nach der Pause ein offener Schlagabtausch. Marzahn blieb ruhig, spielte weiter mit der Gelassenheit eines Teams, das wusste, wann genug getan ist. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht nochmal öffnen", erklärte Trainer Frank Henning. Sein Konzept: Ball halten, Gegner laufen lassen, gelegentlich kontern. Und es funktionierte.

In der 62. Minute gab’s einen Schreckmoment: Marzahns Rechtsverteidiger Peter Mann musste nach einer Verletzung raus, wurde durch Patrick Moritz ersetzt. "Ich hab mir wohl was gezerrt - wahrscheinlich vom Jubeln", scherzte Mann mit einem Eisbeutel auf dem Oberschenkel.

Jena brachte derweil in der 75. Minute gleich drei frische Kräfte, darunter den 17-jährigen Xabier Henriquez, der später meinte: "Ich war so nervös, dass ich beim Einlaufen fast falschrum stand." Doch die letzten Minuten brachten keine Wende mehr. Zwar prüften Gadocha (81.) und Kaufmann (84.) Marzahns Keeper Vicente Domingos noch einmal, doch der blieb cool wie ein Espresso in der Pause.

Statistisch gesehen hätte Jena mehr verdient: mehr Ballbesitz, mehr gelaufene Kilometer, mehr Herzblut. Aber Fußball ist selten gerecht. "Wir haben uns in der ersten Halbzeit selbst geschlagen", knurrte Wegner. Henning dagegen zeigte britischen Humor: "Wenn zwei Brüder drei Tore schießen, kann man als Trainer eigentlich nur sagen: Familienplanung funktioniert."

Als Schiedsrichterin Behrendt nach 94 Minuten abpfiff, fielen die Carsley-Brüder sich in die Arme, während Jenas Teenager-Fraktion erschöpft, aber stolz Richtung Fankurve trottete. Die Zuschauer verabschiedeten sie mit Applaus - vielleicht, weil sie ahnten, dass hier etwas heranwächst.

Und so endete der Abend mit einem 2:3, das sich für Marzahn wie Routine und für Jena wie ein Versprechen anfühlte. Oder, wie es der verletzte Peter Mann im Kabinengang formulierte: "Wenn Jena so weiterspielt, müssen wir nächstes Jahr zweimal gegen sie zittern."

Ein kleines Trostwort zum Schluss? Vielleicht dieses: Spiele wie dieses sind der Grund, warum ein Februarfrostabend in Jena manchmal wärmer wirkt als ein Sommer in Marzahn.

01.12.643990 03:55
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ich bin sicher, überall haben sie Probleme. Ich lege meine Hand ins Feuer: Bumm, bumm, bumm.
Giovanni Trappatoni
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager