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Marzahns späte Erlösung: McGee rettet Punkt gegen Gelsenkirchen

Es war einer dieser Abende in Marzahn, an denen man sich fragt, ob die Stadionbratwurst schneller kalt wird als die Hoffnung der Heimfans. Doch am Ende durfte der FC Marzahn jubeln - ein spätes 1:1 gegen Gelsenkirchen 04 fühlte sich an wie ein kleiner Sieg. 33.030 Zuschauer im prall gefüllten Stadion erlebten ein Spiel, das zunächst nach Ruhrpott-Routine roch, dann aber zum Berliner Drama wurde.

Die Gäste aus Gelsenkirchen begannen abgeklärt, fast schon meditativ im Ballbesitzmodus. Trainer Andreas Meyer hatte seine Mannschaft auf "kontrolliertes Risiko" eingestellt - und die Statistik gab ihm zunächst recht: 52 Prozent Ballbesitz und elf Torschüsse zeugen davon, dass die Knappen das Spiel technisch im Griff hatten. Vor allem der 18-jährige Bertalan Bicskei, der auf der rechten Seite rannte, als gäbe es dort Freibier, sorgte früh für Alarm. "Ich hatte das Gefühl, er hat drei Lungenflügel", stöhnte Marzahns Linksverteidiger Patrick Moritz später.

In der 28. Minute dann der verdiente Lohn: Jannick Bach, der Mittelfeldstratege der Gäste, zog nach Pass von Namensvetter Jannick Kurz aus 20 Metern ab - und der Ball zischte unhaltbar ins rechte Eck. Torwart Vicente Domingos flog zwar spektakulär, aber eher fürs Fotoalbum. 0:1. "Das war Trainingstor Nummer 47", grinste Bach anschließend, "diesmal hat’s auch im Spiel geklappt."

Marzahn wirkte geschockt, die Fans mühten sich mit Gesängen, die eher nach Trotz als nach Triumph klangen. Trainer Frank Henning tigerte an der Seitenlinie, warf immer wieder den Blick gen Himmel, als würde dort jemand die Aufstellung ändern. Seine Mannschaft kam nur sporadisch gefährlich vor das Tor - zwei Distanzschüsse von Jake Carsley kurz vor der Pause waren das Beste, was sie anzubieten hatte.

In der Kabine muss Henning dann die Berliner Variante der Motivationsrede gehalten haben. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon nicht treffen wollt, dann wenigstens so tun, als würdet ihr’s versuchen", lachte er später. Und tatsächlich: Nach dem Seitenwechsel kam mehr Bewegung, mehr Mut - und mit der Einwechslung des 17-jährigen Joschua Rupp bekam das Spiel plötzlich jugendliche Energie.

Gelsenkirchen indes wechselte ebenfalls - ausgerechnet im Tor. Robert Hein musste zur Halbzeit raus, der junge Wilhelm Preuss kam. "Kein Problem", meinte Trainer Meyer lapidar, "wir haben zwei gute Torhüter - und beide hören schlecht auf Anweisungen." Preuss hielt solide, musste aber später noch das entscheidende Gegentor hinnehmen.

In Minute 82, als die Marzahner Fans schon grummelnd über die Parkplatzausfahrt nachdachten, kam der Moment des Abends: Sergi Bischoff flankte von rechts, und Charles McGee, sonst eher für spektakuläre Frisuren bekannt, stieg höher als alle anderen. Sein Kopfball schlug ein, als hätte ihn der Wind persönlich hineingetragen. 1:1 - und das Stadion explodierte. "Ich hab’ einfach die Augen zugemacht", sagte McGee hinterher, "und gehofft, dass der Ball irgendwen trifft. Hat geklappt - mich."

In der Schlussphase war plötzlich Feuer drin. Der junge Marco Jacob prüfte Preuss in der 88. Minute, McGee nochmal kurz vor Schluss. Gelsenkirchens Innenverteidiger Lennard Konrad holte sich in der Nachspielzeit noch eine Gelbe Karte ab - wohl aus Frust, dass seine Abwehr die Führung verschenkt hatte.

Am Ende blieb es beim Remis, das beide Seiten unterschiedlich bewerteten. "Für uns fühlt sich das wie eine Niederlage an", grantelte Gelsenkirchens Coach Meyer, während Henning zufrieden grinste: "Ein Punkt, ein Tor, keine Verletzten - das ist in Marzahn schon fast ein Feiertag."

Statistisch betrachtet war’s ein Duell auf Augenhöhe: 8:11 Torschüsse, 48:52 Prozent Ballbesitz, leichtes Tackling-Übergewicht für die Gäste. Doch das Zahlenwerk erzählt nicht die ganze Geschichte. Die letzten zehn Minuten gehörten Marzahn - und das völlig verdient.

Als die Flutlichter erloschen, summte der Stadionsprecher noch etwas von "Charakter, Leidenschaft und Currywurst". Vielleicht war’s die Essenz des Abends: Kein Glanz, kein Glamour, aber ein ehrlicher Punkt gegen einen Favoriten. Und irgendwo auf der Pressetribüne notierte ein Kollege trocken: "Marzahn kann spät. Sehr spät."

Kurzum: Ein 1:1, das keiner so richtig wollte, aber alle irgendwie brauchten.

25.06.643993 16:06
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