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Melendez rettet Marde spät - Cerrense hadert mit der Chancenverwertung

Ein lauer Samstagabend in Montevideo, 32.000 Zuschauer, der neunte Spieltag der 1. Liga Uruguay - und wieder einmal bewies der Fußball, dass er keine Gnade kennt: Deportivo Marde und CD Cerrense trennten sich in einem intensiven, manchmal chaotischen, aber durchweg unterhaltsamen Duell 1:1. Ein Ergebnis, das beiden Teams vermutlich so sehr schmeckt wie lauwarme Mate-Tee-Reste.

Es begann mit einem Paukenschlag: Schon in der dritten Minute sah Cerrenses blutjunger Innenverteidiger Emilio Albinana Gelb - laut Augenzeugen, weil er offenbar vergessen hatte, dass Grätschen und Holzfällen zwei verschiedene Sportarten sind. Trainer Leahcim Gnipeur nahm es gelassen: "Er ist 18. In dem Alter war ich froh, wenn ich wusste, wo das eigene Tor steht."

Nur zwölf Minuten später durfte Cerrense jubeln. Mittelfeldmotor Domingo Andrade versenkte nach feinem Zuspiel von Sergio Gnabry den Ball zur 0:1-Führung (15.). "Ich hab einfach draufgehalten, bevor ich drüber nachdenke", grinste Andrade später. Eine ehrliche Selbsterkenntnis, die seine Effizienz erklärt: Er traf, wo andere noch kalkulieren.

Deportivo Marde wirkte zunächst konsterniert, dann zunehmend wütend. Antonio Melendez, der rechte Stürmer mit dem Antritt eines Stoßtrupps, prüfte Cerrense-Keeper José Yago gleich zweimal in den ersten fünf Minuten, ohne Erfolg. Rui Arino und Xavi de la Sota setzten ebenfalls gefährliche Akzente - aber der Ball wollte einfach nicht ins Netz. "Wir hätten auch noch bis Mitternacht spielen können", seufzte Mardes Trainer (dessen Name, man munkelt, schon wieder in der Gerüchteküche kursiert) nach Abpfiff, "und der Ball hätte sich trotzdem in Yagos Armen wohlgefühlt."

Cerrense, leichtfüßig im Passspiel und mit minimalem Ballbesitz-Rückstand (49,7 %), hatte die Partie eigentlich im Griff. 10:9 Torschüsse belegen: Das Spiel war ausgeglichen, aber die Gäste wirkten eine Spur zwingender. Besonders auffällig: der 19-jährige Ricardo Manuel, der in der 47. Minute knapp am Pfosten vorbeizog - ein Schuss, der das Stadion kurz verstummen ließ.

Doch wer seine Chancen nicht nutzt, wird bekanntlich bestraft. In der 75. Minute - als Cerrense schon begann, das Ergebnis zu verwalten - schlug Marde zurück. Nach einem Eckball verlängerte Innenverteidiger Tomasz Weise den Ball artistisch, und Antonio Melendez stocherte ihn über die Linie. 1:1, das Stadion explodierte. "Ich hab einfach die Nase hingehalten", sagte Melendez später schmunzelnd. "Und sie ist noch dran."

Die Schlussphase wurde zu einem Festival der verpassten Möglichkeiten. Arino scheiterte erneut, Xavi de la Sota schoss in der Nachspielzeit (94.) aus 20 Metern - knapp drüber. Cerrense konterte, aber Oscar Anderson kam nicht mehr zum Abschluss. Auf den Rängen wurde geflucht, gelacht, gestöhnt - alles, was zum uruguayischen Fußball gehört.

Statistisch blieb die Begegnung ein Musterbeispiel für Balance: 50,3 % Ballbesitz für Marde, 49,7 % für Cerrense, kaum Unterschiede bei den Zweikämpfen (48,8 % zu 51,2 %). Zwei Teams, die sich neutralisierten wie zwei alte Fechter, die sich zu gut kennen, um sich wirklich weh zu tun.

Trainer Gnipeur von Cerrense zeigte sich nach dem Spiel dennoch zufrieden: "Wir wollten kompakt stehen, das haben wir getan. Nur das mit dem zweiten Tor - das müssen wir mal üben." Sein Gegenüber wirkte weniger philosophisch: "Wenn wir so weiterspielen, fangen die Leute bald an, uns zu bemitleiden. Und das will keiner."

In der Kabine von Deportivo Marde soll es, wie ein Insider verriet, trotzdem laut geworden sein. Ein Spieler habe gerufen: "Wir spielen ja schön, aber wann gewinnen wir mal wieder hässlich?" - eine Frage, die wohl jeder Trainer dieser Liga nur zu gut kennt.

Am Ende blieb das Fazit einfach: Cerrense hätte das Spiel früher entscheiden können, Marde bewies Moral, und beide zeigten, warum die 1. Liga Uruguay zwar manchmal ruppig, aber selten langweilig ist.

Oder, wie Stadionsprecher Jorge nach Abpfiff trocken meinte: "Zwei Teams, die alles gegeben haben - außer klare Verhältnisse."

Und so gingen 32.000 Zuschauer nach Hause - einige zufrieden, viele frustriert, aber alle mit dem Gefühl, Zeugen eines ehrlichen Fußballabends gewesen zu sein. 1:1 - gerecht, aber schmeichelhaft. Ein Ergebnis, das nach Wiederholung schreit.

20.01.644003 00:23
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