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Es war ein lauer Maiabend im Midlands-Stadion, doch was sich die 32.040 Zuschauer am 24. Spieltag der 2. englischen Liga zu Gemüte führten, war alles andere als lauwarm. Hull Tigers besiegten Midlands Villa mit 3:1 - und das, obwohl die Gastgeber mehr Ballbesitz (54 Prozent) hatten. Fußballlogik? Fehlanzeige. Effektivität, Wucht und jugendlicher Übermut entschieden die Partie zugunsten der Gäste aus Hull. Dabei fing alles gar nicht so schlecht an für Midlands Villa. Nach 29 Minuten brandete Jubel auf, als der junge Spanier Pau Herrero nach Zuspiel von Alexander Hennessy das 1:0 markierte. Ein feiner Treffer - flach ins Eck, millimetergenau. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainer Ron Li später bitter, "aber nein, er war drin - nur leider war das unser einziger Lichtblick." Denn dann kam die große Hull-Show. Fünf Minuten nach dem Rückstand antworteten die Gäste mit Wucht: Ewan Caviness, 21 Jahre jung und offenbar mit Turboladern in den Stutzen, spritzte in einen Pass von Rechtsverteidiger Christopher Hoskins und schob eiskalt ein - 1:1. Die Tigers spielten da schon wie entfesselt, und Midlands Villa wirkte, als hätte sie nach dem Ausgleich kollektiv das WLAN zum Spielgeschehen verloren. In der 40. Minute war es dann Connor Wiltshire, der nach einer Flanke von Juan Goncalves das 2:1 erzielte. Und weil Hull gerade so schön in Fahrt war, legte Dominique Corey in der 44. Minute nach - Vorlage Caviness, der nun endgültig die Villa-Abwehr schwindlig gespielt hatte. 3:1 zur Pause, und das, obwohl Hull bis dahin nur 45 Prozent Ballbesitz hatte. "Wir wussten, dass sie gern den Ball haben", grinste Tigers-Coach Mathias Oergel nach dem Spiel. "Also haben wir ihn ihnen gelassen und stattdessen Tore geschossen." Sarkasmus? Vielleicht. Wahrheit? Definitiv. Denn am Ende standen 20 Torschüsse der Gäste nur 6 von Midlands Villa gegenüber. In der zweiten Halbzeit versuchte Midlands Villa, mit aller Kraft zurückzukommen. Trainer Li brachte frische Leute: Pettersson für Graves, Winfield für Lindstrom, Lundqvist für Vasquez. Doch die Wechsel verpufften wie Seifenblasen im Wind. Zwar hatten Nicksay (68. und 84. Minute) und der junge Schwede Pettersson zwei gute Chancen, doch Hulls Keeper Joel Eliot hatte einen dieser Tage, an denen er vermutlich auch eine Kanonenkugel gefangen hätte. "Ich hatte einfach das Gefühl, heute läuft’s", sagte Eliot nach dem Spiel mit einem Grinsen, das wohl auch die eigene Abwehr beruhigte. "Und wenn’s nicht läuft, hab ich halt Glück - das ist manchmal dasselbe." Hull Tigers hingegen spielten die zweite Halbzeit souverän herunter. Trainer Oergel wechselte klug: Corey raus, der junge Russe Afanassenkow rein; Wiltshire machte Platz für den 18-jährigen Brandon Crichton, der gleich dreimal gefährlich aufs Tor schoss (72., 80., 85. Minute). Das war jugendlicher Übermut in Reinform - und eine klare Ansage für die Zukunft. Villa versuchte es in der Schlussphase mit langen Bällen, fast verzweifelt. "Wir haben das Pressing erhöht, aber sie haben es einfach zu gut ausgespielt", meinte Kapitän Alexander Hennessy, der selbst in der 39. Minute Gelb gesehen hatte. "Manchmal läuft der Ball gegen dich - und manchmal läuft er dir über die Füße." Statistisch gesehen war Midlands Villa gar nicht so schlecht: mehr Ballbesitz, mehr Pässe, mehr Laufleistung. Nur das, was am Ende zählt - Tore - blieb auf der falschen Seite. Hull Tigers dagegen zeigten, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist. Einmal mehr bewiesen sie, dass Effizienz vor Eleganz siegt. Als der Schlusspfiff ertönte, blickte Ron Li lange auf den Rasen, dann auf seine Notizen. "Wir hatten einen Plan", murmelte er in die Mikrofone der Reporter, "aber Hull hatte drei Tore." Damit ist wohl alles gesagt. Und während die Fans von Hull ausgelassen sangen und Midlands-Anhänger frustriert die Ränge verließen, blieb das Gefühl, dass dieses Spiel ein Lehrstück war - über Effektivität, jugendlichen Mut und die alte Fußballweisheit: Ballbesitz schießt keine Tore. Vielleicht sollte man das an die Kabinentür von Midlands Villa schreiben. In Großbuchstaben. Und darunter: "Nächstes Mal bitte wieder treffen." 14.03.644000 05:48 |
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Erich Ribbeck