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Es war ein Abend, an dem in London der Regen wie aus Eimern fiel, die Flutlichter glänzten - und 58.470 Zuschauer im Stadion an der Themseseite ein Spiel sahen, das an Intensität kaum zu überbieten war. Der FC Millwall besiegte die London Blues mit 2:1 (1:0) und zeigte damit, dass man in diesem Teil der Stadt Fußball noch mit Herz, Schweiß und einer Prise Wahnsinn spielt. Schon in der ersten Minute schien Millwall mit einem klaren Plan auf den Platz zu kommen: aggressiv, körperlich, unangenehm. "Wir wollten ihnen gleich zeigen, dass das hier kein Spaziergang wird", grinste Trainer Sonny Crocket nach dem Spiel, während ihm noch der Regen aus dem Haar tropfte. Und tatsächlich - kaum hatte das Spiel begonnen, da prüfte Rechtsverteidiger Bradley Crichton den Blues-Keeper mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe. Die London Blues, unter Coach Guido Träger gewohnt kontrolliert und auf Konter aus, schienen überrascht. Ihre defensive Ausrichtung und das berühmte "Wir reagieren, statt zu agieren" funktionierte anfangs überhaupt nicht. Nach 15 Minuten fiel dann, was sich abzeichnete: Millwalls Mittelfeldmotor Alexander Mayhew zog aus zwanzig Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. Linksverteidiger Joel Satchmore hatte den Treffer mit einem klugen Querpass vorbereitet. "Ich hab eigentlich gar nicht gesehen, dass der Ball reingeht", lachte Mayhew später. "Ich hab nur das Brüllen gehört - und wusste, irgendwas Gutes muss passiert sein." Bis zur Pause kontrollierte Millwall das Geschehen. 54,6 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse insgesamt, ein Pressing, das den Blues die Lust am Spiel nahm. Die Gäste kamen nur sporadisch nach vorne - meist, wenn Lewis Graves oder Amaury Miguel mal Platz auf den Flügeln fanden. Doch Millwalls Keeper Ethan Caviness blieb weitgehend beschäftigungslos. Nach der Pause schien sich das Blatt kurz zu wenden. London kam mit Wut und langen Bällen zurück. Guido Träger hatte offenbar die Pausenansprache mit Nachdruck gehalten. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen endlich Fußball spielen und nicht Touristenführer für Millwall sein", erklärte der Coach trocken. Und siehe da - in der 62. Minute kombinierten sich die Blues durchs Zentrum: Ivan Basa legte quer, Amaury Miguel zog ab, und plötzlich stand es 1:1. Das Spiel drohte zu kippen, Millwall wackelte, und Trainer Crocket reagierte: Er brachte Joseph Lockwood für den müden Tyler Boyle. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte. Nur 13 Minuten später, in der 75. Minute, war es genau dieser Lockwood, der aus halbrechter Position zum 2:1 traf - vorbereitet von Bradley Davonport, der den Ball mit einer Eleganz servierte, als wäre er in einem französischen Bistro statt auf einem matschigen Rasen. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Lockwood nach dem Spiel mit einem Grinsen. "Wenn du lange genug zuschaust, wie Tyler das macht, lernst du irgendwann, wie’s geht." Die letzten 15 Minuten wurden dann zur Nervenprobe. London warf alles nach vorne, brachte den jungen Keeper Leon Callahan, weil Stammtorwart Franck Besserer sich leicht verletzte, und kassierte in kurzer Folge drei Gelbe Karten - Puglisi, Dunbar und Parent machten den Frust sichtbar. Auch Millwalls Joker Aaron Marshal sah Gelb, nachdem er einen Blues-Spieler kurzerhand in die Werbebande beförderte. "Es war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", bilanzierte Crocket mit einem schiefen Lächeln. Guido Träger hingegen schüttelte den Kopf: "Wir hatten unsere Chancen, aber Millwall hat’s einfach gewollt. Die haben gebissen wie Terrier." Statistisch war das Urteil eindeutig: 16:5 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Ballbesitz - Millwall hatte die Nase vorn. Doch Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte besteht aus Kampf, Chaos und Charakter. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte das ganze Stadion. Die Fans sangen, die Spieler lagen sich in den Armen, und irgendwo auf der Tribüne fiel einem alten Millwall-Fan das Bier aus der Hand - nicht vor Schreck, sondern vor Freude. Vielleicht war es kein perfektes Spiel. Aber es war ein echtes Millwall-Spiel: laut, wild und unberechenbar. Oder, wie Alexander Mayhew es später formulierte: "Schön spielen können andere. Wir wollen nur gewinnen." Und das taten sie. 2:1. Verdient. Mit Herz. Mit Biss. Mit Millwall. 08.02.644000 15:36 |
Sprücheklopfer
In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath