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Ein Aprilabend im The Den, 59.000 Kehlen, die wie ein einziger, rauer Chor klangen. Fußball in seiner reinsten Form, ein bisschen Chaos, ein bisschen Krach - und am Ende ein 3:2 für den FC Millwall gegen Barrow AFC, das man so schnell nicht vergisst. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da stand es schon 0:1. Benjamin McGowan, der flinke Linksaußen der Gäste, brauchte exakt 60 Sekunden, um Millwalls Defensive in den Wachzustand zu zwingen. Joel Hardin hatte ihn auf die Reise geschickt, McGowan zog ab, und ehe Torwart Ethan Caviness blinzeln konnte, zappelte der Ball im Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen - war er aber nicht", knurrte Millwalls Trainer Sonny Crocket später mit einem Grinsen. Doch wer dachte, Millwall würde sich in Schockstarre verkriechen, täuschte sich. Die Londoner liefen heiß, besonders ihr Stürmerduo Tyler Boyle und Daniel Darabont. Boyle prüfte Barrow-Keeper Finlay Densham im Fünf-Minuten-Takt, und in der 37. Minute war es dann soweit: Nach feinem Zuspiel von Bradley Davonport drosch Boyle den Ball humorlos in den Winkel - 1:1. Das Stadion wackelte, und Crocket brüllte von der Seitenlinie: "So sieht Millwall-Fußball aus - laut, dreckig und effektiv!" Barrow antwortete nach der Pause mit langen Bällen und einem Hauch von Wahnsinn. Trainer Ingo Königs hatte offenbar beschlossen, dass Subtilität überschätzt wird. "Wenn wir den Ball nicht haben, fliegt er eben lang nach vorn", erklärte er später trocken. Und tatsächlich: In der 67. Minute landete einer dieser Befreiungsschläge bei Freddie Hannigan, der mustergültig auf Owen Gage passte - 1:2. Ein klassischer Konter, wie aus dem Lehrbuch für destruktive Romantik. Millwall, von Natur aus zu stolz zum Aufgeben, reagierte wie ein verärgerter Bär. Nur vier Minuten später egalisierte Daniel Darabont nach Traumvorlage von Riley Charpentier. Der Jubel war ohrenbetäubend, das Bier in den Bechern vibrierte. Und Barrow? Wirkte plötzlich, als wolle man nur noch die Uhr runterspielen. Doch das ließ Darabont nicht zu. In der 79. Minute schnappte er sich den Ball am linken Strafraumeck, tanzte erst Musgrave, dann Vischspoel aus und schob eiskalt zum 3:2 ein. "Ich hab einfach Spaß am Chaos", grinste der Doppeltorschütze später in die Kameras. Barrow versuchte noch einmal alles, brachte in der 75. Minute Kai Haddington für den jungen Georgescu, und sogar der Torwart wurde in der Nachspielzeit ausgewechselt - eine Szene, die mehr nach Verzweiflung als nach Taktik roch. George Beecroft durfte in der 90. Minute noch kurz ran, vermutlich damit wenigstens jemand frische Handschuhe im Spiel hatte. Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 49,9 Prozent Ballbesitz für Millwall, 50,1 für Barrow - ein perfektes Gleichgewicht der Unruhe. Doch Millwall hatte die klareren Chancen (15:9 Schüsse aufs Tor) und die besseren Nerven. "Das sind die Spiele, in denen du lernst, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist", sagte Trainer Crocket mit verschränkten Armen. Tyler Boyle, nach dem Abpfiff noch immer schweißglänzend, philosophierte: "Manchmal musst du einfach nur den Kopf runternehmen und draufhauen. Heute war so ein Tag." Sein Trainer ergänzte trocken: "Und morgen hoffentlich wieder." Barrow-Coach Königs hingegen suchte nach Trost in der Statistik. "50 Prozent Ballbesitz - das ist ja quasi Gleichstand", meinte er schmunzelnd, während er sich die Mütze tiefer ins Gesicht zog. Aber er wusste, dass seine Mannschaft trotz couragiertem Auftritt am Ende zu offen stand. Das Publikum verabschiedete seine Helden mit donnerndem Applaus, und irgendwo auf der Tribüne summte jemand "Three Lions" - nicht ganz textsicher, aber mit voller Kehle. So klingt Fußballglück im Süden Londons. Man könnte sagen, Millwall hat das Spiel gedreht. Aber eigentlich hat Daniel Darabont es gemalt: mit zwei Strichen links, einem rechts, und viel Herzblut dazwischen. Und wenn Trainer Crocket nach dem Spiel sagt, "Wir sind noch nicht fertig mit dieser Saison", dann glaubt man ihm sofort. Denn nach so einem Abend ist klar: Millwall lebt - laut, wild und unberechenbar. Genau so, wie es die Fans lieben. 14.11.643996 22:37 |
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Giovanni Trappatoni