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Swindon - Der Abend im County Ground hatte kaum begonnen, da war eigentlich schon alles passiert. 43.500 Zuschauer hatten sich am Sonntag zum 18. Spieltag der 1. Liga England eingefunden, um Swindon Town gegen den FC Millwall zu sehen. Nach gerade einmal 13 Minuten stand es 0:2 - und das Publikum fragte sich, ob man die Chips lieber gleich als Trostpflaster verwenden sollte. Daniel Darabont eröffnete in der 12. Minute per flachem Abschluss ins lange Eck, vorbereitet von Alexander Mayhew, der sich elegant durch das Mittelfeld dribbelte. Kaum hatte Swindon den Ball wieder im Spiel, folgte die nächste kalte Dusche: Tyler Boyle nutzte einen Fehler in der Abwehr eiskalt, nachdem George Clancy von rechts präzise flankte - 13. Minute, 0:2. Millwall hatte kaum geschwitzt, Swindon dagegen schon Schweißperlen in den Augen. "Wir waren wohl noch beim Einlaufen, als sie schon Tore schossen", knurrte Swindon-Trainer Barney Cheep nach dem Spiel, die Hände tief in den Taschen vergraben. "Danach haben wir endlich gespielt - aber da rennst du halt gegen Beton an." Immerhin: Freddie Monroe brachte in der 31. Minute wieder Leben in die rote Hälfte. Nach einem schnellen Doppelpass mit Charles Warriner zog er aus 15 Metern ab - und traf. Der Jubel ließ den Rasen beben, kurz schien das Stadion zu glauben, hier sei noch was drin. "Ich dachte, der Ball fliegt sonstwohin", grinste Monroe später, "aber diesmal war er brav." Tatsächlich: Swindon drückte, hatte zwischen der 27. und 44. Minute gleich vier gute Abschlüsse. Monroe, Cromwell, Graysmark - sie alle prüften Millwalls Keeper Ethan Caviness, der allerdings einen dieser Tage erwischt hatte, an denen er offenbar unsichtbare Magneten in den Handschuhen trug. Zur Pause blieb’s beim 1:2, und wer auf eine wilde zweite Halbzeit hoffte, bekam immerhin eine kämpferische. Swindon lief, Millwall lauerte. 55 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 16 zu 11 Torschüsse - das war kein Zufall, sondern Resultat einer klaren Balance: Millwall ließ Swindon machen und konterte, wann immer sich die Gelegenheit bot. In der 46. Minute reagierte Cheep erstmals, brachte Benjamin Bradshaw für Lucas Hathaway, später auch den jungen Lucas Hennessy für den müden Bosworth. Beide brachten frischen Wind, Hennessy sogar kurz einen Hauch von Hoffnung, als er mit seinem ersten Ballkontakt eine Flanke auf Monroe schlug, die nur knapp über das Tor segelte. Millwall-Coach Sonny Crocket - ganz in Miami-Vice-Manier mit offenem Hemd und Sonnenbrille auch bei Flutlicht - blieb ruhig. "Ich mag’s, wenn’s früh kracht. Danach kann man Fußball spielen", lachte er nach dem Schlusspfiff. Sein Team spielte tatsächlich abgeklärt, auch wenn es in der Schlussphase zwei Gelbe Karten kassierte: erst Isaac Hartshorn (66.), dann John Bancroft (83.). "Wir wollten halt zeigen, dass wir körperlich da sind", kommentierte Bancroft trocken. In den letzten Minuten warf Swindon alles nach vorn. Monroe, erneut auffälligster Akteur, zwang in der 92. Minute Caviness noch einmal zu einer Glanzparade. Der Schlusspfiff kam schließlich als Erlösung - für Millwall, das seinen Vorsprung verteidigte, und für Swindon, das wusste: Heute war der Anfang der Anfang vom Ende. Die Statistiken erzählen die Geschichte nüchtern: 44 Prozent Ballbesitz für Swindon, 48 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 11 Abschlüsse aufs Tor. Viel Fleiß, wenig Ertrag. Millwall dagegen effizient, zielstrebig, mit 16 Torschüssen und der reiferen Spielanlage. "Wenn du in den ersten 15 Minuten zweimal einschläfst, brauchst du dich nicht zu wundern", meinte Swindons Kapitän Mason Hathaway leicht sarkastisch. "Wir haben’s dann versucht - aber gegen Millwall ist das wie gegen eine Garagentür treten: laut, aber bringt nix." Kurz vor Schluss wechselte Cheep noch John Valentine ein - Symbol für den Glauben an die Wende, der jedoch ungehört verhallte. Millwall brachte mit Joseph Lockwood und Riley Charpentier frische Beine, die noch zwei, drei gefährliche Angriffe setzten. So blieb es beim 1:2 (1:2) - ein Ergebnis, das sich früh einbrannte und nicht mehr löste. Millwall nimmt drei Punkte mit, Swindon die Erkenntnis, dass Fußballspiele selten nach der ersten Viertelstunde enden - aber manchmal eben doch entschieden sind. Am Ausgang scherzte ein älterer Swindon-Fan: "Wenn wir so weiterspielen, sind wir bald Tabellenführer - von unten." Humor hilft, sagt man. Und vielleicht, ganz vielleicht, auch ein früher Wecker für die Abwehr. 04.01.644000 18:25 |
Sprücheklopfer
Wer am Samstag nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, der kann ja am Sonntag noch laufen.
Werner Lorant