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47200 Zuschauer im Stadion von Chernigov sahen an diesem kühlen Aprilabend ein Spiel, das den Begriff "ausgewogen" wohl nur in den Taktiktafeln beider Trainer verdient hatte. Auf dem Rasen herrschte dagegen britische Entschlossenheit: Der FC Millwall gewann mit 3:1 (2:1) gegen Desna Chernigov und legte damit einen perfekten Start in die Champions-League-Qualifikation hin. Schon in der 10. Minute blitzte Millwalls Präzision auf - und das im doppelten Sinne. Daniel Darabont, ein Stürmer, der aussieht, als würde er lieber über Bücher als über Abwehrreihen philosophieren, schob den Ball eiskalt ins lange Eck. "Elliot hat mir den Ball so serviert, dass selbst meine Großmutter den reingemacht hätte", grinste Darabont später über die Vorlage seines 33-jährigen Mitspielers Elliot Lockwood. Desna reagierte wütend - und überraschend kreativ. Sechs Minuten später stürmte Linksverteidiger Otto Schöne nach vorn, als sei er kurzzeitig vergessen worden, dass er eigentlich Verteidiger ist. Nach einem kurzen Doppelpass mit Domingo Galindo drosch er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte - ein Traumtor und das 1:1. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Schöne hinterher, "aber der Ball hatte offenbar andere Pläne." Doch kaum hatte sich der Jubel gelegt, traf Millwall erneut. Wieder war es Darabont, diesmal nach feinem Zuspiel von Riley Charpentier. 2:1 nach 18 Minuten - und die ukrainischen Hoffnungen auf eine erfolgreiche Aufholjagd begannen leise zu zittern. Trainer Albert Wirth von Desna gestikulierte wild an der Seitenlinie, schob Spieler nach vorn und pfiff sich fast selbst an. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber weniger Sinn dafür, was man damit tut", knurrte er nach dem Spiel. Tatsächlich: 53 Prozent Ballbesitz zu 47 für Millwall, aber doppelt so viele Torschüsse für die Gäste (16:8). Zahlen, die Bände sprechen - und vermutlich auch Wirths Blutdruck erklären. Millwall spielte, wie man es von einer englischen Mannschaft erwartet: aggressiv, direkt, kompromisslos. Kein Pressing-Wahnsinn, aber unerschütterliche Zweikampfhärte und der unbedingte Wille, jeden zweiten Ball zu gewinnen. "Wir sind keine Balletttruppe", erklärte Trainer Sonny Crocket in breitem Londoner Akzent. "Aber wir wissen, wie man Tore macht. Und manchmal reicht das." In der zweiten Halbzeit versuchte Desna alles - sogar der Torwart Pol Viana rückte zeitweise bis zur Mittellinie vor, als würde er heimlich davon träumen, das nächste Tor selbst zu schießen. Doch Millwall blieb eiskalt. Daniel Darabont, der unermüdliche Linksaußen, prüfte Viana noch mehrfach, bevor Joseph Lockwood in der 83. Minute endgültig den Deckel draufmachte. Nach einer butterweichen Vorlage von Charpentier traf der Rechtsaußen flach ins Eck - 3:1, das war’s. Während die 47.000 Heimfans langsam verstummten, feierten die rund 500 mitgereisten Engländer in der Gästekurve, als hätten sie gerade Wembley gewonnen. Darabont wurde später zum "Man of the Match" gekürt, Lockwood bekam den inoffiziellen Titel "Laufwunder mit Präzisionsfuß". In den Schlussminuten kassierte Desnas Mittelfeldmann Alfie Greenwald noch Gelb - sinnbildlich für den Frust, der sich in den Reihen der Gastgeber breitgemacht hatte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch da sind", verteidigte er sich mit einem Achselzucken. Crocket wechselte in der Schlussphase dreimal: Fairchild, Crichton und Satchmore durften früher duschen, dafür kamen Bancroft, Clancy und Bloomfield - alle drei erledigten ihren Job so unspektakulär wie effizient. Ein Lehrbeispiel dafür, wie man einen Vorsprung verwaltet, ohne die Kontrolle zu verlieren. Desna Chernigov hingegen wird sich fragen, wie man trotz ordentlichem Ballbesitz so harmlos bleiben kann. Vielleicht hilft ein Blick auf die Statistik: acht Torschüsse, davon keiner wirklich zwingend nach der Pause. Wirth fasste es trocken zusammen: "Wir hatten die Kugel oft, aber sie wollte einfach nicht rein. Vielleicht war sie heute Millwall-Fan." So endet ein Abend, der in Chernigov mit Hoffnung begann und mit britischem Pragmatismus endete. Millwall, nüchtern, effizient und unbeeindruckt von der osteuropäischen Atmosphäre, steht mit drei Punkten da - und Desna muss sich neu sortieren. Oder, wie es Daniel Darabont lächelnd in die Kameras sagte: "Manchmal ist Fußball einfach. Du triffst, sie nicht - und alle sagen, du hattest einen Plan." Ein Satz, der wohl in die Kategorie "ehrlichster Kommentar des Spieltags" fällt. 22.03.643997 03:35 |
Sprücheklopfer
Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht.
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