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Millwall tanzt im Regen von Nottingham - ein Magpie-Abend zum Vergessen

Es gibt Fußballabende, da scheint das Universum schon vor dem Anpfiff entschieden zu haben, wer lachen darf. Der Dienstagabend in Nottingham war so einer. 53.748 Zuschauer hatten sich im altehrwürdigen Magpies-Stadion eingefunden, viele in der Hoffnung, dass ihre Lieblinge den grauen Märzregen in Punkte verwandeln würden. Doch es kam anders: Der FC Millwall nahm die Magpies auseinander - mit chirurgischer Präzision und britischer Kaltschnäuzigkeit. 0:3 hieß es am Ende, und das war noch schmeichelhaft für Nottingham.

Schon nach wenigen Minuten zeichnete sich ab, dass Millwall die besseren Ideen, Beine und vermutlich auch die besseren Regenjacken hatte. Während die Magpies wild flatterten, flogen die Löwen - pardon, Lions - des FC Millwall unaufhaltsam nach vorn. In der 25. Minute war es Daniel Darabont - ja, ausgerechnet der Bruder von Nottinghams Jay Darabont - der den Ball nach feiner Vorarbeit von Riley Charpentier trocken ins Netz schob. Bruderduell, Runde eins: klar an Millwall.

"Ich hab’s geahnt, als ich ihn sah - er grinste einfach zu breit beim Handschlag vor dem Spiel", knurrte Jay Darabont später in der Mixed Zone. Ob das Grinsen oder der Treffer mehr schmerzte, ließ er offen.

Nottingham versuchte danach, seine offensive Ausrichtung (Trainer Reedtz hatte sich für "volle Kraft voraus" entschieden) in Taten umzusetzen. Allein: Es blieb beim Versuch. Zwei kümmerliche Torschüsse fanden den Weg Richtung Millwall-Keeper Ethan Caviness, der wohl in der Halbzeit kurz nachsehen musste, ob er überhaupt noch warm war.

Millwall dagegen kombinierte weiter mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte man den Ballbesitz (54,3 Prozent) gepachtet. Besonders auffällig: die rechte Seite mit Christopher Thackeray und Tyler Boyle, die die Magpies-Abwehr in Daueralarm versetzte. In der 45. Minute dann das 0:2 - Bradley Davonport traf nach butterweicher Flanke von Samuel Bloomfield. Während Reedtz noch nach dem Pausenpfiff bettelte, lag sein Team schon zwei Tore hinten.

"Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", behauptete Reedtz später mit einem Lächeln, das an Galgenhumor grenzte. "Leider nur nicht den Ball."

Zur zweiten Halbzeit wechselte Nottingham gleich dreimal - neuer Torwart, neue Außen, neuer Mut. Doch der Effekt blieb aus. Fernando Antonio im Kasten durfte zwar einige Male fliegen, aber meist vergeblich, denn die Millwall-Stürmer hatten Schießübungen angesetzt: 22 Torschüsse, das Stadion zählte irgendwann mit.

Als dann in der 59. Minute Millwalls Innenverteidiger John Bancroft verletzt raus musste, war das die einzige Szene, in der Nottingham kurz Hoffnung schöpfte. Doch Ersatzmann Louis Fairchild machte seinen Job so souverän, dass man sich fragte, ob Millwall überhaupt schwächere Spieler besitzt.

Und dann kam der Schlusspunkt - 83. Minute, Marcus Rashford, gerade 19 und schon mit der Selbstverständlichkeit eines Altstars. Nach einem Pass von Thackeray tanzte er durch die Abwehr, legte sich den Ball auf links und schob ihn seelenruhig ins lange Eck. 0:3, Vorhang zu.

"Ich wollte eigentlich querlegen", grinste Rashford nach dem Spiel, "aber dann dachte ich: Ach, probier’s halt." So klingt jugendlicher Leichtsinn, wenn er funktioniert.

Die Magpies kassierten noch in der Schlussphase Gelb (Vicente Sa Pint in der 38. Minute für ein etwas zu herzliches Foul war der Vorbote), kämpften aber immerhin bis zum Ende. In der 87. Minute durfte Noe Yago noch einmal aufs Tor schießen - der zweite und letzte Versuch des Heimteams. Der Ball flog zwar gefährlich, aber eben auch vorbei. Das Publikum quittierte es mit höflichem Applaus.

Statistisch gesehen war es eine Lehrstunde: 22 zu 2 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Millwall, 0:3 Tore. Wer noch Zweifel hatte, wer hier das bessere Team war, dem half auch kein Blick auf die Taktiktafeln - Millwall defensiv, aber clever; Nottingham offensiv, aber kopflos.

Trainer Sonny Crocket fasste es mit einem Augenzwinkern zusammen: "Wir hatten einen Plan - und zur Abwechslung hat ihn auch mal jemand befolgt."

Die Magpies dagegen wirken, als bräuchten sie weniger Taktik und mehr Therapie. Coach Reedtz versprach immerhin Besserung: "Wir werden daran arbeiten. Und vielleicht auch mal aufs Tor schießen."

Ein Abend, der in Nottingham wohl schnell vergessen werden soll, in Millwall aber in die Kategorie "Pflichtsieg mit Stil" fällt. Und während die Löwen nach London zurückrollten, blieb im Magpies-Stadion nur ein Gedanke hängen: Wenn man schon verliert, dann wenigstens mit Humor. Und vielleicht beim nächsten Mal mit einem Schuss aufs Tor mehr.

04.05.643994 05:14
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Ich halte nix von Sex vor dem Spiel, besonders weil ich mir das Zimmer mit Salou teile.
Jan-Aage Fjörtoft
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