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Millwall trotzt den Gunners - 2:1-Sieg im Londoner Nervenkrimi

Das Flutlicht über dem The Den glühte, als 55.528 Zuschauer am Freitagabend Zeuge eines Spiels wurden, das weniger nach Premier-League-Feinkost als nach ehrlichem englischem Arbeiterfußball schmeckte: FC Millwall besiegte die London Gunners mit 2:1 - und das trotz eines Ballbesitzes, der eher an ein Trainingsspiel erinnerte. 64 Prozent gehörten den Hausherren, die Gunners rannten und bissen, aber trafen zu selten das Richtige - das Tor.

Dabei fing alles für die Gäste gar nicht schlecht an. In der 38. Minute nutzte Kai MacAulay eine der seltenen Lücken in der Millwall-Abwehr. Nach feinem Zuspiel von Stefan Balakow schob der bullige Mittelstürmer trocken zum 0:1 ein. "Ich dachte, wir hätten sie da, wo wir sie wollten", knurrte Gunners-Coach Hubert Wetzel später, "aber dann passierte wieder dieser Mist, der uns seit Wochen verfolgt."

Denn kaum war der Torjubel verklungen, antwortete Millwall mit typisch britischer Direktheit. Eine Minute später flankte Riley Charpentier butterweich von der Mitte, Christopher Thackeray rauschte heran und versenkte den Ball per Vollspann - 1:1! Die Tribüne bebte, Trainer Sonny Crocket riss die Arme hoch. "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt: Wenn du heute nicht triffst, läufst du Montag doppelt", grinste Crocket nach der Partie.

Mit diesem Doppelschlag in der 38. und 39. Minute war die Partie endgültig entfacht. Beide Seiten schenkten sich nichts. Die Gunners suchten ihr Glück über die Flügel, Millwall blieb kompakt, lauerte und konterte. Zur Pause stand es leistungsgerecht 1:1, aber die Körpersprache der Hausherren verriet: Da geht noch was.

Und tatsächlich: In der 53. Minute nahm Daniel Darabont eine Hereingabe von Elliot Lockwood direkt - ein Schuss, der in jedem Lehrbuch stehen könnte. 2:1 für Millwall, Pienaar im Gunners-Tor ohne Chance. "Ich hab einfach die Augen zu und draufgehauen", gab Darabont später lachend zu. "Manchmal ist weniger Denken mehr."

Danach wurde es hitzig. Die Gunners drängten, feuerten aus allen Rohren - am Ende standen zehn Torschüsse zu Buche, zwei mehr als Millwall -, aber wirkliche Gefahr entstand selten. Kai MacAulay, schon mit Gelb vorbelastet, drosch in der 71. Minute einen Freistoß über die Tribüne und kassierte prompt den Spott der Heimfans. Und als Lionel Costa in der 84. Minute mit gestrecktem Bein in Thackeray rauschte, zückte der Schiedsrichter folgerichtig Rot. "Ich hab nur den Ball gesehen", verteidigte sich Costa nach Abpfiff, "leider stand da noch ein Gegner."

Millwall spielte die letzten Minuten mit stoischer Ruhe herunter, auch wenn Verteidiger Isaac Hartshorn in der Nachspielzeit noch Gelb sah, offenbar, um nicht ganz ohne Souvenir in die Kabine zu gehen.

Trainer Crocket gab sich nach dem Schlusspfiff milde philosophisch: "Wir haben weniger geschossen, aber klüger. Und ehrlich: Gegen Arsenal - pardon, die Gunners - reicht Klugheit oft völlig." Sein Pendant Wetzel dagegen stapfte missmutig durch den Presseraum. "Wir hatten mehr Chancen, mehr Tempo, aber null Glück. Wenn du 36 Prozent Ballbesitz hast und trotzdem führst, darfst du das Spiel nicht so herschenken."

Statistisch betrachtet war’s ein Lehrstück in Effizienz. Millwall traf zweimal aus acht Schüssen, hielt das Zentrum dicht und ließ sich auch vom späten Druck nicht beirren. Die Gunners, offensiv eingestellt von Beginn an, liefen vergeblich gegen eine Wand aus blauem Beton. Ihre "offensive" Taktik wirkte zum Schluss eher wie "Verzweiflung pur".

Auf den Rängen sangen die Millwall-Fans noch lange nach Abpfiff, während Wetzel in der Mixed Zone wortlos an den Reportern vorbeiging. Ein junger Balljunge rief ihm hinterher: "Next time, mister!" - Wetzel drehte sich kurz um, lächelte schief und murmelte: "Wenn’s bis dahin noch Bälle gibt, die reinwollen."

So endete ein Abend, an dem Millwall bewies, dass Fußball nicht immer schön sein muss, um glücklich zu machen. Manchmal reichen zwei präzise Treffer, ein bisschen Zähigkeit und das gewisse Quäntchen Trotz. Oder, wie Crocket es trocken formulierte: "Wir sind Millwall. Wir gewinnen hässlich - aber wir gewinnen."

14.08.643996 12:13
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Ich mache immer das, was mir gesagt wird. Das habe ich im Osten gelernt.
Jens Jeremies
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