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London, 21. Mai 2026 - Es gibt Abende, an denen der Fußball aussieht, als hätte er sich selbst ein Bein gestellt. Und dann gibt es Abende wie diesen, an denen der FC Millwall den Liverpool Reds in der 1. Liga England die Grenzen aufzeigt - mit einem 5:0‑Heimsieg, der so klar war, dass selbst die Stadiontaube nach dem vierten Tor nur noch mitleidig den Kopf schüttelte. Schon nach zwölf Minuten war klar, wo die Reise hingeht. Tyler Boyle, der rechte Flügelstürmer mit der Dynamik eines Londoner Doppeldeckers, machte den Anfang. Nach Vorlage von Rechtsverteidiger Bradley Crichton donnerte er den Ball ins Netz, als wolle er sich für die letzten drei torlosen Spiele entschuldigen. "Ich dachte, der Torwart blinzelt - und das war genug", grinste Boyle später. Liverpool versuchte derweil, die Kontrolle zu behalten - zumindest optisch. 47 Prozent Ballbesitz sahen auf dem Statistikzettel ordentlich aus, aber auf dem Rasen fühlte es sich an wie das berühmte "Wir passen, also sind wir". Millwall dagegen spielte zielstrebig, bissig, beinahe zynisch. In der 20. Minute erhöhte Christopher Thackeray nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Joel Satchmore auf 2:0. Ein Schuss, so präzise, dass man glaubte, er hätte vorher im Geometrieunterricht Maß genommen. Trainer Sonny Crocket stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und nickte nur kurz. "Das ist genau die Art von Chaos, die wir trainieren", sagte er nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Verwunderung lag. Liverpool‑Coach Kurt Kaiser hingegen wirkte, als hätte man ihm gerade erklärt, dass seine Mannschaft heute lieber Cricket spielen wollte. "Wir hatten einen Plan A - und dann hat Millwall beschlossen, dass Pläne überbewertet sind", seufzte er in der Pressekonferenz. Das 3:0 fiel in der 36. Minute: Daniel Darabont, der linke Stürmer, zog nach feinem Zuspiel von George Clancy in die Mitte und versenkte eiskalt. Keine zwei Minuten später folgte der nächste Nadelstich - wieder Thackeray, diesmal nach Pass von Alexander Mayhew. 4:0 zur Halbzeit, und 56 920 Zuschauer rieben sich die Augen. In der Kabine der Reds muss es still gewesen sein. Zu still. Denn wer mit einem 0:4 in die Pause geht, hat meist nur noch die Wahl zwischen Schadensbegrenzung und Gebet. Kaiser wechselte dreimal - ein neuer Torwart, ein neuer Mittelfeldspieler, ein neuer Hoffnungsschimmer. Genützt hat es nichts. Millwall blieb gnadenlos. Zwar schaltete das Team etwas zurück, doch die Chancen flogen weiterhin im Minutentakt - 23 Torschüsse insgesamt, während Liverpool ganze zwei Mal auf das Tor zielte. Torhüter Ethan Caviness im Millwall‑Kasten hätte sich in der zweiten Halbzeit fast einen Klappstuhl bestellt. In der 88. Minute schließlich setzte Boyle den Schlusspunkt. Nach Vorlage des eingewechselten Ellis Roades schob er zum 5:0 ein - ein Treffer, der so ruhig und überlegt war, dass selbst der Linienrichter kurz applaudierte. "Ich wollte eigentlich abspielen", gab Boyle später zu, "aber dann dachte ich: Ach, warum nicht noch ein bisschen Spaß haben?" Einziger Wermutstropfen: Die Gelbe Karte für Samuel Bloomfield in der 83. Minute. Crocket nahm’s sportlich. "Er wollte halt zeigen, dass er auch mal im Mittelpunkt stehen kann", witzelte der Coach. Am Ende feierten die Millwall‑Fans ihr Team mit Sprechchören, während die Liverpool‑Spieler schweigend in Richtung Kabine trotteten. Die Statistik erzählte den Rest der Geschichte: 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Millwall, fünf Tore, null Gegentreffer - und ein Stadion, das bebte. "Das war wie eine Lehrstunde in Mut und Timing", sagte Millwalls Kapitän Thackeray. "Wir wussten, dass wir sie heute packen können. Aber dass es so deutlich wird, hätte keiner gedacht." Ob Liverpool aus dieser Blamage lernt? Kaiser lächelte gequält: "Wir lernen immer. Leider meistens auf die harte Tour." So oder so - dieser Abend gehört Millwall. Fünf Tore, fünf verschiedene Arten von Genugtuung, und ein Trainer, der nun wohl auf der Insel als der Mann gilt, der Liverpool das Lächeln austrieb. Vielleicht fasst es ein älterer Fan auf der Tribüne am besten zusammen: "Ich bin seit 40 Jahren hier - und so was habe ich noch nie gesehen. Heute war Millwall nicht einfach besser. Heute war Millwall der liebe Gott mit Stollen." Und man muss sagen: Wer so spielt, darf ruhig mal das Himmelstor anvisieren. 11.05.644000 06:18 |
Sprücheklopfer
Ich glaube nicht, daß wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre.
Uli Hoeneß