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Ein Tor, achtzehn Schüsse, zwanzigtausend Zuschauer und eine einzige Frage: Wie konnte FK Mutenice dieses Spiel verlieren? Die Antwort ist so simpel wie bitter: Der FC Bystrc-Kninicky hatte Gianmarco Morabito, und Mutenice hatte - nun ja - vor allem seinen Torwart Jan Necas. Es war der 2. Spieltag der 1. Liga Tschechien, Flutlichtspiel, 20:30 Uhr, angenehme Frühlingsluft. Beide Teams begannen mit ausgewogener Grundordnung, "balanced", wie es im modernen Trainer-Deutsch heißt. Doch schon nach elf Minuten war klar, wer hier die Musik spielt: Bystrc-Kninicky. Vincent Velez prüfte Necas erstmals mit einem Flachschuss aus 18 Metern. Der Keeper tauchte blitzschnell ab, und man hörte förmlich, wie das Stadion erleichtert ausatmete. "Da dachte ich kurz, wir wären in einem Handballspiel", grinste Mutenice-Verteidiger Radovan Lukes später. "Die haben geschossen wie aus der Kanone, wir standen nur noch im Kreis." Bis zur Pause feuerte Bystrc-Kninicky nicht weniger als achtmal auf den Kasten - Mutenice brachte es in der gesamten Partie auf genau einen Schuss aufs Tor. Einer. In der 90. Minute. Von Rechtsverteidiger Richard Kovar, der sich nach vorne wagte, "weil ja sonst keiner wollte", wie er scherzhaft zugab. Doch das Spiel war nicht langweilig, im Gegenteil. Es hatte diesen besonderen Reiz eines ungleichen Duells: Angriffswelle auf Verteidigungsmauer. Pasanen, Maiera, Morabito - sie rotierten, kombinierten, scheiterten. Und Necas wuchs über sich hinaus. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", sagte er nach der Partie. "Vielleicht sollte ich mir den Ball für’s Training ausleihen - der kennt mich jetzt besser als meine Frau." Das Tor des Abends fiel dann in der 67. Minute, und es war einer dieser Momente, die man in Bystrc noch eine Weile erzählen wird. Roman Coupek, gerade noch wegen seines forschen Einsteigens in den Notizblock des Schiedsrichters geraten, zog auf links davon, flankte butterweich in die Mitte, wo Gianmarco Morabito lauerte. Eine Drehung, ein Schuss, ein Netz, das bebte - 0:1. Der Rest war Jubel, Ärger und ein Hauch von Resignation auf Seiten der Gastgeber. Trainer von Bystrc, ein emotionsloser Stratege mit der Ruhe eines Schachspielers, kommentierte trocken: "Wir wollten sicher spielen, aber irgendwann wollte Morabito nicht mehr sicher." Er grinste, als er das sagte - man merkte, dass er wusste, wie verdient dieser Sieg war. Kurz darauf die Schrecksekunde: Rechtsverteidiger Rafael Götz blieb nach einem Zweikampf liegen, musste in der 74. Minute verletzt raus. Benjamin Marley kam und brachte frischen Wind - beziehungsweise: er brachte Wind, der aber hauptsächlich am Ball vorbeizog. Trotzdem hielt Bystrc das Spiel souverän unter Kontrolle, auch wenn Coupek sich in der 83. Minute noch mit Gelb selbst ein kleines Souvenir abholte. Mutenice versuchte in der Schlussphase alles, was die Statistik hergab - was in diesem Fall nicht viel war. Der Ballbesitz lag bei 46,7 Prozent, die Zweikampfquote bei mageren 40,9. Das Publikum tat, was es konnte: schimpfen, pfeifen, hoffen. Als Kovar in der Nachspielzeit aus 25 Metern abzog, hielt das Stadion kollektiv den Atem an. Der Ball flog - und landete in den sicheren Händen von Lewis Giles, dem Bystrc-Keeper, der bis dahin wahrscheinlich schon überlegte, ob er sich einen Klappstuhl hinstellen sollte. Nach dem Abpfiff stapften die Mutenicer Spieler enttäuscht vom Feld. Trainer (dessen Name man sich merken sollte, wenn man Geduld mitbringt) fasste zusammen: "Wir haben defensiv gut gestanden, offensiv aber anscheinend unsichtbar gespielt." Sein Gegenüber hatte weniger zu klagen: "18 Schüsse, ein Tor - das ist Effizienz auf tschechisch", lachte er. So endet ein Spiel, das in den Statistiken eindeutig, im Ergebnis knapp und im Unterhaltungswert erstaunlich hoch war. Bystrc-Kninicky nimmt drei Punkte mit, Mutenice die Erkenntnis, dass man Fußballspiele nicht gewinnt, wenn man den Strafraum meidet wie einen Zahnarztbesuch. Und irgendwo in Mutenice wird Jan Necas heute Nacht ruhig schlafen - er hat alles gehalten, was zu halten war. Nur eben nicht alles, was kam. 13.04.643997 13:01 |
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