Sporski Journal
+++ Sportzeitung für Serbien +++

Mlados Lucani schießt Lazarevac schon zur Pause aus dem Stadion

Das Flutlicht in Lucani brannte noch gar nicht richtig, da brannte schon die Luft: Nach nicht einmal zwei Minuten stand es 1:0 für Mlados Lucani - und das Stadion tobte. Heinrich Reichert, der junge Rechtsaußen mit dem Selbstvertrauen eines Straßenkickers und der Haarfrisur eines Rockstars, drosch den Ball nach einem Einwurf von Marco Custodio wuchtig ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Reichert später, "aber dann dachte ich: Ach, probier’s halt." Der Rest war Geschichte - und der Anfang eines einseitigen Fußballabends.

Trainer Julian Sailer hatte seine Elf perfekt eingestellt. 24 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die nach Dominanz riechen. Und das taten sie auch auf dem Platz. FK Lazarevac, eigentlich bekannt für mutiges Offensivspiel, wirkte phasenweise wie ein Schülerteam, das gegen den großen Bruder antreten muss. "Wir wollten offensiv anfangen", erklärte Gästecoach Klaus Bock mit einem tiefen Seufzer. "Aber dann kam dieser Blitzstart - und unsere Idee war dahin."

Lucani ließ nicht locker. Nach einer halben Stunde hätte es schon 3:0 stehen können, hätte Milan Svitlica seine Chancen genutzt. Der linke Flügelstürmer prüfte Keeper Salvador Gama gleich mehrfach - der 34-jährige Routinier im Lazarevac-Tor hielt, was zu halten war, und das war einiges. Aber dann kam Minute 41: Ein Eckball von Gökhan Aybaba segelte in den Strafraum, Custodio stieg höher als alle anderen und köpfte den Ball wuchtig ins Netz. 2:0. "Ich bin ja eigentlich Innenverteidiger", sagte Custodio lachend, "aber manchmal muss man eben auch vorne aufräumen."

Zwei Minuten später folgte das 3:0 - diesmal durch Igor Jestrovic, der nach einer butterweichen Flanke von Owen Darabont volley abschloss. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, und das Publikum - 36.000 euphorisierte Fans - sang sich schon in die Sommerpause. "Ich hab in der Halbzeit fast Mitleid mit Lazarevac gehabt", murmelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Fast.

Die zweite Halbzeit begann dann mit einem kurzen Lebenszeichen der Gäste. Direkt nach Wiederanpfiff traf Dorde Trkulja nach Vorlage von Jack Hensley zum 3:1. Es war der erste ernsthafte Abschluss der Lazarevac-Offensive - und zugleich der letzte, der wirklich gefährlich wurde. Zwar verzeichneten sie noch drei weitere Schüsse aufs Tor, doch Torhüter Ranisav Vasiljevic verbrachte einen vergleichsweise ruhigen Abend.

Lucani hatte das Spiel längst in der Tasche, schaltete einen Gang zurück, und so verflachte das Geschehen zusehends. Statt Offensivfeuerwerk gab’s nun Gelbe Karten: Owen Darabont sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, und auf der Gegenseite kassierten Miroslav Komljenovic (89.) und Hensley (92.) ebenfalls Verwarnungen. Als der Schlusspfiff ertönte, wirkten die Gäste erleichtert, dass es "nur" 3:1 hieß.

Coach Sailer zeigte sich rundum zufrieden: "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur schön, sondern auch effektiv spielen können. Drei Tore, drei verschiedene Torschützen - das gefällt jedem Trainer." Dann grinste er und fügte an: "Und dass mein Innenverteidiger trifft, das nehm’ ich als Bonus."

Klaus Bock dagegen fand klare Worte: "Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen. Wenn du nach 45 Minuten 0:3 hinten liegst, kannst du in Lucani auch gleich den Bus warm laufen lassen."

Statistisch gesehen hätte es sogar noch deutlicher ausfallen können. Mlados Lucani schoss im Minutentakt - allein Reichert brachte es auf mindestens sechs Abschlüsse. Lazarevac dagegen kam insgesamt nur auf vier Torschüsse, meist aus der Distanz und ohne große Gefahr. Der Ballbesitz lag mit 55 zu 45 Prozent ebenfalls klar auf Seiten der Hausherren, die gefühlt in jeder Zone des Spielfelds präsenter waren.

Ein kleiner Höhepunkt am Rande: Nach dem Spiel umarmte Heinrich Reichert seinen Coach und flüsterte angeblich: "Chef, nächstes Mal darf ich wieder flanken, versprochen." Sailer lachte nur - und nickte.

So bleibt Mlados Lucani auch nach dem 12. Spieltag der serbischen Liga in der Erfolgsspur, während FK Lazarevac weiter im Tabellenmittelfeld herumdümpelt. Für die Zuschauer war’s ein Fest, für die Gäste ein Lehrstück in Sachen Effizienz.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen zusammenfasste: "Lucani hat heute Fußball gespielt - Lazarevac hat zugeschaut." Und manchmal ist das eben der Unterschied zwischen drei Punkten und einem langen Heimweg.

23.02.644003 14:45
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