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Ein lauer Juniabend, 16.000 Zuschauer in Molde, und die Conference League beginnt gleich mit einem kleinen Fußballdrama: Molde BK und FK Smederevo trennen sich 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Teams schmeckt wie lauwarmer Kaffee. Die Norweger führten zur Pause 2:1, hatten das Spiel scheinbar im Griff - und standen am Ende doch mit hängenden Köpfen da. "Wir haben das Momentum einfach verloren", knurrte Moldes Trainer Markus Frey nach dem Abpfiff und sah dabei aus, als hätte ihm jemand den Autoschlüssel in den Fjord geworfen. Dabei hatte seine Elf stark begonnen. Molde spielte von Beginn an offensiv, suchte über die Flügel den Weg nach vorn und kam früh zu Chancen. Besonders Tiago Vazques prüfte Smederevos Keeper Danko Veskovac mehrfach, aber der Serbe hielt, was zu halten war. In der 27. Minute war es dann soweit: Erland Berg, der bullige Mittelstürmer mit dem Charme eines Holzfällers, brachte Molde nach feiner Vorarbeit von Jan Gulbrandsen in Führung. Das Stadion jubelte, die Fans sangen, und Frey ballte die Faust. Zwei Minuten später allerdings versetzte Zoran Filipovic die Menge wieder in Schweigen - der flinke Rechtsaußen verwertete einen Pass von Bruno Fernandes eiskalt zum 1:1. "Ich hatte das Gefühl, der Ball gehört mir", grinste Filipovic später in die Kameras. "Und ich wollte ihn einfach ins Netz streicheln." Doch Molde schlug zurück - und wie! In der 37. Minute zog Vladan Manojlovic links an, flankte punktgenau, und Jorgen Mykland nickte lässig zum 2:1 ein. Ein norwegisches Kopfballtor, wie aus dem Lehrbuch. Selbst Smederevo-Coach Osteroder FC (ja, der Name sorgt regelmäßig für Verwirrung) musste schmunzeln: "Da konntest du nichts machen außer höflich applaudieren." Zur Pause sah alles nach einem Heimsieg aus. Molde hatte leicht mehr Ballbesitz (50,7 Prozent) und wirkte reifer im Passspiel, während Smederevo zwar bissig, aber ineffizient schien. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn Zahlen das Spiel entscheiden würden. Nach dem Seitenwechsel übernahmen die Gäste das Kommando - taktisch von BALANCED auf OFFENSIVE umgestellt, mit mehr Mut, mehr Risiko, mehr Fernschüssen. Bojan Ergic kassierte in der 34. Minute Gelb, Jorge Cortes sah später ebenfalls die Karte - sinnbildlich für Smederevos robuste Gangart. Trotzdem zeigten sie Moral. Und als Molde anfing, das 2:1 zu verwalten, statt zu gestalten, schlug die Stunde des Ermin Dragutinovic. In der 69. Minute fasste sich der serbische Mittelfeldmann ein Herz, zog aus 20 Metern ab, und der Ball zappelte im Netz. Passgeber war ausgerechnet der zuvor gelbverwarnte Cortes - ein Musterbeispiel für "erst treten, dann treffen". 2:2, und plötzlich war das Spiel auf den Kopf gestellt. "Ich sag’s ehrlich: Ich dachte, der Ball geht auf den Parkplatz", lachte Dragutinovic nach dem Spiel. "Aber manchmal hat man eben Glück - oder ein bisschen göttliche Hilfe." Molde versuchte in der Schlussphase alles, doch die Präzision fehlte. Zehn Torschüsse insgesamt - viele davon eher freundliche Grüße an den gegnerischen Torwart. Smederevo dagegen feuerte aus allen Lagen (20 Schüsse), als wollten sie die Torpfosten verbiegen. Keeper Rune Iversen rettete Molde mehrfach, insbesondere in der 88. Minute, als Roberto Colosimi aus vollem Lauf abzog. "Ich hab einfach gehofft, dass ich was treffe - notfalls den Ball", meinte Iversen mit einem Grinsen. Als der Schlusspfiff ertönte, wirkten beide Teams gleichermaßen erschöpft wie unzufrieden. Molde, weil man zwei Punkte verschenkt hatte. Smederevo, weil man trotz drückender Überlegenheit in der zweiten Hälfte keinen Sieg erzwingen konnte. Trainer Frey resümierte trocken: "Wir wollten offensiv bleiben, aber irgendwann haben wir uns selbst verteidigt." Sein Gegenüber Osteroder FC konterte mit einem Augenzwinkern: "Wenn du auswärts zweimal triffst und trotzdem nicht gewinnst, weißt du, dass deine Abwehr noch Urlaub macht." So bleibt das 2:2 ein gerechtes, aber keineswegs langweiliges Ergebnis. Ein Spiel, das zeigte, wie dünn der Faden zwischen Kontrolle und Chaos im europäischen Mittelklasse-Fußball ist. Zum Schluss noch eine kleine Szene aus dem Kabinengang: Ein norwegischer Balljunge fragte Zoran Filipovic, ob er ihm sein Trikot geben könne. Der grinste und sagte: "Klar - aber nur, wenn du mir erklärst, was ’uavgjort’ heißt." Der Junge antwortete: "Unentschieden." Filipovic nickte. "Passt. Genau so fühl ich mich." Und damit war alles gesagt. 27.12.644002 14:45 |
Sprücheklopfer
Wenn es einmal hart auf hart kommt, kommt es meistens ganz hart.
Jens Jeremies