Noticiero VeneVision
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Monagas SC trotzt Petare - ein Punkt zwischen Genie und Wahnsinn

Es war ein lauer Aprilabend in Maturín, aber auf dem Rasen des Estadio Monumental brannte die Luft. 53.789 Zuschauer sahen Monagas SC gegen Sporting Petare - und bekamen ein 1:1, das ebenso gerecht wie kurios war. "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll", meinte Monagas-Trainer Hans Wurst nach dem Schlusspfiff, "aber immerhin haben wir überlebt."

Schon die ersten Minuten gaben den Ton an: Petare kam mit offenem Visier, Monagas mit angezogener Handbremse. Der junge Savo Trkulja, 21 Jahre alt, zentraler Mittelfeldspieler mit der Körpersprache eines Dirigenten, prüfte Keeper Mascarenhas gleich dreimal in den ersten 20 Minuten. In der 18. Minute war es dann soweit: Trkulja vollendete einen schnellen Doppelpass mit Xabi Velazquez, der mit einem butterweichen Außenristpass die Abwehr in Scheiben schnitt. 0:1 - völlig verdient und mit Ansage.

"Wir haben sie am Anfang schwindlig gespielt", grinste Petare-Coach Marcel Skupzig später süffisant. Und das war keine Übertreibung: 14 Torschüsse insgesamt, 54 Prozent Ballbesitz, viel Bewegung, aber auch viel Leerlauf.

Doch Monagas wäre nicht Monagas, wenn sie nicht auf unerklärliche Weise wieder auferstehen würden. Nur vier Minuten nach dem Rückstand, in der 22. Minute, schlug der 18-jährige Timo Werner zu - ja, ein Namensvetter des deutschen Stürmers, aber mit mehr venezolanischem Feuer. Nach einer Flanke von Jose Zorrilla köpfte Werner den Ball mit jugendlicher Unbekümmertheit ins Netz. 1:1 - und plötzlich bebte das Stadion.

"Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", lachte Werner später. Neben ihm stand Zorrilla, der Passgeber, und ergänzte trocken: "Ich hab die Augen auch zugemacht."

Danach entwickelte sich ein Spiel, das man wohlwollend als "intensiv" bezeichnen könnte. Petare drückte, Monagas konterte, und irgendwo dazwischen ging die Ordnung verloren. David Jablonsky, der Innenverteidiger der Gastgeber, interpretierte seine Rolle zunehmend als Abräumer mit Wrestling-Ambitionen. Erst derbe Grätschen, dann eine Gelbe, und in der 78. Minute - nach einem Tritt, der wohl in jeder Kampfsporthalle Applaus geerntet hätte - die Rote Karte. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte Jablonsky später mit stoischer Miene, "aber der Ball war halt schnell."

Trainer Hans Wurst reagierte pragmatisch: "Wir mussten dann hinten improvisieren. Ich hab kurz überlegt, selbst einzuwechseln, aber meine Knie wollten nicht."

Sporting Petare witterte Blut - und stürmte. Pekka Aaltonen, der bullige Finne im Sturmzentrum, prüfte Ersatzkeeper Humberto Bertran gleich mehrfach. Der war in der 50. Minute für Mascarenhas gekommen, weil dieser sich offenbar beim Abstoß vertreten hatte - oder, wie ein Fan spöttelte, "beim Zuschauen Muskelkater bekam".

Bertran hielt, was zu halten war, und das war nicht wenig. Selbst als Asen Stoitschkow (nein, nicht der) in der Nachspielzeit eine Flanke volley nahm, flog Bertran mit ausgestrecktem Arm in die Ecke und rettete den Punkt.

Am Ende stand ein 1:1, das niemanden wirklich glücklich machte, aber allen Gesprächsstoff bot. Petare-Coach Skupzig schimpfte über die Chancenverwertung: "Wir hätten drei Spiele gewinnen müssen, so oft wie wir aufs Tor geschossen haben." Hans Wurst dagegen sah es philosophisch: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und wenn man 15 Minuten zu zehnt ist, fühlt sich das fast wie ein Sieg an."

Statistisch gesehen war Petare das klar bessere Team: mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Struktur. Monagas dagegen hatte den jugendlichen Mut und einen Timo Werner, der sich vor keinem Duell drückte. In der zweiten Halbzeit verteidigten die Gastgeber tief, fast schon archäologisch, und hofften auf den einen Konter, der nie kam.

"Wir müssen lernen, das Spiel zu lesen", sagte Wurst zum Abschluss, "heute haben wir es eher vorgelesen bekommen."

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit Applaus - auch für den Platzverweis, der in seiner Theatralik fast Oscar-würdig war. Monagas SC bleibt damit im Mittelfeld der Tabelle, während Petare mit hängenden Köpfen und 14 vergebenen Chancen die Heimreise antrat.

Und so blieb nach 90 Minuten das Gefühl, dass Fußball manchmal eben kein Spiel der Logik ist, sondern der Laune. Oder, wie ein Zuschauer auf der Tribüne rief: "Wenn das hier Kunst ist, will ich bitte Eintritt fürs Museum zurück!"

30.05.643997 19:04
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