El Colombiano
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Nacional Medellin zerlegt Bucaramanga - ein Fünferpack mit Ansage

Es gibt Tage, da läuft einfach alles - und es gibt Abende wie diesen in Bucaramanga, an denen man sich fragt, ob der Rasen heimlich schief liegt. UD Bucaramanga verlor am 11. Spieltag der kolumbianischen Liga vor 19.857 Zuschauern mit 0:5 gegen einen entfesselten Gast aus Medellín. "Ich dachte zwischendurch, wir spielen auf zwei verschiedenen Planeten", murmelte Heimkeeper Dimas Pauleta nach dem Schlusspfiff - und sein Gesichtsausdruck sprach Bände.

Dabei begann alles gar nicht so schlimm. Die Gastgeber hielten in der Anfangsphase ordentlich dagegen, hatten sogar ein paar zaghafte Versuche über Miguel Valente und Matias Veloso. Doch während Bucaramanga sein Glück in vorsichtigen Flanken suchte, rollte die grün-weiße Maschine aus Medellín mit chirurgischer Präzision über den Platz. Trainer Özkan Kaplan hatte seine Elf auf Angriff getrimmt - offensive Ausrichtung, kurzes Passspiel, hoher Rhythmus. Und das funktionierte.

In der 29. Minute war es dann soweit: Luís Varela setzte sich mit jugendlicher Unbekümmertheit auf dem rechten Flügel durch, legte quer, und Yannik Boniek vollendete trocken ins lange Eck. 1:0 - das war der Anfang vom Ende. "Yannik hat eine Ruhe am Ball, die mich manchmal nervös macht", grinste Kaplan später. "Aber er trifft halt."

Bis zur Pause blieb Bucaramanga noch halbwegs im Spiel, doch die zweite Hälfte wurde zur Demonstration in Sachen Effizienz. Boniek legte in der 65. Minute nach, wieder nach Vorarbeit von Varela - ein Tor wie ein Déjà-vu. Eine Minute später durfte auch Abdullah Simsek jubeln, der nach starkem Zuspiel von Radostin Asparuchow aus 18 Metern einschweißte. Der Stadionsprecher hatte kaum Zeit, das 2:0 zu verkünden, da stand es 3:0.

Und weil es manchmal einfach läuft, legte Varela selbst noch doppelt nach - erst in der 70., dann in der 88. Minute. Beim letzten Treffer stand Pau Futre am Flügel so frei, dass er kurz überlegte, ob er noch jemanden anrufen sollte, bevor er flankte. Varela bedankte sich mit seinem zweiten Treffer des Abends. "Ich habe einfach den Ball gesehen und gedacht: Okay, warum nicht noch einmal?", lachte der 21-Jährige später, als wäre ein Doppelpack in der Fremde etwas völlig Alltägliches.

Bucaramanga dagegen wirkte zunehmend ratlos. 47,6 Prozent Ballbesitz klingen auf dem Papier solide, aber was nützt es, wenn man den Ball nur zwischen den Innenverteidigern hin- und herschiebt? Elf Torschüsse der Gastgeber standen 21 von Nacional Medellín gegenüber. Und die Zweikampfquote von 45,9 Prozent bestätigte, was jeder im Stadion sehen konnte: Die Hausherren waren stets einen Schritt zu spät.

Als Julio Dominguez kurz vor Schluss noch Gelb sah, war das sinnbildlich für den Abend - Frust statt Feuer. Trainer von Bucaramanga (der Name wurde von der Anzeigetafel verschluckt, was fast schon symbolisch wirkte) stand nach Spielende minutenlang an der Seitenlinie, die Arme verschränkt. "Wir haben in der zweiten Halbzeit komplett die Ordnung verloren", sagte er später. "Und wenn du gegen Medellín die Ordnung verlierst, verlierst du eben alles."

Medellíns Coach Kaplan hingegen war in bester Laune. "Wir wollten zeigen, dass wir mehr können als 1:0-Arbeitsiege. Heute haben die Jungs Spaß gehabt - und wenn Fußball Spaß macht, sieht man das." Der Spaß war unübersehbar. Boniek, Simsek und Varela tanzten nach dem Schlusspfiff Arm in Arm vor der Gästekurve, während der Rest des Teams mit den Fans feierte.

In der Mixed Zone fragte ein Reporter Boniek, ob er das Spiel mit seinem Doppelpack als persönlichen Triumph sehe. Der Stürmer grinste: "Ich? Ich habe nur angefangen. Luis hat’s beendet. Und Miguel Valente hat uns immerhin warmgeschossen."

Einige Zuschauer blieben trotzdem bis zum Abpfiff - wohl aus einer Mischung aus Treue und Schockstarre. Ein älterer Fan auf der Tribüne fasste es trocken zusammen: "Fünf Tore? Wenigstens wissen wir jetzt, wo das Tor steht - leider auf der falschen Seite."

Am Ende ist das 0:5 nicht nur eine Zahl, sondern eine Mahnung. Bucaramanga braucht dringend eine Idee, wie man gegen Teams wie Nacional Medellín bestehen kann. Die Gäste dagegen gehen mit breiter Brust in die nächste Runde - und wer sie so spielen sieht, der fragt sich unwillkürlich, wer sie in dieser Form überhaupt stoppen soll.

Kurz gesagt: ein Fußballabend, an dem selbst die Anzeigetafel Mitleid hatte.

04.10.643999 06:27
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In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
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