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Ein lauer Abend in Montevideo, Flutlicht, fast 50.000 Zuschauer - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst. Nacional besiegte CD Cerrense am 11. Spieltag der uruguayischen Liga mit 4:2 (1:0) und zeigte dabei eine Mischung aus Spielfreude, Chaos und brasilianischer Leichtigkeit, die selbst Trainer Karl Rausch kurz sprachlos machte - und das will etwas heißen. "Ich hatte eigentlich einen ruhigen Abend erwartet", sagte Rausch nach Abpfiff mit einem Grinsen, "aber meine Jungs haben beschlossen, das Ganze in ein Feuerwerk zu verwandeln." Ein Feuerwerk, das vor allem einen Namen trug: Caio Flores. Der 32-jährige Mittelfeldregisseur erzielte drei Tore (33., 62., 86.) und bereitete eines vor - ein Spiel für die Geschichtsbücher und für die Vertragsverhandlungen seines Beraters. Dabei begann alles recht gemächlich. Nacional ließ den Ball laufen, Cerrense hielt mit robuster Spielweise dagegen - manchmal so robust, dass der Schiedsrichter sein Notizbuch öfter zückte als der Platzwart den Rasenmäher. Hans Jakobsen und Gerd Vilhelmsen sahen Gelb; man kann sagen, sie verdienten sich ihre Karten mit Leidenschaft. Das 1:0 fiel nach einer halben Stunde, als Karim Bellarabi den Ball klug in den Rückraum legte und Flores trocken abschloss. "Ich dachte, er schießt drüber", murmelte ein erleichterter Fan auf der Haupttribüne, "aber der Mann hat’s im Fuß." Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, überraschte Cerrense alle - sogar sich selbst. Der flinke Kay Schäfer traf in der 46. Minute nach Vorarbeit von Youngster Carles Meira. Trainer Leahcim Gnipeur ballte die Faust, als hätte er gerade den Lottojackpot gezogen. "Wir waren dran", sagte er später, "fünf Minuten lang sahen wir aus wie Barcelona - das alte, nicht das neue." Doch Nacional hatte andere Pläne. In der 62. Minute zirkelte Flores einen Abpraller ins Eck, nur drei Minuten später legte er Carles Lope mustergültig zum 3:1 auf. Es war die Phase, in der Nacional dominierte: 17 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die so ordentlich aussehen wie das Zeugnis eines Strebers. Cerrense bäumte sich kurz auf, und wieder war es Carles Meira, der mit Übersicht glänzte. Sein Pass fand den erfahrenen Gerd Vilhelmsen, der in der 70. Minute auf 3:2 verkürzte. "Ich hab einfach draufgehalten", gestand Vilhelmsen und lachte, "so wie früher auf dem Bolzplatz." Doch wer dachte, es würde noch einmal spannend, wurde eines Besseren belehrt. In der 86. Minute schlug Flores erneut zu - diesmal nach feiner Vorarbeit von Ivan Perisic, der über links alles niederdribbelte, was im Weg stand. Das 4:2 war die Entscheidung, der Rest war Schaulaufen. Trainer Rausch wechselte noch den jungen Stephan Lichtsteiner aus, der kurz zuvor Gelb gesehen hatte - "Sicher ist sicher", erklärte der Coach mit einem Augenzwinkern. "Ich wollte nicht riskieren, dass er die Dusche früher sieht als die anderen." Nach dem Spiel standen die Fans noch lange auf den Rängen, applaudierten, sangen, winkten Fahnen. Flores wurde gefeiert, als hätte er das WM-Finale entschieden. "Ich spiele einfach, was ich sehe", sagte er bescheiden, während ihm ein Balljunge das Mikrofon unter die Nase hielt. "Heute habe ich offenbar ziemlich viel gesehen." CD Cerrense hingegen suchte Trost im gemeinsamen Schulterklopfen. Trainer Gnipeur wirkte gefasst: "Wir haben alles gegeben, aber gegen einen Mann wie Flores kannst du nicht viel machen. Vielleicht hätte ich ihn beim Aufwärmen einfach umarmen sollen - dann wäre er eingeschlafen." So bleibt ein Abend, der in Erinnerung bleibt - nicht nur wegen der vier Tore von Nacional, sondern wegen der Art, wie sie fielen: elegant, präzise, mit einem Hauch Übermut. Und während die Lichter im Stadion langsam erloschen, hörte man einen Fan sagen: "Wenn Fußball Kunst ist, dann war das heute eine Ausstellung." Man kann ihm schwer widersprechen. 07.03.643994 09:10 |
Sprücheklopfer
Auch ein Franz Beckenbauer kann einmal den Spielern in den sogenannten Hintern treten.
Lothar Matthäus