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Nacional verspielt frühen Traumstart - Franja Danubio dreht das Spiel in Montevideo

Es war ein Abend, der mit einem Feuerwerk begann und in einem kollektiven "Wie konnte das passieren?" endete. Vor 55.414 Zuschauern im Estadio Gran Parque Central verlor Nacional am 27. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 2:3 gegen Franja Danubio - obwohl die Gastgeber nach nicht einmal zehn Minuten schon mit 2:0 geführt hatten.

"Ich dachte, wir hätten sie in der Tasche", murmelte Nacional-Trainer Karl Rausch nach dem Abpfiff und starrte dabei ins Nichts. Verständlich: Denn was seine Mannschaft in der ersten Viertelstunde an Schwung zeigte, erinnerte an die besten Tage des Traditionsklubs - und was danach kam, an eine schlecht geprobte Theaterprobe, bei der keiner mehr wusste, wann der Vorhang fällt.

Schon in der 7. Minute startete Ashton Lineback über rechts, flankte scharf in den Strafraum und fand den einlaufenden Dror Shum, der trocken zur Führung einschoss. Zwei Minuten später war es wieder Shum, diesmal bedient von Antonio Perez, der eiskalt zum 2:0 erhöhte. Der Jubel brandete, Bierbecher flogen, und im Fanblock klang es, als sei der Titel schon fast eingetütet.

Doch Franja Danubio blieb ruhig. "Wir wussten, dass sie nach dem zweiten Tor zu früh feiern würden", grinste später ihr Trainer Diego Cristilli. Und so kam es: In der 37. Minute war es der erfahrene Mittelfeldstratege Freddie Johnstone, der nach einer abgefälschten Hereingabe von Joel Sinclair zum 2:1 verkürzte. Ein Tor, das plötzlich alles veränderte.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Schock für Nacional: Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff köpfte Innenverteidiger Felix Rieger nach einer Ecke von Sinclair zum 2:2 ein. Das Stadion wurde still, und selbst die Chivitos an den Imbissständen schienen vor Überraschung zu stocken.

Ab da übernahm Franja Danubio das Kommando. Während Nacional weiter offensiv ausgerichtet blieb, wirkte die Defensive zunehmend wie ein Kartenhaus im Sturm. In der 60. Minute schließlich der Knockout: Christopher Ruthven setzte sich über rechts durch, flankte präzise, und Außenverteidiger Gudbrand Mogensen drückte den Ball am zweiten Pfosten über die Linie - 2:3.

"Ich dachte, Mogensen wäre Rechtsverteidiger, kein Mittelstürmer", scherzte Cristilli später, "aber gut, vielleicht sollten wir seine Position überdenken."

Nacional versuchte zu reagieren. Trainer Rausch brachte zur zweiten Hälfte David Ben-Shushan für den gelbverwarnten Marcio Nene, später auch den 19-jährigen Karim Bellarabi, der immerhin frischen Wind brachte. Doch trotz 55,5 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen gegenüber 9 der Gäste blieb der Ausgleich aus. Zu oft fehlte Präzision, zu selten Ruhe.

In der 75. Minute sah Ricardo Derlei noch Gelb, kurz darauf musste er vom Platz - allerdings regulär, ersetzt durch den jungen Vitorino Ze Castro. "Wir haben alles versucht", seufzte Rausch. "Aber manchmal spielt Fußball einfach mit einem eigenen Drehbuch."

Die Schlussminuten gehörten Franja Danubio, die clever verteidigten und bei Kontern gefährlich blieben. In der 89. Minute gab es einen Schreckmoment, als Leandro Moreno nach einem Zweikampf verletzt liegen blieb. Doch selbst das brachte die Gäste nicht aus dem Konzept.

Der Schlusspfiff besiegelte eine bittere Heimniederlage für Nacional, die mit jedem verlorenen Punkt tiefer in die Sinnkrise zu rutschen scheinen. Auf der Tribüne hörte man einen älteren Fan murmeln: "Früher hätten wir das 4:0 gemacht - heute machen wir Yoga nach dem 2:0."

Franja Danubio dagegen feierte ausgelassen. "Wir sind keine Stars, aber wir arbeiten wie eine Familie", sagte Torschütze Johnstone, während er sich mit Eisbeuteln eindeckte. "Und heute war’s eben Familienfest."

Statistisch gesehen war Nacional das aktivere Team - mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Ecken. Doch Danubio spielte das, was Trainer gern "effizient" nennen, Fans aber schlicht "frech" sagen würden. Drei Chancen, drei Tore - und ein taktisch reifes Spiel, das selbst alte Hasen überraschte.

Am Ende bleibt ein Spiel, das zeigt, warum Fußball so geliebt und gefürchtet wird: weil 2:0 eben nicht sicher ist, weil ein Innenverteidiger zum Helden werden kann und weil 55.000 Menschen in 90 Minuten alle Emotionen zwischen Euphorie und Ernüchterung durchleben dürfen.

Oder, um es mit den Worten von Nacional-Stürmer Dror Shum zu sagen: "Wir haben das Tor getroffen, aber nicht den Kopf behalten."

Vielleicht das ehrlichste Fazit eines Abends, an dem Franja Danubio mit kühlem Herzen gewann - und Nacional mit heißem Kopf verlor.

26.11.643996 10:28
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In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath
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