De Standaard
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Namur United verpasst den Sieg - Willebroek trotzt den Favoriten

Wenn in Namur Flutlicht brennt, dann wissen 4213 Zuschauer, dass Emotionen garantiert sind - und auch diesmal bekamen sie alles: frühe Tore, hitzige Zweikämpfe, jugendlichen Leichtsinn und am Ende ein 1:1, das beiden Teams irgendwie zu wenig war.

Namur United, unter der Regie des charmant gestikulierenden Jose Delgardo, startete offensiv wie angekündigt. Schon nach zwei Minuten prüfte Ricardo Obregón den Gästekeeper Helguera, der den Ball so spektakulär wegfaustete, als wolle er die Fledermäuse aus dem Stadion vertreiben. "Wenn wir so weitermachen, steht’s zur Halbzeit 3:0", rief Delgardo seinem Co-Trainer zu - prophetisch war das allerdings nicht.

Denn obwohl Namur mit 21 Torschüssen mehr als doppelt so oft abzog wie die Gäste (8), blieb es bei einer mageren Ausbeute. Der Ballbesitz war fast ausgeglichen (48 zu 52 Prozent), doch Willebroek zeigte sich erstaunlich abgeklärt - und effizient.

In der 17. Minute brach das Stadion in Jubel aus: Der erst 18-jährige Yildirim Tandogan, mit jugendlichem Übermut und einem linken Fuß wie aus belgischer Feinkostproduktion, verwandelte nach Vorlage von Innenverteidiger Morgan Forbes zur Führung. "Ich hab gar nicht nachgedacht, einfach geschossen", grinste Tandogan später. Seine Mitspieler nahmen ihn in die Zange, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden.

Doch die Euphorie währte kurz. Fünf Minuten später legte Willebroeks Rechtsverteidiger Glenn Thiry einen butterweichen Pass in den Lauf von Yanik Schulte - und der 20-Jährige ließ Namurs Keeper Luka Behrendt keine Chance. 1:1, und auf der Tribüne rieben sich einige Fans verwundert die Augen: War das wirklich der Außenseiter, der da so abgeklärt kombinierte?

Danach entwickelte sich ein Spiel, das man wohlwollend als "offen" bezeichnen konnte. Namur drückte, Willebroek konterte, und irgendwo dazwischen verlor der Schiedsrichter kurzzeitig die Übersicht. Nach 13 Minuten sah Willebroeks Evan Burton Gelb - eine Erinnerung daran, dass 33-jährige Mittelfeldstrategen irgendwann doch nicht mehr sprinten, sondern eher foulen. Später erwischte es auch Namurs Youngster Jefrem Chmyljow (77.) und den erfahrenen Maxime Staes (87.).

Chmyljow hatte zuvor noch für Aufsehen gesorgt: In der 74. Minute drosch er den Ball aus 20 Metern knapp über den Querbalken - so knapp, dass Delgardo nach eigener Aussage "schon den Jubel einstudiert" hatte. "Aber das war wohl eher ein Probelauf fürs nächste Mal", schmunzelte der Trainer nach dem Spiel.

Auffällig: Trotz des offensiven Systems von Namur United blieb das Pressing erstaunlich zahm. Kein einziges Mal wurde Willebroeks Spielaufbau ernsthaft gestört. Die Gäste zogen ihr balanciertes Konzept stoisch durch, ließen die Hausherren anrennen und suchten selbst nur punktuell den Abschluss.

Nach der Pause wiederholte sich das Muster: Eriksson, Van Herck und Debakker hatten Chancen, doch Helguera stand wie eine Wand. In der 69. Minute konnte man ihn sogar lächeln sehen, nachdem er erneut gegen Eriksson pariert hatte - ein seltenes Schauspiel bei einem Torwart, der sonst eher aussieht, als rechne er Zinsen im Kopf.

Delgardo reagierte, brachte in der 70. Minute den jungen Chmyljow für Eder, später sogar den 17-jährigen Keeper Nicolaas Van Vleck - wohl mehr als symbolisches Zeichen für die Zukunft. "Wenn wir schon nicht gewinnen, dann sollen wenigstens die Jungs lernen, wie sich Druck anfühlt", erklärte Delgardo mit einem halben Lächeln.

Willebroek-Coach - dessen Name leider nicht überliefert wurde, aber dessen ruhige Körpersprache viel über seine Philosophie sagte - war zufrieden: "Wir haben gegen ein starkes Team bestanden. Unsere jungen Spieler wachsen an solchen Abenden."

Als der Schlusspfiff ertönte, wussten beide Seiten, dass sie zwei Punkte verschenkt hatten. Namur, weil es trotz 21 Abschlüssen nur einmal traf. Willebroek, weil man nach dem Ausgleich etwas zu früh auf Verwaltung schaltete.

Im Stadion applaudierten die Zuschauer dennoch - nicht enthusiastisch, aber respektvoll. Ein älterer Herr auf der Gegengerade fasste es treffend zusammen: "Schöne Chancen, schönes Wetter, kein Sieg - das ist eben Fußball."

Vielleicht war es genau das: ein Spiel, das keine Sieger brauchte, um Geschichten zu schreiben. Geschichten von jungen Talenten, erfahrenen Routiniers und einem Trainer, der trotz allem noch lächeln konnte.

Und während die Flutlichter langsam erloschen, blieb über dem Stadion von Namur das leise Gefühl hängen, dass hier zwar zwei Punkte liegen geblieben waren - aber auch eine Portion Hoffnung auf die nächste Saison.

22.01.643997 20:26
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