Tuttosport
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Neapel tanzt - 4:2-Auftaktsieg gegen wackere Gäste aus Varese

Ein lauer Maiabend, 37.870 Zuschauer im Stadio San Paolo, und der AC Neapel beginnt die neue Saison der 1. Liga Italien so, wie man es sich in der Stadt am Vesuv erträumt: mit Feuer, Tempo und einem 4:2 gegen den AS Varese. Es war ein Spiel, das zeitweise eher an einen Sommerkarneval als an taktisches Schach erinnerte - nur dass Neapel die besseren Tänzer stellte.

Schon nach zwölf Minuten bebte das Stadion. Stephane Larocque, der flinke Franzose auf der rechten Seite, zog nach Pass von Regisseur Christophe Lehmann trocken ab - 1:0. "Ich hab gar nicht überlegt", grinste Larocque später. "Wenn ich anfange zu denken, geht’s meistens daneben." Das Publikum tobte, und kaum hatten sich die Gäste sortiert, schlug es wieder ein: In der 24. Minute war es Tamas Fekete, der eine weitere Vorlage von Lehmann zum 2:0 verwandelte.

Varese reagierte wütend, und tatsächlich gelang ihnen der Anschlusstreffer postwendend - Jerzy Zarzycki traf nach schöner Vorbereitung von Joel Satchmore (25.). Für einen Moment schien es, als könnte das Spiel kippen. "Da haben wir ein bisschen den Espresso zu früh gefeiert", knurrte Neapel-Trainer Giovanni Diaco später halb ironisch. Doch sein Team fing sich schnell. Alessandro Mango de Aquino - Name wie ein Gedicht, Schuss wie ein Presslufthammer - stellte in der 40. Minute den alten Abstand wieder her. 3:1 zur Pause, und das Publikum sang, als wäre die Meisterschaft schon entschieden.

Neapel dominierte - 24 Torschüsse, 58 Prozent Ballbesitz, und die Abwehr von Varese wankte wie ein Sandburgwall bei Flut. Trotzdem kam das Team von Georg Wagner nach der Halbzeit noch einmal auf. James Kober, der bullige Linksaußen, nutzte in der 53. Minute eine Nachlässigkeit in der Defensive zum 3:2. Wagner brüllte von der Seitenlinie: "Jetzt seid ihr endlich wach!" - woraufhin sein Co-Trainer leise anmerkte: "Vielleicht ein bisschen zu spät."

Doch die Hoffnung der Gäste hielt nicht lange. Nur 23 Minuten später machte der 21-jährige Juan Pablo Gomes alles klar. Wieder war es Lehmann, der den entscheidenden Pass spielte - sein dritter Assist an diesem Abend, ein Mann mit Übersicht und einer Gelassenheit, als würde er Schach im Park spielen. Gomes, frisch eingewechselt für Christopher Gady, schlenzte den Ball in der 76. Minute zum 4:2 ins Netz. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte der junge Argentinier, "und das Tor war mein Lächeln für die Fans."

Danach wurde es ruppig. Neapels Innenverteidiger Maximilian Schwab sah Gelb (77.), kurz darauf auch der leicht übermotivierte Hamza Avci (80.). Wenig später musste Avci nach einem Zweikampf verletzt raus - Michael Poggi kam für ihn. Trainer Diaco nahm’s pragmatisch: "Hamza hat ein großes Herz, manchmal zu groß für seine Knochen."

Varese mühte sich bis zum Schluss, kam aber kaum noch in den Strafraum. Ein letzter Schussversuch von Fabio Cervicati in der Nachspielzeit landete mehr in der Nähe der Eckfahne als des Tores. "Wir haben viel gekämpft, aber Neapel war heute einfach eine Klasse besser", gab Wagner ehrlich zu. "Wenn du 24 zu 6 Torschüsse kassierst, brauchst du keine Statistik - du brauchst Aspirin."

Im Stadion feierten die Fans ihr Team, als hätte es gerade die Champions League gewonnen. Lehmann, Spieler des Abends, wurde von den Kollegen auf Schultern getragen. "Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich heute ’Bravo, Christophe!’ gehört habe", lachte er, "aber ich nehme’s gern mit nach Hause."

Ein Auftakt nach Maß für Neapel - mit Offensivdrang, Witz und jugendlicher Frechheit. Varese dagegen muss sich fragen, ob man mit einer so offenen Spielweise in dieser Liga bestehen kann. Doch immerhin: Zwei Tore auswärts sind ein Trostpflaster, wenn auch ein kleines.

Oder, wie ein alter Fan beim Verlassen des Stadions meinte, während er seine Vespa anwarf: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald eine eigene Feuerwehr für die Angriffsreihe."

Und wer weiß - vielleicht hat er gar nicht so unrecht. In Neapel brennt’s schon wieder, diesmal ganz ohne Vulkan.

11.08.644000 17:20
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Der Trainer wird uns schon auf den Boden zurückholen. Morgen wird es den längsten Waldlauf der Geschichte geben!
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