Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Neapel tanzt Mailand aus - 5:2! Eine süditalienische Lehrstunde im San Siro

Es war einer dieser Abende, an denen der berühmte Mailänder Fußballtempel eher an eine Oper erinnerte - allerdings eine, in der das Orchester aus Neapel spielte und die Mailänder Statisten in der Kulisse blieben. 40.310 Zuschauer sahen, wie der AC Neapel den AS Mailand mit 5:2 vom Platz fegte und dabei mühelos den Ton angab. Fünf Tore, 17 Torschüsse, 63 Prozent Ballbesitz - das liest sich nicht wie ein Auswärtssieg, sondern wie ein Heimspiel mit Gastrecht.

Schon nach 18 Minuten klang der erste Akkord: Stephane Larocque, Neapels quirliger Rechtsaußen, nahm einen Pass von Christophe Lehmann auf und versenkte den Ball trocken ins lange Eck. Torwart Arnau Makukula streckte sich vergeblich, und auf der Mailänder Bank rieb sich Trainer Onerom Jackson die Schläfen. "Ich dachte, wir hätten das Mittelfeld dichtbekommen", murmelte er später - ein Satz, der sich in der Nachbetrachtung fast zynisch liest.

Mailand antwortete immerhin: In der 32. Minute traf Maurizio Serralta nach einem schnellen Konter zum 1:1. Das Stadion jubelte, als hätte man die Tabellenführung zurückerobert. Doch noch vor dem Pausenpfiff stellte Christopher Gady den alten Abstand wieder her, erneut nach Vorarbeit des unermüdlichen Lehmann. 2:1 für Neapel zur Pause - und das war schmeichelhaft für die Gastgeber.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Neapel stürmte, Mailand staunte. In der 48. Minute traf wieder Larocque, diesmal mit einem wuchtigen Schuss nach einer herrlichen Kombination über Lehmann. Nur eine Minute später zirkelte der 18-jährige Simone Amato den Ball ins Kreuzeck - 4:1. Mailands Verteidigung wirkte in diesen Momenten so orientierungslos, dass man fast Mitleid bekam. "Wir wollten offensiv bleiben", erklärte Trainer Jackson trotzig. "Das hat man gesehen", grinste ein Journalist in der Pressekonferenz, woraufhin der Coach nur die Augen verdrehte.

Immerhin gelang den Mailändern noch ein Lebenszeichen: Elliot Eliot verkürzte in der 60. Minute nach schöner Vorlage von Alberto Pozzi auf 2:4. "Da war kurz Hoffnung, dass noch was geht", sagte Eliot später. "Dann fiel uns ein, dass die anderen einfach besser waren." Ehrliche Worte nach einem bitteren Abend.

Neapel ließ sich nicht beirren. Der eingewechselte Juan Pablo Gomes setzte in der 85. Minute den Schlusspunkt. Nach einem feinen Pass des jungen Amato drückte er den Ball humorlos über die Linie. 5:2 - und das in Mailand. Trainer Giovanni Diaco grinste nach dem Spiel verschmitzt: "Wir wollten zeigen, dass man auch im Norden tanzen kann."

Statistisch war es ein Klassenunterschied: 17 Torschüsse zu 5, 63 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe, mehr Ideen, mehr Tempo. Neapel spielte "balanced", wie die Daten sagen - aber das sah eher nach einer perfekt austarierten Dominanz aus. Mailand dagegen blieb seinem offensiven Ansatz treu, allerdings ohne Pressing, dafür mit großzügiger Raumverteilung im eigenen Strafraum.

Kleine Randgeschichten machten das Spiel noch würziger: In der 42. Minute musste Neapels Hamza Avci verletzt raus, Michael Poggi kam - und erhielt prompt in der 57. Minute Gelb, offenbar als Zeichen seiner Einsatzfreude. Auch Emil Musiala (Neapel) sowie Niccolo Lorenzo und der junge Nacho Fernandez auf Mailänder Seite sahen Gelb. "Wir wollten wenigstens farblich mithalten", witzelte Lorenzo später im Kabinengang.

Die Stimmung auf den Rängen schwankte zwischen Resignation und Galgenhumor. Ein älterer Fan rief nach dem fünften Tor: "Wenigstens haben wir zwei geschossen!" - worauf sein Sitznachbar trocken entgegnete: "Ja, aber nicht genug für eine Rückfahrt ohne Kopfschmerz."

Trainer Diaco lobte anschließend vor allem seine Mittelfeldachse: "Lehmann war heute unser Dirigent, Larocque und Amato die Solisten." Und tatsächlich: Der 31-jährige Lehmann spielte wie ein erfahrener Maestro, der das Tempo vorgibt und die Pausen bestimmt.

Mailand hingegen muss sich fragen, ob "offensiv ohne Pressing" wirklich eine Strategie oder nur ein hübsches Missverständnis ist. 37 Prozent Ballbesitz, kaum Zugriff im Zentrum, und eine Abwehr, die mehr Lücken hatte als ein Schweizer Käse - das ist kein Rezept für Punkte in der Serie A.

Am Ende blieb von diesem Abend vor allem die Einsicht, dass Neapel derzeit nicht nur schöner, sondern auch smarter Fußball spielt. "Wenn du fünf Tore auswärts machst, darfst du dir den Espresso doppelt gönnen", sagte Diaco zum Abschied lachend - und verschwand Richtung Mannschaftsbus, während auf der Gegenseite Jackson noch mit seinem Notizblock diskutierte.

Ein Abend zum Vergessen für Mailand, ein Fest für Neapel. Und wer weiß - vielleicht war das erst der Auftakt zu einer Saison, in der der Süden wieder den Takt vorgibt.

23.11.644002 00:20
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Eng.
Mehmet Scholl auf die Frage, wie es war, als Bundeskanzler Kohl nach dem EM-Sieg 1996 in die Kabine kam
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager