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Nevsehir dreht das Spiel - Denia verliert Nerven und Führung

Es gibt Fußballabende, da spürt man schon beim Einlaufen der Mannschaften, dass etwas in der Luft liegt. 79.500 Fans im Nevsehir-Stadion hatten dieses Gefühl am Dienstagabend, und sie sollten Recht behalten. Am Ende stand ein 2:1-Sieg für Nevsehir gegen CD Denia - nach einem Spiel, das alles bot: frühe Gelbe Karten, taktische Kapriolen, ein Platzverweis mit Ansage und zwei Tore, die das Stadion beben ließen.

Dabei hatte es für die Gäste aus Spanien so gut begonnen. In der 32. Minute zirkelte Deniàs Mittelfeldstratege Patryk Chalaskiewicz den Ball nach feiner Vorarbeit von Ilias Theodoridis ins Netz. Der Pole hob danach die Arme, als wolle er sich selbst applaudieren, und grinste Richtung Tribüne. "Ich wusste, dass er so kommt - Ilias spielt die Dinger im Schlaf", sagte Chalaskiewicz später, während Theodoridis lachend ergänzte: "Na ja, im Schlaf vielleicht nicht - aber im Halbschlaf schon."

Nevsehir taumelte kurz, rappel­te sich aber noch vor der Pause wieder auf. Trainer Mehmet Kaan brüllte an der Seitenlinie so laut, dass selbst die Ersatzspieler von Denia zusammenzuckten. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn ihr weiter so spielt, bekommt ihr kein Abendessen!", witzelte Kaan später.

Doch Tore blieben zunächst aus. Seha Aurelio prüfte den gegnerischen Keeper Giovanni Sala mehrfach früh (3., 4., 9. Minute), aber der Italiener im Denia-Tor war hellwach. Erst nach dem Seitenwechsel platzte der Knoten: In der 54. Minute stand Emil Musiala - nein, kein Verwandter des deutschen Nationalspielers, aber fast genauso technisch versiert - goldrichtig. Nach einem abgefälschten Ball von Serhat Aydemir zog er trocken ab. 1:1. Das Stadion explodierte, und Mehmet Kaan sah plötzlich zehn Jahre jünger aus.

"Wir wussten, dass Denia nachlassen würde", erklärte Kapitän Vahap Bayraktar später mit einem Augenzwinkern. "Sie spielen gern schön, aber nicht gern schmutzig - und genau das braucht man hier in Nevsehir."

In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Beide Teams hatten nahezu gleich viel Ballbesitz (49,5 zu 50,5 Prozent), die Torschussstatistik (14:11) sah Nevsehir leicht vorn. Doch Denia verlor allmählich die Kontrolle - und die Nerven.

Rechtsverteidiger Josef Kimmich, der zuvor schon mit Gelb vorbelastet war, sah in der 81. Minute erneut Gelb, zwei Minuten später dann Gelb-Rot. Trainer Mark Zander war außer sich: "Josef hat nur geatmet! Und der Schiri meinte, das sei unsportlich", polterte der Coach in der Pressekonferenz. Tatsächlich hatte Kimmich kurz zuvor den Ball etwas zu leidenschaftlich weggeschlagen - eine Einladung für den Unparteiischen.

Mit einem Mann mehr roch Nevsehir Blut. In der 85. Minute war es dann soweit: Sezer Özari drückte den Ball nach einer Ecke von Bayraktar über die Linie. 2:1. Özari riss das Trikot hoch, zeigte auf den Himmel und brüllte: "Für meine Oma!" - ein Moment, der selbst die härtesten Fans kurz rührte.

Die letzten Minuten waren ein einziger Hexenkessel. Deniàs Robin Beckmann versuchte es noch einmal in der 90. Minute mit einem Distanzschuss, doch Nevsehir-Keeper Latif Kaynak hechtete in die Ecke und hielt den Sieg fest. Mit der Faust in der Luft und einem Urschrei, der bis in die Stadtmitte hallte, feierte Kaynak seine Parade.

"Wir haben nie aufgehört zu glauben", sagte Matchwinner Özari nach Abpfiff. "Selbst als der Ball mal wieder über den Parkplatz flog - wir wussten, irgendwann trifft einer richtig." Mehmet Kaan nickte zufrieden: "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches. Und ehrlich gewinnt am Ende meistens."

Auf der anderen Seite blieb Mark Zander nur die bittere Erkenntnis: "Wir wollten clever spielen - am Ende waren wir einfach nur zu brav." Sein Team hatte sich in der zweiten Halbzeit zu sehr zurückgezogen, und der Platzverweis besiegelte das Schicksal.

Die Fans von Nevsehir sangen noch lange nach Abpfiff, während die Flutlichter schon erloschen. Ein 2:1, das nach mehr schmeckt - nach Selbstvertrauen, nach Aufbruch, vielleicht nach einem kleinen Stück Fußballwunder. Und irgendwo in der Kabine soll Mehmet Kaan leise gemurmelt haben: "Heute gibt’s Abendessen für alle."

Ein Spiel mit allem, was dazugehört - Drama, Leidenschaft, und ein bisschen Chaos. Kurz gesagt: Champions League, wie sie sein soll.

12.02.644003 00:40
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