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Was für ein Abend in Nevsehir! 63.600 Zuschauer brüllten sich am Montagabend die Seele aus dem Leib, als ihre Mannschaft nach einer zunächst wackligen ersten Halbzeit Trogari Nitra in der zweiten Hälfte regelrecht zerlegte. 5:2 hieß es am Ende - und das nach einem 1:2‑Rückstand zur Pause. "Ich habe in der Kabine nur gesagt: Jungs, spielt einfach Fußball", grinste Nevsehir‑Coach Mehmet Kaan später. Offenbar ein Satz mit magischer Wirkung. Dabei hatte alles so hoffnungsvoll für die Gastgeber begonnen. Schon in der 9. Minute donnerte Seha Aurelio den Ball unter die Latte - 1:0. Der Brasilianer mit türkischem Pass hob kurz die Arme, als wolle er sagen: "So einfach kann’s gehen." Doch wer dachte, das sei der Auftakt zu einem gemütlichen Heimabend, sah sich gründlich getäuscht. Denn Trogari Nitra, angetreten mit einer überraschend offensiven Ausrichtung, biss sich zäh in die Partie. Zweimal - in der 32. und 45. Minute - traf Jozef Harsanyi, jeweils nach feiner Vorarbeit von Ragip Gürsoy. Zwei nahezu identische Szenen: Flanke von links, Harsanyi steigt höher als alle anderen, Kopfball, Tor. Nevsehir‑Keeper Nahit Mandirali war jedes Mal machtlos und fuchtelte wütend mit den Armen. "Wir waren in dieser Phase einfach zu brav", gestand Kapitän Vahap Bayraktar später. Dann kam die Pause - und offenbar auch der Espresso der Erkenntnis. Keine fünfzig Sekunden nach Wiederanpfiff knallte Sezer Özari den Ball zum 2:2 in die Maschen, nach feiner Vorlage von Emil Musiala. Das Stadion explodierte. "Ich hab’ gar nicht gesehen, dass der Ball drin ist, so laut war’s", lachte Özari. Und plötzlich lief der Ball, als hätte jemand bei Nevsehir den Turbo gezündet. In der 54. Minute folgte der Doppelschlag: Turhan Sentürk traf nach Pass von Nestor Vazquez zum 3:2. Nur fünf Minuten später legte Aurelio nach - sein zweiter Treffer des Abends, wieder Musiala der Vorbereiter. Und als der Stadionsprecher gerade verkündete, dass Trogari Nitra wegen einer roten Karte gegen Gürsoy (56.) nun in Unterzahl weitermachen müsse, rollte schon der nächste Angriff. "Da ist uns das Spiel völlig entglitten", seufzte Gästecoach Chris Armstrong. "Nach dem Platzverweis waren wir schlicht überfordert." Seine Elf versuchte zwar, mit langen Bällen zu kontern, doch Nevsehir schnürte die Gäste nun ein. In der 74. Minute machte Aurelio mit seinem dritten Treffer den Deckel drauf - diesmal nach einer Ecke und Kopfballverlängerung von Bayraktar. Danach wurde es ein Schaulaufen. Der eingewechselte 18‑jährige Gareth Bale (ja, derselbe, der als Nachwuchstalent im Sommer aus Wales kam) zeigte auf dem rechten Flügel ein paar Tricks, die selbst die Ordner kurz innehalten ließen. Ein Zuschauer rief: "Gib ihm ’nen Ball, der tanzt ihn rein!" - und Bale grinste nur. Statistisch gesehen war Nevsehir am Ende leicht überlegen: 51,8 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse gegenüber 9 der Slowaken. Doch der Unterschied lag weniger in Zahlen als in Haltung. Während Nitra nach der Pause in sich zusammenfiel, spielte Nevsehir plötzlich mit einer Leichtigkeit, die an Straßenfußball erinnerte. Der verletzungsbedingte Ausfall von Önder Özgültekin in der 77. Minute trübte den Abend nur kurz. "Es zwickt im Knöchel, aber das kriegen wir hin", winkte der Linksverteidiger später ab. Trainer Kaan zeigte sich nach dem Schlusspfiff entspannt wie ein Mann, der gerade eine schwere Tür aufgestoßen hat: "Wir wussten, dass wir Qualität haben. Heute haben wir sie 45 Minuten lang gezeigt - immerhin die richtige Hälfte." Armstrong dagegen verschwand wortlos in den Katakomben, nur ein sichtlich genervter Assistenztrainer rief noch: "Wir müssen lernen, dass Fußball 90 Minuten dauert!" Und so bleibt am Ende ein Abend, der in Nevsehir wohl noch lange besungen wird - zumindest bis zum Rückspiel. Denn mit einem 5:2‑Polster reist man gern nach Nitra. Die Fans sangen noch lange nach Abpfiff, während der junge Bale ein Selfie mit Balljunge machte. Vielleicht das Symbol des Abends: Erfahrung trifft jugendlichen Übermut - und diesmal gewann das Lächeln. Oder, wie Stadionsprecher Cem sagte, bevor das Licht ausging: "Wenn das die Qualifikation war, will ich gar nicht wissen, wie die Champions League aussieht!" 22.11.644002 22:03 |
Sprücheklopfer
Der Abstieg trifft sicher eine Mannschaft, die noch gar nicht damit rechnet.
Friedel Rausch kurz bevor er mit dem Club absteigen musste