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59.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Rosario bekamen an diesem kühlen Aprilabend genau das, was sie wollten - Leidenschaft, Tore und ein bisschen Chaos. Die Newells Men schlugen im Hinspiel der Copa-Libertadores-Play-offs die Gäste von Academia Lima mit 3:0 (1:0) und legten damit einen gewaltigen Schritt Richtung Viertelfinale hin. Schon die ersten Minuten machten klar: Das wird kein gemütlicher Südamerika-Abend mit Ballstafetten zum Einschlafen. Lima eröffnete das Feuer bereits nach zwei Minuten - Christiano Meireles prüfte den Heimkeeper Christian Carew mit einem strammen Schuss aus der zweiten Reihe. Carew hielt, und das Publikum wachte endgültig auf. "Da wusste ich, dass ich heute keine ruhige Schicht bekomme", grinste der Torwart später. Die Antwort der Newells kam postwendend: Alejandro Sa Pint, der linke Wirbelwind, setzte in der 5. Minute ein erstes Ausrufezeichen. Von da an war klar, dass hier zwei Teams keine Lust auf Taktikkrieg hatten. Doch während Lima nach vorn stürmte, vergaßen sie hinten das kleine Einmaleins der Verteidigung. In der 14. Minute war es Joseba Canton, der nach einer butterweichen Flanke von Marko Nurmela trocken vollstreckte - 1:0. "Ich hab einfach gedacht: Wenn keiner hingeht, geh ich halt selbst", sagte Canton lachend. Das frühe Tor brachte Ruhe in die Reihen der Gastgeber, die sich fortan auf kluges Umschalten verlegten. Lima dagegen suchte verzweifelt nach dem Weg durch die engmaschige Abwehr von Ricardo Sancho und Co. Trainer Stefan Liebe stand derweil stoisch an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und murmelte laut genug, dass die Ersatzbank kicherte: "Wenn sie so weitermachen, kann ich mir morgen den Trainingsplan sparen." Nach der Pause versuchte Olli Kahn, der Trainer von Academia Lima, das Spiel mit offensiverem Kurs zu drehen. Er brachte Tilleman für Seidel, später musste der unglückliche Nuno Etxeita verletzt raus - ein weiterer Rückschlag. Kahn tobte an der Seitenlinie, als ob er selbst wieder zwischen den Pfosten stünde. "Wir wollten Druck machen, aber nach der Verletzung war der Plan futsch", knurrte er später. Und dann kam die 68. Minute. Innerhalb von 120 Sekunden sah Limas Matteo Pedivigliano erst Gelb - und gleich darauf Gelb-Rot, weil er offenbar dachte, der Schiedsrichter hätte sein erstes Kärtchen vergessen. "Ich hab ihm nur gesagt, dass das kein Foul war", verteidigte sich der Mittelfeldmann. "Vielleicht etwas zu laut." Das Publikum bedankte sich mit hämischem Applaus, und der Rest war Formsache. Gegen zehn müde Peruaner rollte nun Angriff auf Angriff. In der 79. Minute durfte der starke Nael Pero zum ersten Mal jubeln. Nach einem Freistoß von Ricardo Sancho stieg er am höchsten und nickte ein - 2:0. Lima taumelte, und die Newells hatten Blut geleckt. Neun Minuten später war es wieder Pero, der nach perfektem Zuspiel von Sa Pint den Ball eiskalt ins lange Eck schob. 3:0, Stadion im Ausnahmezustand. "Ich hab gar nicht gesehen, wie er reingegangen ist", meinte Pero später, "ich hab nur das Brüllen gehört." Die Statistiken erzählen die Geschichte eines Spiels, das enger aussah, als es war: 14 zu 9 Torschüsse, fast ausgeglichener Ballbesitz (49,7 zu 50,3 Prozent), aber die Effizienz - die lag ganz klar bei den Gastgebern. Lima rannte, kämpfte, biss - aber am Ende fehlte die Präzision. In der Nachspielzeit gönnte Liebe seinem Publikum noch zwei Debüts: Der 19-jährige Ricardo Bordalas und der 18-jährige Marc Marquez (nein, nicht der mit dem Motorrad) durften kurz Libertadores-Luft schnuppern. "Wenn sie so weiterarbeiten, machen sie das nächste Mal länger", versprach der Coach. Nach Schlusspfiff war die Stimmung ausgelassen. Fans sangen, Spieler tanzten, und Stefan Liebe grinste in die Kameras: "Ein gutes Hinspiel. Aber wer mich kennt, weiß: Ich mag Rückspiele noch lieber." Olli Kahn dagegen stapfte mit verschränkten Armen vom Platz und murmelte etwas von "Mentalität" und "fehlender Gier". Ein Abend, an dem die Zahlen klar waren - 3:0, drei Torschützenmomente, eine Gelb-Rote, 59.000 glückliche Kehlen. Und irgendwo im Spielertunnel hörte man Nael Pero noch rufen: "Ich hab noch Platz für ein drittes Tor - im Rückspiel!" So klingt Selbstvertrauen. Und so riecht, man verzeihe die Metapher, ein Hauch von Halbfinale. 14.08.643996 15:52 |
Sprücheklopfer
Und wenn dein Reden auch stockfalsch und blödsinnig ist - hauptsache, du tust wieder den Mund auf.
Lothar Matthäus